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Mauro Garofalo: „Diese Welt muss überzeugt werden, dass Friede nicht durch mehr Waffen, sondern ohne Waffen geschaffen wird“

11 März 2018 - ROM, ITALIEN

ZentralafrikaPapst Franziskussantegidio50

Zeugnis beim Besuch von Papst Franziskus bei der Gemeinschaft zum 50. Jahrestag

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Heiliger Vater,
ich heiße Mauro, bin 41 Jahre alt und gehöre zur Generation von Europäern, die im Unterschied zu unseren Großeltern nie direkt Krieg erlebt haben. Wir sind im Frieden geboren und aufgewachsen Dank der Visionen von weisen Männern, die nach zwei Weltkriegen den europäischen Traum aufgebaut haben. Die Mitgliedschaft in einer globalen Gemeinschaft mit dem „P“ des Friedens (pace) hat mich dazu gebracht, den Krieg zu sehen und zu erleben. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit verschiedenen Konfliktsituationen. Vor allem in der Zentralafrikanischen Republik, wo ich den großen Durst nach Frieden dieses Volkes erlebt haben, das so viel gelitten hat. Ich habe die Menschen dort kennengelernt, gütige Leute, die normalerweise unter verschiedenen Ethnien und Religionen friedlich zusammenleben, doch dann in den Abgrund der Gewalt gestürzt sind. Ich habe ein mit Reichtümern der Natur gesegnetes Land kennengelernt, das ins Elend geriet und zu einem Land geworden ist, in dem man kaum mehr Lebensmittel und Medikamente kaufen kann, in dem allerdings für wenige Dollar Waffen zu besorgen sind. Ich habe ein gutes Volk kennengelernt, das eine Geißel der Gewalt und des illegalen Handels ist, wie dem Waffenhandel.
Bei Ihrem Besuch war ich in Bangui, als das gesamte zentralafrikanische Volk mit ihnen laut zum Himmel gerufen hat „Ndoye Siriri“, Friede und Liebe. Diese einmütige Bitte um Frieden, dieses Gebet zu Gott hat Energien der Versöhnung freigesetzt und die Herzen vieler von der Knechtschaft, von Hass und Misstrauen befreit. Ich habe Christen und Muslime gesehen, die wieder zusammenkommen und sie auf den Straßen von Bangui mit Palmzweigen in Händen begleitet haben. Es war ein Friedenszeichen auf den Straßen, auf denen wenige Tage zuvor noch gewalttätige Auseinandersetzungen stattgefunden hatten. Die Gemeinschaft ist Ihrem Appell gefolgt, den Sie in Bangui an die ganze Welt gerichtet haben: „Denen, die in ungerechter Weise die Waffen dieser Welt gebrauchen, [sage ich] gebt diese Todeswerkzeuge ab!“ Daher haben wir hier in Rom einen Friedenspakt mit 14 bewaffneten und politischen Gruppierungen unterzeichnet und angefangen, vor Ort für die Entmilitarisierung der bewaffneten Gruppen zu arbeiten, damit viele zur Arbeit und zu den Familien zurückkehren und endlich wieder ein Zusammenleben möglich wird – in Gerechtigkeit und Sicherheit.
In der Savanne habe ich bewaffnete Gruppen getroffen, die aus Jugendlichen und fast noch Kindern bestehen, die bis zu den Zähnen bewaffnet sind, mit Kinderaugen, doch im Hass sind sie alt und traurig geworden, die nie eine Schule gesehen oder Bildung erhalten haben. Wer hat sie bewaffnet? Sie haben nie ein Buch oder Heft besessen, sondern nur Waffen. Das ist ein zu großer Wahnsinn! Ich habe die Freude in ihren Augen bei dem Vorschlag gesehen, die Waffen im Wechsel mit Arbeit oder Bildung abzulegen. Heiliger Vater, wir müssen diese Welt wieder davon überzeugen, dass der Friede nicht mit mehr Waffen möglich ist – wie das oft heuchlerisch und zynisch gesagt wird – sondern ohne Waffen. Waffen sind teuflisch. Die Welt braucht Hilfe bei der Entwaffnung, wie wir es in der Zentralafrikanischen Republik tun. Das ist der Weg zum Frieden. Mit dem Gebet zusammen, das die Wurzel von allem ist. Das kann ich heute vor Ihnen bezeugen, nachdem ich den Krieg und seine bitteren Folgen kennengelernt habe.