Liturgie des Sonntags

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19. Sonntag im Jahreskreis


Erste Lesung

Das Buch der Weisheit 18,6-9

Jene Nacht wurde unseren Vätern vorher angekündigt; denn sie sollten sich freuen in sicherem Wissen, welch eidlichen Zusagen sie vertrauten. So erwartete dein Volk die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde. Wodurch du die Gegner straftest, dadurch hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht. Denn im Verborgenen opferten die heiligen Kinder der Guten; sie verpflichteten sich einmütig auf das göttliche Gesetz, dass die Heiligen in gleicher Weise Güter wie Gefahren teilen sollten, und stimmten dabei schon im Voraus die Loblieder der Väter an.

Antwortpsalm

Psalm 33

Ihr Gerechten, jubelt vor dem Herrn; für die Frommen ziemt es sich, Gott zu loben. Preist den Herrn mit der Zither, spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe!

Singt ihm ein neues Lied, greift voll in die Saiten und jubelt laut!

Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig, all sein Tun ist verläßlich.

Er liebt Gerechtigkeit und Recht, die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn.

Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel geschaffen, ihr ganzes Heer durch den Hauch seines Mundes.

Wie in einem Schlauch faßt er das Wasser des Meeres, verschließt die Urflut in Kammern.

Alle Welt fürchte den Herrn; vor ihm sollen alle beben, die den Erdkreis bewohnen.

Denn der Herr sprach, und sogleich geschah es; er gebot, und alles war da.

Der Herr vereitelt die Beschlüsse der Heiden, er macht die Pläne der Völker zunichte.

Der Ratschluß des Herrn bleibt ewig bestehen, die Pläne seines Herzens überdauern die Zeiten.

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, der Nation, die er sich zum Erbteil erwählt hat.

Der Herr blickt herab vom Himmel, er sieht auf alle Menschen.

Von seinem Thronsitz schaut er nieder auf alle Bewohner der Erde.

Der ihre Herzen gebildet hat, er achtet auf all ihre Taten.

Dem König hilft nicht sein starkes Heer, der Held rettet sich nicht durch große Stärke.

Nichts nützen die Rosse zum Sieg, mit all ihrer Kraft können sie niemand retten.

Doch das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren, die nach seiner Güte ausschaun;

denn er will sie dem Tod entreißen und in der Hungersnot ihr Leben erhalten.

Unsre Seele hofft auf den Herrn; er ist für uns Schild und Hilfe.

Ja, an ihm freut sich unser Herz, wir vertrauen auf seinen heiligen Namen.

Laß deine Güte über uns walten, o Herr, denn wir schauen aus nach dir.

Zweite Lesung

Der Brief an die Hebräer 11,1-2.8-19

Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht. Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten. Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde. Aufgrund des Glaubens siedelte er im verheißenen Land wie in der Fremde und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten; denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat. Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara, die unfruchtbar war, die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden; denn sie hielt den für treu, der die Verheißung gegeben hatte. So stammen denn auch von einem einzigen Menschen, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann. Im Glauben sind diese alle gestorben und haben die Verheißungen nicht erlangt, sondern sie nur von fern geschaut und gegrüßt und sie haben bekannt, dass sie Fremde und Gäste auf Erden sind. Und die, die solches sagen, geben zu erkennen, dass sie eine Heimat suchen. Hätten sie dabei an die Heimat gedacht, aus der sie weggezogen waren, so wäre ihnen Zeit geblieben zurückzukehren; nun aber streben sie nach einer besseren Heimat, nämlich der himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, er schämt sich nicht, ihr Gott genannt zu werden; denn er hat ihnen eine Stadt bereitet. Aufgrund des Glaubens hat Abraham den Isaak hingegeben, als er auf die Probe gestellt wurde; er gab den einzigen Sohn dahin, er, der die Verheißungen empfangen hatte und zu dem gesagt worden war: Durch Isaak wirst du Nachkommen haben. Er war überzeugt, dass Gott sogar die Macht hat, von den Toten zu erwecken; darum erhielt er Isaak auch zurück. Das ist ein Sinnbild.

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Lukas 12,32-48

Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben. Verkauft euren Besitz und gebt Almosen! Macht euch Geldbeutel, die nicht alt werden! Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst! Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. Da sagte Petrus: Herr, sagst du dieses Gleichnis nur zu uns oder auch zu allen? Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen. Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich zu kommen! und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen. Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

"Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben." So beginnt der Abschnitt vom heutigen Sonntag aus dem Lukasevangelium. Er greift das Hauptanliegen der Predigt Jesu auf, nämlich das Kommen des Reiches. Das Evangelium verdeutlicht dieses Anliegen durch das Gleichnis von der Tätigkeit des Verwalters eines Hauses nach der Abreise des Hausherrn. In der Überzeugung, dass der Besitzer erst später zurückkehren wird, beginnt der Verwalter, die Knechte und Mägde zu schlagen, und auch zu trinken und sich zu berauschen. Auf den ersten Blick scheint diese Beschreibung übertrieben, doch damit wird in Wahrheit etwas weit Verbreitetes beschrieben. Denn die vielen Ungerechtigkeiten und die tausenden kleinen Gemeinheiten im Alltagsleben, die allen das Leben schwer machen, entstehen aus dieser durchaus üblichen Haltung. Dabei ist die Misshandlung eines Menschen nicht nur eine uneingeschränkt verabscheuungswürdige Tat, sondern in Wahrheit immer ein Gewaltakt, der sich mehr oder weniger auch gegen den wendet, der ihn ausübt. Dasselbe ereignet sich meiner Meinung nach auch im Bereich der Umweltverschmutzung. Wer die Umwelt in ignoranter Weise verschmutzt, auch wenn er meint, dass es ihn gar nicht betrifft, verschmutzt letztlich auch sich selbst, durch die Luft, die er selbst einatmet, oder durch das Essen, von dem er sich ernährt. Genauso geschieht es auch bei dem, der das Leben anderer erschwert. Denn dadurch verschmutzt er das Leben, und die Gewalt, die er anderen angetan hat, wendet sich auch gegen ihn selbst. Daher fordert der Abschnitt aus dem Evangelium zur Wachsamkeit auf. Wer schlafen will, löscht die Lampen aus; wer bei der Rückkehr des Hausherrn wach sein will, lässt die Lampen brennen.
Zwar ist die Tugend der Wachsamkeit in unserer Zeit etwas in Vergessenheit geraten. Und doch bleibt sie wesentlich für unser Leben. Häufig lassen wir uns durch Sorgen und Ängste beunruhigen. "Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz", sagt Jesus. Hier liegt unser Problem. Der Schatz des Christen ist der Herr und sein Leben besteht in der Erwartung des Herrn. Jesus spricht über den Lohn, der denen verheißen ist, die er wach findet. Es handelt sich um einen unfassbaren und für die normalen Gewohnheiten unvorstellbaren Lohn, denn der Herr wird selbst zum Diener der Knechte. Er wird sich gürten, sie am Tisch auf den Kissen Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Dies ist der Sinn eines Lebens in Fülle, das diejenigen erfahren, die nicht für sich, sondern in der Aufnahme des Herrn wachsam sind.