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Die letzte und der Würde angemessenste Ausrichtung der Person und der Gemeinschaft ist die Abschaffung des Krieges

13 April 2016

FriedenDie Worte von Papst Franziskus

Wir können Kriege und Streitigkeiten überwinden, wenn wir unsere Mitmenschen als Brüder und Schwestern ansehen

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Die letzte und der Würde angemessenste Ausrichtung der Person und der Gemeinschaft ist die Abschaffung des Krieges. Bekanntermaßen hat auch das Zweite Vatikanische Konzil nur eine einzige Verurteilung ausgesprochen, indem es den Krieg verdammt hat, wobei es sich auch bewusst war, dass der Krieg noch nicht abgeschafft ist und daher, "wenn alle Möglichkeiten einer friedlichen Regelung erschöpft sind, einer Regierung das Recht auf sittlich erlaubte Verteidigung nicht" abgesprochen werden kann (GS 79). Eine weitere feste Überzeugung besteht darin: "Der Konflikt darf nicht ignoriert oder beschönigt werden. Man muss sich ihm stellen" (Evangelium Gaudium 226). Denn man darf nicht in die Falle geraten, den allgemeinen Überblick und das Gespür für die tiefe Verbundenheit der Wirklichkeit zu verlieren. Nur wenn man den Konflikt wahrnimmt, kann man ihn losen und in ein Bindeglied jenes neuen Prozesses eingliedern, den die "Friedensarbeiter" in Gang setzen.

Als Christen wissen wir zudem, dass wir Kriege und Streitigkeiten nur überwinden, wenn wir unsere Mitmenschen als Brüder und Schwestern ansehen. Die Kirche wird nicht müde, die Meinung zu vertreten, dass dies nicht nur auf individueller sondern auch auf der Ebene der Völker und Nationen gültig ist, sodass sie auch die internationale Gemeinschaft als "Völkerfamilie" bezeichnet. Aus diesem Grund habe ich in der Botschaft zum diesjährigen Weltfriedenstag einen Appell an die Verantwortungsträger der Staaten gerichtet, "mit einem Blick über die eigenen Grenzen hinaus ihre Beziehungen zu den anderen Völkern zu erneuern und allen eine wirkliche Einschließung und Beteiligung am Leben der internationalen Gemeinschaft zu erlauben, damit die Brüderlichkeit auch innerhalb der Familie der Nationen verwirklicht wird".

Als Christen wissen wir auch, dass ein hohes, zu beseitigendes Hindernis auf dem Weg zu diesem Ziel in der aufgerichteten Mauer der Gleichgültigkeit besteht. Die Nachrichten der neuesten Zeit beweisen, dass meine Rede von einer Mauer nicht nur eine Bildersprache darstellt, sondern traurige Wirklichkeit ist. Diese Realität der Gleichgültigkeit betrifft nicht nur den Menschen, sondern auch die Umwelt mit häufig unheilvollen Auswirkungen auf die Sicherheit und den sozialen Frieden.

Um die Gleichgültigkeit erfolgreich zu überwinden, müssen wir den Vater nachahmen, der allein uns zu einem Leben in Barmherzigkeit befähigt. Diese Barmherzigkeit kommt in der Solidarität zum Ausdruck und wird sozusagen "politisch", denn die Solidarität bildet die moralische und soziale Grundhaltung, die am besten befähigt, die Wunden unserer Zeit und die gegenseitige Abhängigkeit zwischen einzelnem Leben und familiärer, lokaler oder globaler Gemeinschaft wahrzunehmen.

Daher stehen in unserer komplexen und gewalttätigen Welt die Friedensarbeiter, die die Erfahrung der Gewaltlosigkeit leben, vor einer großen Aufgabe! Es ist wirklich schwierig, eine vollkommene Abrüstung durchzuführen, "indem die Geister gereinigt", Brücken errichtet, Angst bekämpft und der offene und ehrliche Dialog gefördert werden. Denn der Dialog ist schwierig; die Bereitschaft ist nötig, zu geben und auch zu empfangen, nicht von der Voraussetzung auszugehen, dass sich der Andere irrt, sondern von unseren Unterschieden; das Wohl aller muss bedingungslos gesucht und schließlich ein Abkommen gefunden und auch fest eingehalten werden.

Aus der Botschaft von Papst Franziskus an die Konferenz "Nonviolence and Just Peace", Rom, 11.-13. April 2016 (ENG)