Liturgie des Sonntags

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27. Sonntag im Jahreskreis


Erste Lesung

Habakuk 1,2-3+2,2-4

Wie lange, HERR, soll ich noch rufen und du hörst nicht? Ich schreie zu dir: Hilfe, Gewalt! Aber du hilfst nicht. Warum lässt du mich die Macht des Bösen sehen und siehst der Unterdrückung zu? Wohin ich blicke, sehe ich Gewalt und Misshandlung, erhebt sich Zwietracht und Streit. Der HERR gab mir Antwort und sagte: Schreib nieder, was du siehst, schreib es deutlich auf die Tafeln, damit man es mühelos lesen kann! Denn erst zu der bestimmten Zeit trifft ein, was du siehst; aber es drängt zum Ende und ist keine Täuschung; wenn es sich verzögert, so warte darauf; denn es kommt, es kommt und bleibt nicht aus. Sieh her: Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben.

Antwortpsalm

Psalm 90

Kommt, laßt uns jubeln vor dem Herrn und zujauchzen dem Fels unsres Heiles!

Laßt uns mit Lob seinem Angesicht nahen, vor ihm jauchzen mit Liedern!

Denn der Herr ist ein großer Gott, ein großer König über allen Göttern.

In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, sein sind die Gipfel der Berge.

Sein ist das Meer, das er gemacht hat, das trockene Land, das seine Hände gebildet.

Kommt, laßt uns niederfallen, uns vor ihm verneigen, laßt uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!

Denn er ist unser Gott,
wir sind das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand geführt. Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören! /

«Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba, wie in der Wüste am Tag von Massa!

Dort haben eure Väter mich versucht, sie haben mich auf die Probe gestellt und hatten doch mein Tun gesehen.

Vierzig Jahre war mir dies Geschlecht zuwider,
und ich sagte: Sie sind ein Volk, dessen Herz in die Irre geht; denn meine Wege kennen sie nicht.

Darum habe ich in meinem Zorn geschworen: Sie sollen nicht kommen in das Land meiner Ruhe.»

Zweite Lesung

Der zweite Brief an Timotheus 1,6-8.13-14

Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteilgeworden ist! Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Schäme dich also nicht des Zeugnisses für unseren Herrn und auch nicht meiner, seines Gefangenen, sondern leide mit mir für das Evangelium! Gott gibt dazu die Kraft: Als Vorbild gesunder Worte halte fest, was du von mir gehört hast in Glaube und Liebe in Christus Jesus! Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt!

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Lukas 17,5-10

Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen. Wenn einer von euch einen Knecht hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Komm gleich her und begib dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich, bis ich gegessen und getrunken habe; danach kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Knecht, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

"Wie lange, Herr, soll ich noch rufen und du hörst nicht? Ich schreie zu dir: Hilfe, Gewalt! Aber du hilfst nicht. Warum lässt du mich die Macht des Bösen erleben und siehst der Unterdrückung zu? Wohin ich blicke, sehe ich Gewalt und Misshandlung, erhebt sich Zwietracht und Streit." Mit diesen Worten beginnt der Dialog zwischen dem Propheten Habakuk und Gott. Die Situation, die dem Propheten vor Augen steht, ist von Unglück, Leid, Gewalt, Kämpfen und Zwistigkeiten gekennzeichnet, und Gott - als ob er machtlos oder zerstreut wäre - scheint all dies nicht zu bemerken. Dabei ist es doch sein eigenes Volk, das in bitterer Sklaverei lebt! Der Prophet scheint Gott zu einer Antwort herauszufordern. Er wird als Späher und Wächter auf seinem Posten bleiben, bis Gott antwortet. Gott hat zu dem Propheten und durch ihn zu allen Menschen gesprochen: "Schreib nieder, was du siehst, schreib es deutlich auf die Tafeln, damit man es mühelos lesen kann! Denn erst zu der bestimmten Zeit trifft ein, was du siehst; ... wenn es sich verzögert, so warte darauf; denn es kommt, es kommt und bleibt nicht aus." Der Prophet sagt, dass der, der nicht rechtschaffen ist, dahinschwinden, der Gerechte aber um seines Glaubens willen leben wird. Diesen Glauben erbitten die Apostel von Jesus: "Stärke unseren Glauben!" Vielleicht sollten wir alle uns in der heutigen Zeit dieses Gebet zu eigen machen. Dann werden wir hören, wie Jesus uns antwortet: "Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen." Es braucht keinen großen Glauben, scheint Jesus zu sagen. Ein kleiner Glaube genügt, aber ein Glaube muss es sein, das heißt ein Gottvertrauen, das größer ist als unser Vertrauen in alle möglichen anderen Dinge. Ein Körnchen von diesem Glauben genügt, um sogar Berge zu versetzen. Die Nagelprobe wird im letzten Satz des heutigen Evangeliums beschrieben: "Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan." Der Jünger ist aufgefordert, bis zum Letzten seine Pflicht zu tun und am Ende zu sagen: "Wir sind unnütze Knechte." Für uns, die wir es gewohnt sind, Verdienste geltend zu machen und Anerkennung einzufordern, haben diese Worte einen wirklich merkwürdigen Klang. Und doch können auch sie zur Basis für das Vertrauen auf eine neue Zukunft werden.