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Bei den Straßenkindern von Mexiko-Stadt, von der Gosse zur Geborgenheit einer Familie

2 März 2017 - MEXIKO STADT, MEXIKO

MexikoObdachloskinder

#periferiealcentro (Peripherien in den Mittelpunkt)

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In Mexiko-Stadt gibt es eine Metrostation mit dem etwas linken Namen "Barranca del Muerto" (Todesgosse). Dort leben Straßenkinder. Seit einigen Jahren kümmert sich die Gemeinschaft Sant'Egidio um sie und hat entdeckt, dass auch in scheinbar verzweifelten Lebenssituationen Geschichten der Rettung geschrieben werden können.

Von den vielen Geschichten wählt Susana die Geschichte von Josè aus (Name geändert). Heute ist er zwanzig Jahre alt, arbeitet und hat eine Verlobte. Seit dem 11. Lebensjahr war er auf der Straße, nachdem die Mutter ihn verlassen hatte und ein Adoptionsversuch gescheitert war. "Es war ein besonderer Junge, sehr aufgeweckt, immer zurückhaltend und in den Augen die Spuren seiner Einsamkeit. Er hatte lange Zeit im Untergeschoss der Universität im Süden der Stadt gelebt, das "las cuevas" (Höhlen) genannt wird. Er lebte von dem, was die Leute ihm schenkten. Vielleicht war es seine Sehnsucht nach einer Familie, durch die er "die Bande" traf, die jedoch eigene Regeln besitzt, denen man sich unterwerfen muss. Damit begann ein Leben als Bettler mit kleinen Diebstählen. Wahrscheinlich inhalierte er wie seine Freunde giftige Drogen - Klebstoff und Lösemittel, die billig im Supermarkt zu kaufen sind. Dadurch hat mein kein Wärmeempfinden und betäubt vor allem die große Angst, verlassen zu sein.

Schritt für Schritt kam man sich näher; er spürte, dass er nicht verurteilt wurde. Die Aufmerksamkeit für Details, die banal erscheinen, wenn man eine Wohnung und eine Familie hat - wie ein sauberes T-Shirt, eine Zeitschrift und dann die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt, Ausweispapiere und die Schule - haben einen Weg aus der "Gosse" hin zum Leben aufgetan. Als er mich nach einem Jahr Freundschaft mit "Mama" anspricht, sagt Susana abschließend, verstehe ich, dass unsere Beziehung dauerhaft ist. Die Nähe, der Respekt und die Tatsache, für jemanden wichtig zu sein, haben uns zu einer Familie gemacht."