Vorabend des Sonntags

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Gedenken an Josef von Arimathäa, einen Jünger Jesu, der "auf das Reich Gottes wartete".


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird in Ewigkeit nicht sterben.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Matthäus 27,57-61

Gegen Abend kam ein reicher Mann aus Arimathäa namens Josef; auch er war ein Jünger Jesu. Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Da befahl Pilatus, ihm den Leichnam zu überlassen. Josef nahm den Leichnam und hüllte ihn in ein reines Leinentuch. Dann legte er ihn in ein neues Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg. Auch Maria aus Magdala und die andere Maria waren dort; sie saßen dem Grab gegenüber.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen,
so spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Heute erinnert die Kirche an Josef von Arimathäa, einen vermögenden Grundbesitzer und "ein vornehmes Mitglied des Hohen Rats, der auch auf das Reich Gottes wartete" (Mk 15,43). Er wird bei allen vier Evangelisten am Ende der Leidensgeschichte erwähnt. Sie schreiben, dass er ein Jünger Jesu geworden war, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Doch es kam der Zeitpunkt, da er sich öffentlich zeigte, und zwar im Moment des Todes Jesu, als alle Jünger ihren Meister verlassen hatten. In dieser Situation, in der man alles für verloren halten konnte, fand Josef stattdessen den Mut, zu Pilatus zu gehen und um den Leichnam Jesu zu bitten. Wir können uns fragen, woher Josef diesen Mut nahm. Wie fand Nikodemus, ein ebenfalls heimlicher Jünger Jesu, den Mut, sich zu seiner Liebe zu jenem Meister zu bekennen? Die Sonne ging gerade unter, und bald würde die Nacht Jerusalem ins Dunkel hüllen. Mit der Sonne erlosch auch das leuchtende Wort jenes Meisters. Mit diesem so schmachvollen Tod schien alles aus zu sein. Da aber fand Josef von Arimathäa den Mut, in Erscheinung zu treten. Die Empörung über jenen Tod trieb ihn dazu, sich öffentlich zu seiner Liebe zu jenem Meister zu bekennen. Das Böse, das bisher ungehindert seinen Lauf genommen hatte, traf nun auf einen guten Menschen, der sich dieser Macht widersetzte, und die Barmherzigkeit stellte sich der Flucht, der Gleichgültigkeit und der Resignation in den Weg. Dieser Tod war nicht vergeblich gewesen. Ein guter Mensch stellte sich gegen das Böse und zeigte Erbarmen. Josef traf auf Nikodemus, auch er ein heimlicher Jünger Jesu, und gemeinsam bekannten sie sich öffentlich zu ihrer Liebe zu diesem Meister. Der Evangelist Markus schreibt: "Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab" (Mk 15,46). An jenem Freitagabend, als die Nacht alles zu verschlingen schien, zeigen diese beiden Jünger ein Licht, das die Angst besiegt und die Kraft der Liebe sichtbar werden lässt.