Gedenken an die Armen

Teilen Auf


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Lukas 21,1-4

Er blickte auf und sah, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legten. Er sah aber auch eine arme Witwe, die dort zwei kleine Münzen hineinwarf. Da sagte er: Wahrhaftig, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, der es am Nötigsten mangelt, hat ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will,
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Jesus ist noch im Tempel. Er hat die Zuhörer gerade vor dem Verhalten der Schriftgelehrten gewarnt, die ostentativ beten und gleichzeitig die Witwen unterdrücken. Während er spricht, beobachtet er einige Reiche, die mit ihrer ansehnlichen Spende Aufmerksamkeit erregen. Irgendwann kommt eine arme Witwe und wirft beinahe verstohlen zwei kleine Münzen in den Tempelschatz. Die Geste und die kleine Spende dieser armen Frau scheinen im Vergleich zu dem, was die Reichen gegeben haben, völlig irrelevant. Dennoch wird diese Tat, die die Mentalität der Welt für unbedeutend hält, vom Herrn als etwas Ewiges anerkannt. Denn die Geste der Frau erwächst nicht aus purer Berechnung, sondern nur aus der Liebe zu ihrem Gott. Diese Witwe liebt Gott wahrhaftig mit ganzer Seele, mit all ihren Kräften und mit ihrem ganzen Selbst - so sehr, dass sie alles gibt, was ihr zum Leben bleibt. Die Liebe hat ihre Geste unsterblich gemacht, so wie sie jedes gute Wort zu den Schwachen und Armen und jede gute Tat an ihnen unsterblich macht. Man muss wissen, dass die Almosen, die in die Opferkästen des Tempels geworfen wurden, für die Organisation des Gottesdienstes, für den Unterhalt der Priester und für die Armenhilfe bestimmt waren. Demnach fühlte sich auch diese arme Witwe dafür verantwortlich, den Tempelkult und die Armen zu unterstützen. Das muss betont werden, damit wir nicht irrtümlich annehmen, die Welt sei in Geber und Nehmer unterteilt. Die arme Witwe fühlt sich dafür verantwortlich, den anderen Armen zu helfen. Jedenfalls ist niemand so arm, dass er nicht einem anderen helfen könnte, der noch ärmer ist als er selbst. Es gibt also ein Ineinandergreifen der wechselseitigen Nähe, das dazu führt, dass man einander hilft: Wer mehr hat, kann dem helfen, der weniger hat. Die Liebe teilt uns nicht ein in Kategorien, im Gegenteil, sie eint uns in einer wechselseitigen Solidarität, in der man den Geber nicht mehr vom Nehmer unterscheiden kann.