Liturgie des Sonntags

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28. Sonntag im Jahreskreis
Gedenken an den Patriarchen Abraham. Voller Glauben zog er in ein ihm unbekanntes Land, das Gott ihm verheißen hatte. Aufgrund dieses Glaubens wird er von Juden, Christen und Muslimen "Vater der Gläubigen" genannt.


Erste Lesung

Das zweite Buch der Könige 5,14-17

So ging er also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes und er war rein. Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel. So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an! Elischa antwortete: So wahr der HERR lebt, in dessen Dienst ich stehe: Ich nehme nichts an. Auch als Naaman ihn dringend bat, es zu nehmen, lehnte er ab. Darauf sagte Naaman: Wenn es also nicht sein kann, dann gebe man deinem Knecht so viel Erde, wie zwei Maultiere tragen können; denn dein Knecht wird keinem andern Gott mehr Brand- und Schlachtopfer darbringen als dem HERRN allein.

Antwortpsalm

Psalm 98

Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er hat wunderbare Taten vollbracht. Er hat mit seiner Rechten geholfen und mit seinem heiligen Arm. Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.

Er dachte an seine Huld und an seine Treue zum Hause Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes.

Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde, freut euch, jubelt und singt!

Spielt dem Herrn auf der Harfe, auf der Harfe zu lautem Gesang!

Zum Schall der Trompeten und Hörner jauchzt vor dem Herrn, dem König!

Es brause das Meer und alles, was es erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner.

In die Hände klatschen sollen die Ströme, die Berge sollen jubeln im Chor

vor dem Herrn, wenn er kommt, um die Erde zu richten. Er richtet den Erdkreis gerecht, die Nationen so, wie es recht ist.

Zweite Lesung

Der zweite Brief an Timotheus 2,8-13

Denke an Jesus Christus, auferweckt von den Toten, aus Davids Geschlecht, gemäß meinem Evangelium, um dessentwillen ich leide bis hin zu den Fesseln wie ein Verbrecher; aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt. Deshalb erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie das Heil in Christus Jesus erlangen mit ewiger Herrlichkeit. Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben; wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen. Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Lukas 17,11-19

Und es geschah auf dem Weg nach Jerusalem: Jesus zog durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm. Dieser Mann war ein Samariter. Da sagte Jesus: Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

Jesus hält sich im Gebiet von Jesreel auf, das zwischen Galiläa und Samaria liegt. Als er gerade in ein Dorf gehen will, kommen ihm zehn Aussätzige entgegen, die man damals oft in der Umgebung bewohnter Orte antraf. Sie bleiben, wie im Gesetz vorgesehen, in einer gewissen Entfernung stehen und rufen ihm zu: "Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!" Jesus weicht ihnen nicht aus wie die meisten Menschen, sondern beginnt sogar ein Gespräch mit ihnen. Am Ende entlässt er sie mit den Worten: "Geht, zeigt euch den Priestern!" Er heilt sie nicht sofort, wie er es in anderen Fällen getan hatte (Lk 5,12-16), und er berührt sie auch nicht mit den Händen, sondern schickt sie zu den Priestern, das heißt, er verlangt einen Glaubensakt. Die zehn Aussätzigen gehorchen unverzüglich und machen sich auf den Weg zu den Priestern. Der Evangelist schreibt, dass sie unterwegs "rein", mit anderen Worten, dass sie sich ihrer Heilung bewusst werden. Das alles ist nicht belanglos, sondern bedeutet, dass die Heilung, das Wunder, kein außergewöhnliches Ereignis ist, das plötzlich und wie durch Magie geschieht. Wir können den ersten Teil dieser Szene im Evangelium mit den ersten Schritten jeder Bekehrung und des Jüngerdaseins an sich vergleichen. Denn jede Bekehrung entsteht immer aus einem Schrei, einem Gebet wie dem dieser zehn Aussätzigen. Auch die Liturgie lässt uns Sonntag für Sonntag gleich zu Beginn den Ruf "Herr, erbarme dich!" wiederholen. Die Heilung wurzelt im Eingeständnis der eigenen Krankheit und Bedürftigkeit nach Hilfe, Schutz und Halt.
Das Wort Gottes ist niemals gefesselt, wie wir im Brief des Apostels gelesen haben: Es spricht immer mit Freiheit und mit Macht. Das Problem sind allenfalls wir, die wir nicht zuhören, weil wir mutlos oder mit unseren eigenen Worten angefüllt sind. Das soll heißen, dass die Heilung genau dann beginnt, wenn man anfängt, nicht mehr sich selbst oder den eigenen weltlichen Gewohnheiten, sondern dem Evangelium zu gehorchen. In diesem Sinne wird uns unser spiritueller Weg desto mehr Heilung an Leib und Seele bringen, je mehr er vom Hören auf das Evangelium geprägt ist.
Das Evangelium berichtet, dass alle zehn Aussätzigen geheilt wurden, und fügt hinzu, dass nur einer zurückkehrte: "Und er lobte Gott mit lauter Stimme." Kaum bei Jesus angekommen, warf er sich vor seinen Füßen "auf das Angesicht und dankte ihm." Anhand dieser Geste will der Evangelist zeigen, worin der nächste Schritt der Bekehrung besteht, nämlich in der Dankbarkeit und darin, dass man Jesus sein Leben anvertraut. Denn die vollständige Heilung umfasst auch das Herz. Der zehnte Aussätzige ist nicht nur geheilt, sondern auch gerettet. Er ist ein Vorbild für jeden von uns, damit wir uns mit Gottes ungeschuldeter Anteilnahme an unserem Leben beschenken lassen und ihm dafür danken, dass er sich zu uns herabgeneigt hat.