Gedenken an die Kirche

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Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ich bin der gute Hirte,
meine Schafe hören auf meine Stimme,
und sie werden
eine einzige Herde sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch Jesaja 26,1-6

An jenem Tag wird dieses Lied im Land Juda gesungen: Wir haben eine starke Stadt. Zum Heil setzt er Mauern und Wall. Öffnet die Tore, damit eine gerechte Nation einzieht, die Treue bewahrt. Festem Sinn gewährst du Frieden, ja Frieden, denn auf dich verlässt er sich. Verlasst euch stets auf den HERRN; denn GOTT, der Herr, ist ein ewiger Fels. Denn die Bewohner der Höhe hat er niedergebeugt, die hoch aufragende Stadt erniedrigt; er hat sie erniedrigt bis zur Erde, sie bis in den Staub gestoßen. Füße zertreten sie, die Füße der Armen, die Tritte der Schwachen.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ein neues Gebot gebe ich euch:
Liebet einander!

Halleluja, halleluja, halleluja.

Dieser Abschnitt ist ein Lob- und Danklied auf den Herrn. Es gibt einen zweifachen Grund zur Freude und Dankbarkeit, zum einen die Zerstörung der "hoch aufragenden Stadt" Babylon, des Sinnbilds für den Stolz und die Überheblichkeit der Mächtigen, welche die Schwachen und Armen unterdrücken, und zum anderen der Aufbau der "starken Stadt" Jerusalem, die das dem Herrn treu ergebene Volk aufnimmt. Die von Gott erbaute Stadt besitzt feste und unbezwingbare Mauern. Deshalb sind die Gläubigen aufgerufen auf Gott zu vertrauen, auf ihn allein. Dieses Vertrauen gründet auf der Liebe Gottes, an der es nie gefehlt hat. Der Prophet mahnt zu diesem Vertrauen angesichts des Instinktes, der jeden von uns dazu drängt, allein auf sich selbst und die eigenen Sicherheiten zu hoffen, und der uns einredet, wir könnten so unsere Existenz verteidigen! Es hat keinen Sinn, Grenzen hochzuziehen und Mauern zu errichten, um die Armen daran zu hindern, zu uns zu kommen, oder Grenzen zu festigen, um sie auf der Suche nach einer neuen Zukunft aufzuhalten. Der Prophet erhebt die Stimme, ja er stimmt ein Lied an, damit die Tore der Stadt wie auch die Türen der Herzen immer offen bleiben. Wenn Papst Franziskus inständig zum Aufbruch aufruft, bezieht er sich dabei auf diese biblische Prophetie der stets geöffneten Tore, durch die sowohl die Gläubigen zu allen hinausgehen als auch alle Bedürftigen in die Stadt gelangen können. Die Stadt wird zum Ort des Zusammenlebens des Volkes der Gläubigen mit dem großen Volk der Armen: Diese beiden Völker dürfen niemals voneinander getrennt werden. Die Gläubigen und die Armen bewohnen gemeinsam diese Stadt, die, wie die Offenbarung schreibt, in ihrer Fülle aus dem Himmel herabsteigen wird, aber schon jetzt auf Erden ihren Anfang nimmt, sooft die Gläubigen und die Armen sich begegnen und einander annehmen. Der Prophet schreibt: "Denn die Bewohner der Höhe hat er niedergebeugt, die hoch aufragende Stadt erniedrigt; er hat sie erniedrigt bis zur Erde, sie bis in den Staub gestoßen". Distanz zu den Armen bedeutet Distanz zu Gott. Das Bild von der erniedrigten und in den Staub gestoßenen Stadt ist hart, aber wahr und in vielen Teilen der Welt auf leidvolle Weise aktuell. Der Prophet mahnt, die Revolution Gottes anzunehmen, die in der Geburt seines Sohnes Jesus ihren Anfang nimmt. Maria aus Nazaret hat als Erste das Wort aufgenommen, das Fleisch geworden ist, und singt ein Loblied auf den Umsturz der weltlichen Logik: "Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten. Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen" (Lk 1,51-52).