Liturgie des Sonntags

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27. Sonntag im Jahreskreis
Gedenktag des heiligen Franziskus von Assisi († 1226).
Gedenken an die Weihe der kleinen Kapelle von Primavalle, des ersten Gebetsortes der Gemeinschaft Sant'Egidio am Stadtrand von Rom.


Erste Lesung

Das Buch Jesaja 5,1-7

Ich will singen von meinem Freund, das Lied meines Liebsten von seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit edlen Reben. Er baute in seiner Mitte einen Turm und hieb zudem eine Kelter in ihm aus. Dann hoffte er, dass der Weinberg Trauben brächte, doch er brachte nur faule Beeren. Und nun, Bewohner Jerusalems und Männer von Juda, richtet zwischen mir und meinem Weinberg! Was hätte es für meinen Weinberg noch zu tun gegeben, das ich ihm nicht getan hätte? Warum hoffte ich, dass er Trauben brächte? Und er brachte nur faule Beeren! Jetzt aber will ich euch kundtun, was ich mit meinem Weinberg mache: seine Hecke entfernen, sodass er abgeweidet wird; einreißen seine Mauer, sodass er zertrampelt wird. Zu Ödland will ich ihn machen. Nicht werde er beschnitten, nicht behackt, sodass Dornen und Disteln hochkommen. Und den Wolken gebiete ich, keinen Regen auf ihn fallen zu lassen. Denn der Weinberg des HERRN der Heerscharen ist das Haus Israel und die Männer von Juda sind die Pflanzung seiner Lust. Er hoffte auf Rechtsspruch - doch siehe da: Rechtsbruch, auf Rechtsverleih - doch siehe da: Hilfegeschrei.

Antwortpsalm

Psalm 80

Du Hirte Israels, höre, der du Josef weidest wie eine Herde! Der du auf den Kerubim thronst, erscheine

vor Efraim, Benjamin und Manasse! Biete deine gewaltige Macht auf, und komm uns zu Hilfe!

Gott, richte uns wieder auf! Laß dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen.

Herr, Gott der Heerscharen, wie lange noch zürnst du, während dein Volk zu dir betet?

Du hast sie gespeist mit Tränenbrot, sie überreich getränkt mit Tränen.

Du machst uns zum Spielball der Nachbarn, und unsere Feinde verspotten uns.

Gott der Heerscharen, richte uns wieder auf! Laß dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen.

Du hobst in Ägypten einen Weinstock aus, du hast Völker vertrieben, ihn aber eingepflanzt.

Du schufst ihm weiten Raum; er hat Wurzeln geschlagen und das ganze Land erfüllt.

Sein Schatten bedeckte die Berge, seine Zweige die Zedern Gottes.

Seine Ranken trieb er bis hin zum Meer und seine Schößlinge bis zum Eufrat.

Warum rissest du seine Mauern ein? Alle, die des Weges kommen, plündern ihn aus.

Der Eber aus dem Wald wühlt ihn um, die Tiere des Feldes fressen ihn ab.

Gott der Heerscharen, wende dich uns wieder zu! Blick vom Himmel herab, und sieh auf uns! Sorge für diesen Weinstock

und für den Garten, den deine Rechte gepflanzt hat.

Die ihn im Feuer verbrannten wie Kehricht, sie sollen vergehen vor deinem drohenden Angesicht.

Deine Hand schütze den Mann zu deiner Rechten, den Menschensohn, den du für dich groß und stark gemacht.

Erhalt uns am Leben! Dann wollen wir deinen Namen anrufen und nicht von dir weichen.

Herr, Gott der Heerscharen, richte uns wieder auf! Laß dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen.

Zweite Lesung

Der Brief an die Philipper 4,6-9

Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren. Im Übrigen, Brüder und Schwestern: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht! Und was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Matthäus 21,33-43

Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen? Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

„Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen". Jesus weist darauf hin, dass Gott eine Vorliebe für das hat, was von den Menschen „verworfen" wird, was sie für unwichtig oder wertlos halten. Das begriff der heilige Franziskus, dessen Fest wir heute feiern, in San Damiano, als er die Stimme des Gekreuzigten hörte, der ihn rief, damit er sein Haus wiederaufbaute. Sein Haus - das war jener Ort, jene Kirche, aber auch das Leben der Menschen. Wie viele Menschen werden bis auf den heutigen Tag verworfen! Als nutzlos betrachtet, als eine Last, was ist ihr Leben schon wert? So ist es auch für das Wort Gottes. Es gerät inmitten all der eitlen und unnützen Wörter oft in Vergessenheit, und doch baut der, der sein Haus, also sein Leben, auf dieses Wort baut, auf Fels!
Jesus ist es, der das Leben mit seinem Evangelium wertvoll macht. Unser Leben wird geliebt wie der Weinberg, von dem die Schrift erzählt. „Es war ein Gutsbesitzer", sagt Jesus, „der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm." Diese Worte erinnern an das „Lied vom Weinberg" des Propheten Jesaja und bringen die ganze Liebe Gottes zu seinem Weinberg zum Ausdruck. Dieser Weinberg ist sein Volk, aber auch die ganze Menschheit und das Leben eines jeden von uns. Der Herr ist es, der seinen Weinberg pflanzt, behütet und aufmerksam pflegt. Was die Früchte des Weinbergs angeht, hat Gott eine bestimmte Erwartung. Der Friede und die Gerechtigkeit sind die Früchte, die diese Welt voller Hoffnung erwartet. Doch allzu oft erhebt sich der Schrei der Unterdrückten von der Erde und schreit das vergossene Blut zum Himmel. Das Gleichnis Jesu erklärt, was mit dem Weinberg der Welt geschieht, wenn Gottes Liebe nicht erwidert wird. Es ist die Geschichte der Winzer, die im Moment der Ernte die Knechte packen, die der Herr ausgesandt hat, um die Früchte des Weinbergs zu holen, sie verprügeln und umbringen. Es ist ein Crescendo der Habgier und Gewalt. Je mehr sich der Herr um seinen Weinberg kümmert, desto feindseliger werden die Winzer. Was geschieht? Sie betrachten jenen Weinberg als ihr Eigentum und beginnen, ein gänzlich eigennütziges Leben darin zu führen. Aus dieser Haltung erwächst die Gewalt, die heute so verbreitet ist. Gott reagiert auf jenen Hass und jene wachsende Feindseligkeit mit einer verrückten und unentgeltlichen Liebe zu uns Menschen: Er hat seinen einzigen Sohn nicht geschont. Was wird aus jenem Weinberg werden? Er wird anderen gegeben werden, die die Früchte abliefern, wenn die Zeit gekommen ist. Das heißt, er wird nicht aufgegeben. Gott sucht nach Früchten, und wenn er sie nicht findet, wird er es dennoch nicht müde, das Gute in den Menschen zu suchen. Deshalb hört er nicht auf, sein Wort und seine Liebe in unser Herz zu säen. Das Volk ist jenes der Demütigen und Armen, das Franziskus von Assisi wiederentdeckt hat. Die Armen, die von allen verworfen worden sind, sind unsere Propheten, keine Propheten des Unglücks, sondern der Freundschaft. Der Herr wird uns in den Armen wieder besuchen kommen, und wenn wir ihnen begegnen und ihre Gefährten werden, wenn wir uns derer annehmen, denen es schlechtgeht, dann werden wir dem Herrn die Möglichkeit geben, von unserem Leben gute Früchte der Barmherzigkeit und des Friedens zu ernten. Dann kann der Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein werden, um den herum wir unser Leben errichten. Das, was die Welt missachtet, was sie für schwach hält wie das Evangelium und seine Einladung, an die Liebe zu glauben, ist in Wirklichkeit das Fundament, auf dem wir ein festeres Leben errichten können. Auf diese Weise können wir alle im Weinberg des Herrn arbeiten und leben und in sein Reich eingehen, wo wir von Gott geliebt werden, der mit Leidenschaft auf seinen Weinberg achtgibt und ihn besuchen kommt, damit er allen gehört.