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Arme und Freunde der Armen: Das Volk von Sant'Egidio feiert heute den 48. Gründungstag der Gemeinschaft

4 Februar 2016

Sant'Egidio

Das schönste Geschenk ist die Ankunft der ersten syrischen Flüchtlingsfamilie durch die humanitären Kanäle. Liturgie in der Lateranbasilika um 18.30 Uhr, Vorsitz Erzbischof Matteo Zuppi von Bologna.

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Die Gemeinschaft Sant'Egidio wird 48 Jahre alt. In Rom wird heute der Jahrestag dieses "Volkes von Sant'Egidio" mit einer Eucharistiefeier in der Lateranbasilika begangen. Den Vorsitz der Feier übernimmt Erzbischof Matteo Zuppi, der seit wenigen Monaten die Erzdiözese Bologna leitet.

Das schönste Geschenk macht uns die Familie Al Hourani durch ihre Anwesenheit in Rom. Es sind die ersten syrischen Flüchtlinge, die durch die humanitären Kanäle angekommen sind. Es ist ein Abkommen der Gemeinschaft Sant'Egidio, der Union der Evangelischen Kirchen in Italien und des Waldensertischs mit dem Innen- und Außenministerium Italiens. Durch dieses ökumenische Projekt können weitere eintausend Flüchtlinge aus Lagern im Libanon, in Marokko und Äthiopien in den kommenden Monaten auf sicherem Wege nach Italien kommen und müssen nicht die "Todesreisen" über das Mittelmeer antreten. Aktuell besteht diese Möglichkeit nur in Italien. Die Kosten übernehmen die Trägerorganisationen. Wir sind überzeugt, dass dieses Modell auch auf andere europäische Staaten übertragbar ist, denn es verbindet die Notwendigkeit, Menschenleben zu retten, mit der Sicherheit.

Die Einrichtung der humanitären Kanäle ist nur ein Kapitel der Arbeit von Sant'Egidio im vergangenen Jahr. Weitere Schwerpunkte waren:

· Friedensarbeit. Auch in den vergangenen Monaten haben wir uns vor allem in Afrika für die Lösung einiger Konflikte eingesetzt. An erster Stelle steht die Zentralafrikanische Republik, wo Papst Franziskus die erste heilige Pforte des Jubiläums der Barmherzigkeit eröffnet hat. Das Land liegt unserer Gemeinschaft am Herzen; sie hat den Austausch zwischen den Parteien gefördert und die neuesten Wahlen begleitet mit dem Ziel, das ganze Land zu befrieden. Andrea Riccardi sagt, dass "der Krieg der Vater aller Armut ist"; daher ist die Gemeinschaft in weiteren Konflikten um Schlichtung bemüht, beispielsweise in Libyen. Einige Besuche bei unserer Gemeinschaft haben uns in diesem Einsatz ermutigt: Der UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat unsere Friedensarbeit mit dem Bedürfnis in Verbindung gebracht, humane und sichtbare Antworten auf die Flüchtlingswelle zu geben, die Europa erreicht. Beim Treffen mit der Hohen Vertreterin der Europäischen Union für Außenpolitik, Federica Mogherini, hob sie die Bedeutung der Methode von Sant'Egidio für Europa hervor: "Mit allen sprechen, alle möglichen Kanäle auftun, um zum Frieden zu gelangen."

· DREAM-Programm. Neben der Fortsetzung der Prävention und Behandlung von 270.000 AIDS-Kranken in zehn afrikanischen Ländern gab es in diesem Jahr die Neuheit von DREAM 2.0. Es handelt sich um eine ehrgeizige Innovation bei der Behandlung schwerer Krankheiten auf dem Niveau der reichen Länder bei unseren HIV-positiven Patienten, insbesondere bei Frauen, den wahren Säulen der afrikanischen Gesellschaft.

· BRAVO-Programm. Das vor einigen Jahren in Afrika begonnene BRAVO-Programm (Birth Registration for All Versus Oblivion) fördert die Registrierung von Kindern beim Einwohnermeldeamt. Beispielsweise in Burkina Faso, das kürzlich ein schreckliches Terrorattentat erlebt hat, bietet die Registrierung beim Einwohnermeldeamt Schutz vor verschiedenen Gefahren und vor Ausbeutung. Ohne Dokumente laufen Kinder Gefahr, als Kindersoldaten rekrutiert zu werden, sie werden leichter Opfer von Sklaverei, sexuellem Missbrauch, Frühverheiratung und Kinderarbeit.

· Tägliche Solidarität ist ein Grundpfeiler der Gemeinschaft von Anfang an, seit jenem Februar 1968 in Rom. Sie hat sich auf der ganzen Welt ausgebreitet, sodass immer mehr Arme Freunde der Gemeinschaft werden. Im vergangenen Jahr wurde durch die Verschlimmerung der Konflikte und die große Zahl der Flüchtlinge nach Europa der Einsatz für die Aufnahme und Integration der Migranten.verstärkt. In Italien und anderen europäischen Ländern - beispielsweise Deutschland und Ungarn - haben wir konkrete Lösungen vorgeschlagen, die das Zusammenleben und gegenseitigen Respekt fördern. Die Gemeinschaft hat sich außerdem verstärkt für soziale Inklusion eingesetzt. Viele Initiativen zielen auf den Aufbau sozialer Netzwerke und wenden sich gegen Isolation, die Missstände und Armut schafft und vergrößert. Ein Zeichen für den Wunsch, durch die Solidarität viele zu erreichen, war unser traditionelles Weihnachtsmahl. Am Anfang des Jubiläums haben mit der Gemeinschaft 200.000 Personen in 78 Ländern der Welt am Festmahl teilgenommen - Helfer und Menschen, die Hilfe erfahren. Es war ein "Mercy Christmas", ein Weihnachten der Barmherzigkeit für viele und ein Zeichen, dass sich die Welt ausgehend von den Armen und den Peripherien verändern kann: einsame alte Menschen, Obdachlose, Flüchtlinge, Straßenkinder in Afrika und Lateinamerika waren unsere Gäste. Es sollen auch die Schulen des Friedens erwähnt werden, die auf allen Kontinenten Zigtausende Kinder begleiten, damit sie in einem Klima ohne Gewalt aufwachsen, die in ihren Vierteln oft sehr verbreitet ist.

· Gebet. Neben den Armen und dem Frieden hat Papst Franziskus bei seinem Besuch der Gemeinschaft im Juni 2014 das Gebet einen Grundpfeiler von Sant'Egidio genannt. Im vergangenen Jahr haben wir unsere Gebetsorte für viele geöffnet, die sich uns überall auf der Welt angeschlossen haben, um gemeinsam auf das Wort Gottes zu hören. In besonderer Weise möchten wir dies in diesem Jubiläum in allen Ländern fortsetzen, in denen wir tätig sind, ausgehend vom täglichen Abendgebet in der Basilika Santa Maria in Trastevere in Rom.