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Die vielen Geflüchteten der vergessenen Kriege. Marco Impagliazzo in "La Nuova Sardegna"

31 Mai 2022

Flüchtlinge
Marco Impagliazzo

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Seit über elf Jahren herrscht im Mittelmeerraum ein Krieg, der heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist, dessen Folgen aber für Tausende von Menschen nach wie vor tragisch sind: der Krieg in Syrien. Auch hier kämpfen die Russen. Auch hier ist die Zahl der Flüchtlinge schwindelerregend hoch.

In diesen drei langen Monaten des Krieges in der Ukraine haben wir viele ukrainische Flüchtlinge, die vor dem Krieg geflohen sind, gesehen und unsere Verbundenheit mit ihnen gespürt, weil sie uns offensichtlich ähnlich sind. Sie haben den Vorteil, dass sie dank der vielen Arbeitnehmer, von denen die meisten schon seit Jahren in Italien leben, gut bekannt sind. Niemand hat zu Recht nach Invasion geschrien, als über hunderttausend dieser Geflüchteten auf der Suche nach Schutz vor den Bomben nach Italien kamen. Aber es gibt auch weniger sichtbare Realitäten, die aber für die italienische Gesellschaft ebenso wichtig sind.
Zum Beispiel die der syrischen Flüchtlinge, die vor einem nicht minder blutigen Krieg fliehen, der über 500.000 Opfer gefordert hat (600.000, wenn man die Vermissten mitzählt), bei dem Moskau ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt hat und weiterhin spielt. Und dort wurden ebenfalls viele Orte bombardiert.
Damit will ich nicht nur an die anderen Realitäten dieses "zerstückelten" Konflikts in der Dritten Welt erinnern, über den Papst Franziskus so oft spricht, sondern auch auf ein Phänomen hinweisen, das zu Unrecht als "zusätzlich" für Einwanderer vieler Nationalitäten, einschließlich Syriens, angesehen wird: die Integration. In der Tat wird allzu oft angenommen, dass einige Völker aufgrund ihrer Traditionen, ihrer Kultur oder ihrer Religion weniger Chancen haben als andere, in unserem Land gut zu leben. Aber die Kenntnis von Menschen und Situationen widerlegt viele Vorurteile und offenbart verborgene Aspekte unseres Lebens - unseres Landes, wenn nicht sogar unseres täglichen Lebens.
Für viele Ausländer wird Italien nach und nach zu ihrer Heimat, in der sie nicht mehr als Gäste, sondern als Bürger leben, noch bevor sie die Staatsbürgerschaft haben. Ich beziehe mich auf die Neuankömmlinge und nicht nur auf diejenigen, die diese Staatsbürgerschaft anstreben und dazu berechtigt wären - weil sie seit Jahren in Italien leben -, wenn ein gelinde gesagt archaisches Staatsbürgerschaftsgesetz geändert werden würde.
Dies ist die Geschichte von Moussa, der mit den humanitären Korridoren kam, die von der Gemeinschaft Sant'Egidio und den evangelischen Kirchen organisiert werden. Am Freitagmorgen war er ebenfalls in Fiumicino, aber auf der anderen Seite: nicht bei den anderen Flüchtlingen, sondern bei seinen Landsleuten, etwa vierzig Syrern, die gerade mit dem Flugzeug aus dem Libanon angekommen waren, gerettet aus einer Vorhölle, in der sie für wer weiß wie lange zu bleiben drohten und jeden Tag versucht waren, durch Bootsfahrten über das Mittelmeer aufzubrechen. Er gehört zu den Freiwilligen, die am Flughafen warteten, um diese Menschen willkommen zu heißen und sie in ihr neues Zuhause zu begleiten, um für die Neuankömmlinge aus dem Arabischen zu übersetzen und um sie herzlich aufzunehmen.
Denn Moussa, der vor vier Jahren mit denselben humanitären Korridoren nach Italien kam, spricht heute unsere Sprache, ist Schweißer in einer Ölförderungswerkstatt und hat ein gemietetes Haus in Mantua, wo er bereit ist, seinen Bruder aufzunehmen, der gerade mit vierzig anderen aus Beirut angekommen ist. Die Geschichte von Moussa ist die Geschichte vieler Syrer, die vor dem "anderen russischen" Krieg geflohen sind und sich in Italien aufhalten.
Einige sind sogar ein wenig berühmt geworden. Das ist der Fall von Afisa. Er arbeitet als Frisör im Zentrum von Rom, hinter dem Montecitorio, in der Nähe der Paläste der Macht. Seit er vor fünf Jahren nach Italien kam, arbeitet er so gut, dass sogar Politiker und andere bekannte Persönlichkeiten seinen Laden aufsuchen. Man könnte auch über einen anderen seiner Landsleute sprechen, Nour, der im April 2016 mit einem "besonderen" humanitären Korridor (mit dem Flugzeug von Papst Franziskus aus dem Flüchtlingslager Lesbos) kam und jetzt Biologe im Krankenhaus Bambin Gesù ist.
Die humanitären Korridore sind ein funktionierendes System, das im Übrigen vollständig von der Zivilgesellschaft selbst finanziert wird: Wenn einem am Anfang jemand unter die Arme greift, wird alles einfacher, so dass die Integration auch für die Neuankömmlinge schnell möglich wird. Es sind bedeutende Fortschritte zu verzeichnen: Inzwischen bieten neben Italienern auch ehemalige Flüchtlinge selbst, sobald sie sich niedergelassen haben, ihre Wohnungen für die Gastfreundschaft an.
Sind dies nicht Anzeichen für einen Erfolg? Oder besser für eine tugendhafte Normalität, die wir uns bewusst machen und bekannt machen müssen, aber auch um jenes größeren sozialen Zusammenhalts willen, den wir nach den schmerzlichen Erfahrungen der Pandemie und nun des Krieges in der Ukraine mühsam aufzubauen versuchen.

[ Marco Impagliazzo]