Gedenken an den gekreuzigten Jesus

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Lesung des Wortes Gottes

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Das Buch der Weisheit 2,1.12-22

Sie tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Kurz und traurig ist unser Leben; für das Ende des Menschen gibt es keine Heilung und man kennt keinen, der aus der Unterwelt befreit. Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung. Er rühmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen, und nennt sich einen Knecht des Herrn. Er ist unserer Gesinnung ein Vorwurf, schon sein Anblick ist uns lästig; denn er führt ein Leben, das dem der andern nicht gleicht, und seine Wege sind grundverschieden. Als falsche Münze gelten wir ihm; von unseren Wegen hält er sich fern wie von Unrat. Das Ende der Gerechten preist er glücklich und prahlt, Gott sei sein Vater. Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. Durch Erniedrigung und Folter wollen wir ihn prüfen, um seinen Gleichmut kennenzulernen und seine Widerstandskraft auf die Probe zu stellen. Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt. So denken sie, aber sie irren sich; denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind. Sie verstehen von Gottes Geheimnissen nichts, sie hoffen nicht auf Lohn für Heiligkeit und erwarten keine Auszeichnung für untadelige Seelen.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will
mache sich zum Diener aller.

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Der Abschnitt aus dem Weisheitsbuch spiegelt die Lage der „Gerechten" wider, die damals in der Diaspora lebten mitten unter skeptischen Heiden und unter Landsleuten, die den Glauben und den Gehorsam gegenüber dem Gesetz des Herrn aufgegeben hatten. Viele Christen machen heute eine ähnliche Erfahrung. Der biblische Verfasser legt „Frevlern" anklagende Worte gegen „Gerechte" in den Mund und weist damit auf die Boshaftigkeit hin, die Gläubige häufig ertragen müssen und die ihr Leben schwermacht. Die vorherrschende Kultur stellte damals die Behauptung auf, der Mensch sei das Ergebnis eines Zufalls und sein Ende im Tod sei vollkommen sinnlos. Daher sei es weise, das Leben auf der Suche nach Befriedigungen, Eigennutz und eigenem Gewinn einzusetzen. Alle Hindernisse auf diesem Weg müssten beseitigt und sogar mit Gewalt unbedingt ferngehalten werden. Das Zeugnis der Gerechten ist daher ein lebendiger Widerspruch gegen diese Lebensweise, allein schon ihre Anwesenheit ist störend und wird letztlich unerträglich. Unschwer können wir in diesen Zeilen das Antlitz Jesu, des Gerechten erkennen, der durch die Ruchlosigkeit der vom Geist des Bösen geknechteten Menschen leidet und stirbt. Neben Jesus werden auch die Gesichter der vielen Gläubigen erkennbar, die heute „verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen" (Mt 5,10). Im Diognetbrief, einem sehr alten christlichen Text aus Zeiten der Verfolgung, heißt es: „Genau das, was im Leibe die Seele ist, das sind in der Welt die Christen... Die Seele liebt das Fleisch, von dem sie gehasst wird, und die Glieder. Auch die Christen lieben ihre Hasser. Die Seele ist zwar im Leib eingeschlossen, sie aber hält den Leib zusammen. Auch die Christen werden zwar in der Welt, wie in einem Gefängnis festgehalten, sie aber halten die Welt zusammen." „Seele für die Welt" zu sein, bedeutet, sie durch die Kraft der Liebe zu stützen.