Liturgie des Sonntags

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28. Sonntag im Jahreskreis


Erste Lesung

Das Buch der Weisheit 7,7-11

Daher betete ich und es wurde mir Klugheit gegeben; ich flehte und der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr. Einen unschätzbaren Edelstein stellte ich ihr nicht gleich; denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm. Mehr als Gesundheit und Schönheit liebte ich sie und zog ihren Besitz dem Lichte vor; denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt. Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.

Antwortpsalm

Psalm 90

Herr, du warst unsere Zuflucht von Geschlecht zu Geschlecht. Ehe die Berge geboren wurden,
die Erde entstand und das Weltall, bist du, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Du läßt die Menschen zurückkehren zum Staub und sprichst: «Kommt wieder, ihr Menschen!»

Denn tausend Jahre sind für dich
wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.

Von Jahr zu Jahr säst du die Menschen aus; sie gleichen dem sprossenden Gras.

Am Morgen grünt es und blüht, am Abend wird es geschnitten und welkt.

Denn wir vergehen durch deinen Zorn, werden vernichtet durch deinen Grimm.

Du hast uns're Sünden vor dich hingestellt, unsere geheime Schuld in das Licht deines Angesichts.

Denn all uns're Tage gehn hin unter deinem Zorn, wir beenden unsere Jahre wie einen Seufzer.

Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer, rasch geht es vorbei, wir fliegen dahin.

Wer kennt die Gewalt deines Zornes und fürchtet sich vor deinem Grimm?

Uns're Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz.

Herr, wende dich uns doch endlich zu! Hab Mitleid mit deinen Knechten!

Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.

Erfreue uns so viele Tage, wie du uns gebeugt hast, so viele Jahre, wie wir Unglück erlitten.

Zeig deinen Knechten deine Taten und ihren Kindern deine erhabene Macht!

Es komme über uns die Güte des Herrn, unsres Gottes.
Laß das Werk unsrer Hände gedeihen, ja, laß gedeihen das Werk unsrer Hände!

Zweite Lesung

Der Brief an die Hebräer 4,12-13

Denn lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenken und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens; vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Markus 10,17-30

Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer der eine Gott. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, umarmte ihn und sagte: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber gerieten über alle Maßen außer sich vor Schrecken und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich. Da sagte Petrus zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen. Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser und Brüder, Schwestern und Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

Das Evangelium zeigt uns Jesus, der den Weg nach Jerusalem wiederaufnimmt. Das ist eine Einladung, die auch an uns gerichtet ist: uns mitnehmen zu lassen auf den Weg des spirituellen Wachstums. Der Mann, von dem das Markusevangelium spricht, "lief" auf Jesus zu. Er hat es eilig, ihm zu begegnen. In dieser Hinsicht verhält er sich wirklich vorbildlich, wenn man bedenkt, wie träge wir selbst dem Herrn nachfolgen. Als er Jesus erreicht hat, wirft sich der Mann zu seinen Füßen nieder und stellt ihm eine Frage, die im Leben wirklich von zentraler Bedeutung ist: "Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?" Dieser Mann läuft zu Jesus hin, und es entspinnt sich ein Dialog. Jesus fragt ihn, ob er die Gebote kennt, und erhält zur Antwort, dass der Mann sie von Jugend an befolgt hat. Er ist alles andere als ein lauer Gläubiger. Ich weiß nicht, wie viele von uns auf die Frage Jesu dieselbe Antwort geben könnten.
"Da sah ihn Jesus an, umarmte ihn und sagte ...", schreibt der Evangelist weiter. Das Wort Jesu ist immer ein sehendes Wort, das liebevoll auf das Leben der Menschen blickt. Auch zu uns heute sagt Jesus mit derselben, eindringlichen Liebe: "Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!" Das Evangelium verlangt immer einen Einsatz, eine Entscheidung und eine Antwort. Als der reiche Mann das hörte, ließ er den Kopf hängen und ging mit traurigem Herzen weg, "denn er hatte ein großes Vermögen", so die bittere Begründung, mit der der Evangelist endet. Jesus wurde ebenfalls wirklich traurig, sehr traurig. Er hatte einen Freund, einen Jünger verloren; und verloren war dieser junge Mann auch für alle die, denen er die Freude des Evangeliums hätte verkünden können.
Jesus fordert uns auf, Gott über alles andere und auch über unseren Besitz zu stellen und die Armen als unsere Brüder und Schwestern zu betrachten, denen wir Liebe und Hilfe schulden. Was der Herr verlangt, gleicht einem Verzicht und ist es zum Teil auch. Vor allem aber ist es eine große Lebensweisheit. Die Antwort Jesu auf die Frage, die Petrus im Namen der Jünger gestellt hat, erklärt ganz konkret, wie sich diese Weisheit des Evangeliums auswirkt: Wer alles aufgibt, um Jesus nachzufolgen, wird in diesem Leben "das Hundertfache" und nach dem Tod das ewige Leben erhalten. Zuweilen meint man, ein Leben im Sinne des Evangeliums bedeute ausschließlich Entbehrung. Das dachte auch der reiche Mann. Doch in Wirklichkeit ist die Entscheidung, dem Herrn nachzufolgen und ihn über alle anderen Dinge zu stellen, überaus lohnend - nicht nur, weil man so in Zukunft seine Seele rettet, sondern auch, weil man das Leben auf dieser Erde hundertfach auskostet. Wer Gott in seinem Leben an den ersten Platz stellt, wird Teil seiner Familie und findet Brüder und Schwestern, die er lieben, Väter und Mütter, die er ehren, und Besitz, den er bearbeiten kann.