Comunità di S.Egidio


 

12/05/2007


Bekenntnistag: Wenn Christen der Welt nicht dienen können

 

S t u t t g a r t (idea) – Zur Überwindung gegenseitiger Vorurteile hat der Evangelist Ulrich Parzany (Kassel) die Kirchen und Konfessionen in Europa aufgerufen. Die Christenheit könne der Welt nicht dienen, wenn jede Gruppierung nur die eigenen Interessen beachte, sagte der evangelische Theologe und Leiter der Evangelisationsbewegung ProChrist beim ökumenischen Bekenntnistag „Miteinander für Europa“ am 12. Mai in Stuttgart.

Er appellierte an die rund 8.000 Teilnehmer aus etwa 250 protestantischen, katholischen, anglikanischen und orthodoxen Gemeinschaften und Bewegungen in 15 Ländern, durch persönliche und öffentliche Verkündigung des christlichen Glaubens zur geistlichen Erneuerung Europas beizutragen. Die Liebe zu Jesus Christus und die Verbundenheit im Glauben solle Vorrang vor Unterschieden in Lehre und Glaubenspraxis haben. Parzany zufolge bildet nur das Evangelium eine dauerhafte Garantie für die Unantastbarkeit der Würde des einzelnen Menschen. Europa müsse hören, dass Jesus Christus Worte des ewigen Lebens habe, sagte Parzany.

Ein anderer Initiator des Europatags, Prof. Andrea Riccardi (Rom), bezeichnete den christlichen Glauben als Quelle der Menschlichkeit. Für die Bewahrung von Freiheit, Solidarität und Kultur seien alle Christen gemeinsam verantwortlich. „Wir müssen Gerechtigkeit gegenüber dem schwachen Leben einfordern, insbesondere von Ungeborenen, Kranken und Alten“, mahnte der Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant’ Egidio. Eine weitere große Herausforderung sei Afrika, wo zwei Drittel der Bevölkerung in Armut lebten und 30 Millionen Menschen an Aids erkrankt seien. Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper (Rom), würdigte das Treffen als Teil der Bemühung Gottes, sein Volk in Europa zu sammeln, damit Egoismus und Nationalismus überwunden würden. Der Präses des Bundes Freikirchlicher Pingstgemeinden, Pastor Ingolf Ellßel (Tostedt/Nordheide), bezeichnete den Europatag als Ort, an dem das Miteinander unterschiedlicher kirchlicher Traditionen gelernt werde. Man sei im Namen Jesus Christi zusammengekommen, der der einzige Weg zu Gott sei.

Frömmigkeit und Engagement verbinden

Dem Bekenntnistag ging ein zweitägiger Kongress voraus, bei dem zahlreiche Gruppen darstellten, wie sie Frömmigkeit und gesellschaftliches Engagement miteinander verbinden. Ihre Aktivitäten umfassen Glaubenskurse, missionarische Aktionen und Einkehrhäuser, Familien-, Jugend- und Sozialarbeit, Versöhnungsdienste und Begegnungen mit anderen Religionen sowie Dritte-Welt-Einsätze. Nach Ansicht der Gründerin und Präsidentin der katholischen Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich (Rom), sind diese Gruppen Lichtstrahlen des Heiligen Geistes, um die Dunkelheit in der Welt zu erhellen. Das Treffen wurde per Satellit in 53 europäische Städte übertragen. In weiteren 57 Städten fanden Parallelveranstaltungen statt. Schriftliche Grüße übermittelten die Leiter der großen Konfessionen: Papst Benedikt XVI., der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Samuel Kobia (Genf), das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Erzbischof Rowan Williams (London), und der orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. (Istanbul). Ein erstes derartiges Treffen fand am 8. Mai 2004 ebenfalls in Stuttgart statt.