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Venetien und Friaul: die zweite Etappe der Reise durch das gastfreundliche Italien

9 August 2018

Humanitäre Korridore

Das neue Leben der Flüchtlinge von den humanitären Korridoren

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Die zweite Etappe unserer Reise durch das gastfreundliche Italien führt nach Venetien und Friaul. Die beiden Regionen haben insgesamt 101 Flüchtlinge in 13 Ortschaften durch den Einsatz von neun Vereinigungen, Pfarreien, der Waldenserdiözese, einzelnen Personen und Familien aufgenommen.
Ayman Kmkom und seine Familie – Frau mit drei Kindern – sind Christen aus Aleppo. Seit Februar 2017  leben sie in Padua in einer Wohnung der Pfarrei Heilig Geist. Er ist Mechaniker und wird wohl bald einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen. Sie arbeitet als Haushaltshilfe. Vor einigen Tagen hat Issa, ihr Verwandterm die Familie besucht. Er lebt in Cornuda, Provinz Treviso, und ist bei der Vereinigung „Un ponte verso“ untergebracht ist; sie haben sich gefreut. Auch andere Verwandte konnten durch die humanitären Korridore vor dem Krieg fliehen und sind in Salerno. Wir werden sie bei der nächsten Etappe unserer Reise treffen.
Etwas außerhalb von Padua liegt Campagnola di Brugine, ein wichtiges Agrarzentrum, das gut an die Stadt angeschlossen ist. Mitten im Dorf befindet sich die Pfarrei mit dem Pfarrer Luca Gallocchio, der mit seinen Pfarreiangehörigen diese Aufnahme organisiert hat. Wir treffen Nizar und Aziza mit den Kindern Rose, Michael und Hanna. Sie leben in einer sehr schönen Wohnung mit Garten, die Frau Ubaldina zur Verfügung gestellt hat, die im 1. Stock wohnt. Aziza und Ubaldina kümmern sich gemeinsam um den Garten. Nizar ist sehr stolz, als er erzählt, dass ihr ältester Sohn Michael bei einer Verpackungsfirma arbeitet und gerade die Abschlussprüfung der Mittelschule geschafft hat. Er hat wirklich sehr gut Italienisch gelernt. Rose ist noch eine Jugendliche und soll im September eine Ausbildung als Frisörin beginnen. Aziza tut sich noch schwer mit Italienisch, doch mit Ubaldina, die sich redlich mit der arabischen Sprache abmüht, fällt die Verständigung nicht schwer, alles wird mit Umarmungen und viel Lachen gelöst.
In der Provinz Verona werden wir in Pescantina von der Stiftung „L’Ancora“ von Don Renzo Zocca begrüßt. Seit langem sind sie mit der Gemeinschaft befreundet. Jedes Jahr, wenn die behinderten Freunde von der Gaststätte ‚Die Freunde‘ zur Veranstaltung "Vinitaly" nach Verona kommen, sind sie ihre Gäste. Im Rahmen dieser Freundschaft ist die Idee entstanden, eine Familie der humanitären Korridore aufzunehmen. So sind Ende Oktober letzten Jahres Akram mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern in Pescantina angekommen. Der Krieg hat diese junge Familie schwer getroffen. Die Bomben haben ihre Wohnung und das Süßwarengeschäft zerstört, das ihre Einnahmequelle war. Akram hat ein Bein verloren, als er anderen Verwundeten bei der Bombardierung helfen wollte.
Heute leben sie in einer großen Wohnung mit Emma, einer jungen Frau, die diese Aufnahme mit viel Einsatz organisiert hat. Sie ist in der Pfarrei engagiert, die Familie ist muslimisch, doch sie bilden wirklich gemeinsam eine Familie, der viele Freunde zur Seite stehen. Emma hat sich auch um die Anerkennung der Behinderung von Akram bemüht und hat viele Pläne. Jetzt möchte sie europäische Zuschüsse beantragen, damit die junge syrische Familie einen kleinen arabischen Imbiss eröffnen kann.

Wir verlassen Venetien mit der Gewissheit, viele offene Türen vorgefunden zu haben. Dazu gehört auch die Tür von Donatella und Lorenzo, die in Castelfranco Veneto zwei weitere Familien beherbergen. Jetzt geht es nach Friaul: Jihad, ein syrischer Christ aus Homs, lebt mit seiner Familie in Triest in einer Wohnung, die von der Pfarrei St. Theresa vom Kinde Jesu zur Verfügung gestellt wurde. Ihre Integration gelingt gut, sie wird von den Pfarreimitgliedern mit Begeisterung gefördert: Jihad macht ein Praktikum im Hafen mit guten Möglichkeiten, ab März 2019 einen Arbeitsvertrag zu bekommen, die Frau Joumana ist sehr begabt bei der Betreuung von alten Menschen und wird demnächst als Köchin in einem libanesischen Restaurant angestellt. Sowohl die Eltern als auch der Sohn George, 17 Jahre, haben sich der Gemeinschaft Sant’Egidio in Triest angeschlossen und besuchen alleinstehende alte Menschen. Sie nehmen am gemeinsamen Gebet und an den Diensten für die Armen teil. „Wir haben viel Liebe empfangen, die wir zurückgeben wollen“, sagten sie uns.
Die letzte Etappe in Friaul liegt in den Bergen von Carnia. Das alte Pieve di S.Pietro herrscht majestätisch über einem wunderschönen Tal, in dem Imponzo liegt, ein kleines Dorf mit ca. 200 Einwohnern. Das Dorf ist klein, aber reich an Initiativen und Spiritualität. Der Wallfahrtsort beherrscht nicht nur das Tal, sondern hat auch die Stiftung „La Polse di Cougnes“ ins Leben gerufen, die Gastfreundschaft anbietet und Nächstenliebe und Dialog in den Mittelpunkt stellt. Diese Gemeinde hat sich liebevoll um die junge Familie gekümmert und sie in jeglicher Hinsicht „adoptiert“, von Sprachkursen bis zur Arbeitssuche.
Wir verlassen die Region im Nordosten mit einem Gefühl der Dankbarkeit und mit Optimismus und danken für die vielen offenen Herzen für die Gastfreundschaft, denen wir begegnet sind.
Weiter geht es mit der nächsten Etappe in Bologna und den Marken


Unterstützen Sie die humanitären Korridore!



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