Gedenken an den gekreuzigten Jesus

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Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch Rut 1,1.3-6.14-16

Zu der Zeit, als die Richter regierten, kam eine Hungersnot über das Land. Da zog ein Mann mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen aus Betlehem in Juda fort, um sich als Fremder im Grünland Moabs niederzulassen. Elimelech, der Mann Noomis, starb und sie blieb mit ihren beiden Söhnen zurück. Diese nahmen sich moabitische Frauen, Orpa und Rut, und so wohnten sie dort etwa zehn Jahre lang. Dann starben auch Machlon und Kiljon und Noomi blieb allein, ohne ihren Mann und ohne ihre beiden Söhne. Da brach sie mit ihren Schwiegertöchtern auf, um aus dem Grünland Moabs heimzukehren; denn sie hatte dort gehört, der HERR habe sich seines Volkes angenommen und ihm Brot gegeben. Da weinten sie noch lauter. Doch dann gab Orpa ihrer Schwiegermutter den Abschiedskuss, während Rut nicht von ihr ließ. Noomi sagte: Du siehst, deine Schwägerin kehrt heim zu ihrem Volk und zu ihrem Gott. Folge ihr doch! Rut antwortete: Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren! Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ist das Richterbuch - nicht zuletzt wegen der Eroberung des gelobten Landes durch Israel ? von Gewalt und Krieg geprägt, so herrschen im Buch Rut Frieden und Begegnung vor. Der Abschnitt beginnt mit der Erzählung der Rückkehr Noomis nach Betlehem, von wo aus sie gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Söhnen aufgebrochen war, um in das Land der Moabiter auszuwandern, die in der Richterzeit zu den Völkern gerechnet wurden, die Israel unterdrückten (Ri 3). In Moab kann Noomi endlich essen und überleben, doch sie verliert ihren Mann und ihre beiden Söhne. Also entscheidet sie sich zur Rückkehr, denn sie war zwar nicht besitzlos, aber einsam. Diese Einsamkeit bildet den Kontext, in dem Rut als Gefährtin in Noomis Leben eintritt. Rut war Moabiterin und hätte bei ihrem Volk bleiben können. Doch sie entschied sich, bei Noomi zu bleiben und ihr zu folgen, als diese beschloss, nach Betlehem zurückzukehren ? anders als die andere Schwiegertochter, die ihrer Heimat so verbunden war, dass sie dort zurückblieb. Aus Liebe zu Noomi verzichtet Rut auf ihre moabitische Identität und auf die Kultur und Religion ihrer Familie, um beim Volk und bei der Familie, in der Kultur und Religion ihrer Freundin Noomi zu leben. Diese versäumt es nicht, sie auf die Schwierigkeiten hinzuweisen, die eine solche Entscheidung mit sich bringt, doch Rut lässt sich nicht beirren: "Wohin du gehst ... wo du bleibst .... Dein Volk ... dein Gott ..." - wo du lebst, will auch ich leben. Noomi kommt nach Betlehem, doch auch wenn sie ihren Mann verloren hat, ist sie mit dem Reichtum einer neuen Freundschaft gesegnet. Als die Bürger von Betlehem Noomi und ihre Freundin sehen, zeigen sie sich eher misstrauisch als gastfreundlich, sodass Noomi ihren Namen ändern will: "Nennt mich nicht mehr Noomi, Liebliche, sondern Mara, Bittere ... Reich bin ich ausgezogen, aber mit leeren Händen hat der Herr mich heimkehren lassen." In Wirklichkeit aber waren ihre Hände keineswegs "leer", denn die Freundschaft mit Rut war ihr neuer Reichtum. Dieses kleine Buch erzählt uns eine Geschichte über den Reichtum und den besonderen Charakter der Freundschaft. Ruts Entscheidung wird immer bewusster. Sie weiß, dass Freundschaft im Leben nichts Selbstverständliches ist. Sie muss mit Ausdauer und Entschlossenheit aufgebaut und gepflegt werden und erfordert ein Wachstum sowohl des eigenen Bewusstseins als auch des Bewusstseins der Freunde. So wird Rut anfangs als "Fremde" (Rut 2,10), dann als "Magd" (Rut 2,13), dann als "tüchtige Frau" (Rut 3,11) und schließlich als "Frau, die in dein Haus kommt" (Rut 4,11) bezeichnet und auf diese Weise mit den "Müttern" Israels verglichen. Durch ihre starke Freundschaft wird Rut zur Hoffnung für Noomi und Boas.