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Sant'Egidio, Flüchtlingsdrama in Griechenland: Appell - sofortiges Handeln notwendig!

9 März 2020 - DEUTSCHLAND

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Die Gemeinschaft Sant’Egidio in Deutschland begrüßt die neueste Erklärung der deutschen Regierung, 1.500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufzunehmen. Frankreich, Italien und andere europäische Länder haben bereits ihre Bereitschaft zur Mitwirkung erklärt. Es ist ein erster Schritt, der sofort umgesetzt werden und zu umfassenderen Maßnahmen von Seiten der europäischen Länder führen muss. Wir fordern die deutsche Regierung auf, die Bereitschaft zur Aufnahme auch auf vulnerable Familien mit Minderjährigen auszuweiten, wie es auch andere Regierungen getan haben.

Die Lage der Flüchtlinge auf den griechischen Inseln ist wirklich dramatisch und verschlimmert sich Tag für Tag mit schwerwiegendsten humanitären Folgen. Mehrere Zehntausend Flüchtlinge sind schutzlos vor schlechtem Wetter, Krankheit, Gewalt und Verzweiflung. In den vergangenen Jahren hat die Gemeinschaft Sant’Egidio Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge auf den Inseln Lesbos und Samos durchgeführt und die äußerst schwierige Lage, die kurz vor einem Kollaps steht, im Detail erlebt. Vor allem Minderjährige und vulnerable Familien brauchen dringend Schutz und Hilfe. Griechenland darf in dieser Lage nicht allein gelassen werden; dabei sind rein finanzielle Hilfen unzureichend. Die Lager müssen schrittweise geräumt werden, um die Flüchtlinge in verschiedenen europäischen Ländern anzusiedeln, angefangen bei den unbegleiteten Minderjährigen und vulnerablen Familien.

Uns ist bewusst, dass längerfristig nur eine europäische Lösung, die allerdings bisher noch nicht gefunden wurde, die Flüchtlingsfrage lösen kann. In der Zwischenzeit müssen einige europäische Länder einen Weg auftun. Wir dürfen nicht länger zuwarten! Als Deutsche, als Europäer, als Gläubige dürfen wir nicht Zuschauer bleiben. Darunter leidet unsere Glaubwürdigkeit und unsere Menschlichkeit. Die zahlreichen Appelle aus der deutschen Zivilgesellschaft, von NGOs, Kirchen, zahlreichen Bürgermeistern und anderen Institutionen beweisen, dass viele eine Bereitschaft zur Aufnahme zeigen. Es gibt die Mittel, die Strukturen und die Bereitschaft vieler zur Zusammenarbeit bei der Aufnahme und Integration.

Das Modell der „humanitären Korridore“ der Gemeinschaft Sant’Egidio in Zusammenarbeit mit den evangelischen Kirchen und der katholischen Kirche in einigen europäischen Ländern (Italien, Belgien und Frankreich), das seit 2016 erfolgreich durchgeführt wird, kann auch auf die Flüchtlinge angewendet werden, die sich auf den griechischen Inseln aufhalten. Dieses Modell verbindet Humanität und Sicherheit. Schon im Dezember wurde auf Wunsch von Papst Franziskus durch einen „humanitären Korridor“ eine Gruppe von Flüchtlingen von der Insel Lesbos nach Rom gebracht. Der Weg ihrer Integration verläuft erfolgreich.

Unser Land hat im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte seine Bereitschaft für den Einsatz zur Achtung der Menschenrechte und zur Hilfe für Menschen gezeigt, die vor Krieg, Gewalt oder humanitären Katastrophen auf der Flucht sind. Es darf jetzt nicht weiter zuschauen.

Daher begrüßen wir die neueste Entscheidung der deutschen Regierung sehr und erklären die Bereitschaft der Gemeinschaft Sant’Egidio in Deutschland, sofort mit den deutschen Behörden bei der Aufnahme der Flüchtlinge von den griechischen Inseln zusammenzuarbeiten, wobei wir dazu aufrufen, diese Bereitschaft auch auf vulnerable Familien mit Minderjährigen auszuweiten.