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Angesichts der Tragödien dieser Tage im Mittelmeer darf sich Europa nicht von den Migranten abwenden, die verhungern und verdursten

13 September 2022

Sterben der Hoffnung

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Tragödien auf See sind immer schrecklich, aber sie sind nicht alle gleich. In diesen Tagen sind einige Kinder und ihre Eltern verhungert und verdurstet; das zeugt von einer wahren Folter, die unschuldige Opfer unerträglicher Situationen erleiden, weil sie gezwungen sind, aus ihrem Land zu fliehen: Kriege, Umweltkatastrophen, Terrorismus, die Verweigerung einer lebenswerten Zukunft. Es wird immer schlimmer, denn die Reisen, um zu überleben, werden immer schwieriger und riskanter, die Routen immer länger und komplizierter. Es ist nicht hinnehmbar, dass Migranten aus dem Libanon ins ferne Italien reisen müssen, weil die europäischen Grenzen in ihrer Nachbarschaft verschlossen sind.
Europa darf den Blick von den Migranten nicht abwenden, die verhungern und verdursten,
und darf nicht so tun, als sei nichts geschehen. Diese Ereignisse dürfen nicht als "normal" hingenommen werden, als seien seien sie der Preis für die Flucht. Es darf sich nicht weiterhin vormachen, das Problem betreffe nicht auch uns. Stattdessen müssen wir dringend handeln: zuallererst auf See, ohne dass sich die Staaten gegenseitig die Schuld für die Kontrolle der Hoheitsgewässer zuweisen. Stattdessen müssen wir auch Lösungen finden, die das Modell des humanitären Korridors (das die Aufnahme mit der Integration verbindet), Resettlement-Quoten für asylsuchende Flüchtlinge und die reguläre Einreise zu Arbeitszwecken (die die italienische und europäische Wirtschaft dringend benötigt) umfassen. Untätigkeit ist nicht nur schuldhaft, sondern schadet allen, denn sie vernichtet die Zukunft unseres Kontinents, von dem wir glauben, dass er die Kraft finden kann und muss, auf diese Unmenschlichkeit zu reagieren.