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Zum 75. Jahrtag der Deportation der Juden aus Unterfranken zieht ein langer Gedenkzug mit Lichtern durch die Fußgängerzone

29 November 2016

HolocaustJudentumDeutschland

Gemeinsam mit der israelitischen Kultusgemeinde organisiert die Gemeinschaft Sant’Egidio ein bewegende Gedenkfeier mit vielen Jugendlichen und Neueuropäern

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75 Jahre nach der ersten Deportation von 220 jüdischen Bürgern am 27. November 1941 zog ausgehend vom Dom ein langer Zug mit über Tausend Würzburger Bürgern aller Nationalitäten, Altersschichten und Religionen zum Gedenken mit Lichtern durch die Innenstadt. Sie gingen den Weg, auf dem damals die Juden mitten durch die Stadt auf den Weg in Elend und Tod getrieben wurde. Trotz der großen Kälte war die Anteilnahme sehr groß.

Sant'Egidio hat im Jahr 2000 dieses Gedenken ins Leben gerufen. Der Würzburger Bischof Friedhelm wies darauf hin, dass nach 75 Jahren kaum mehr Zeitzeugen leben, sodass die Aufgabe der Weitergabe der Erinnerung der jetzigen Generation zufällt, die das lebendige Zeugnis der Opfer noch kennengelernt hat. Neben dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, der darauf hinwies, dass dieses Gedenken gerade in Zeiten von Populismus in den sozialen Netzwerken von besonderer Bedeutung ist; er dankte der Gemeinschaft dafür, dieses Gedenken so treu durchzuführen. Dekanin Dr. Edda Weise von der evangelischen Kirche erinnerte daran, dass auch viele Würzburger Mitwisser und sogar Helfer waren, als die Juden immer mehr aus Vereinen und dem öffentlichen Leben ausgegrenzt und schließlich deportiert wurden. Bürgermeister Dr. Bauer wies auf die Bedeutung dieses Gedenkens für das städtische Leben hin, dieser traurige Tag mit all seinen Schatten gehöre zur Stadtgeschichte, das dürfe nicht geleugnet werden, gleichzeitig sei das Gedenken ein wichtiger Moment für den Aufbau einer besseren Zukunft.

Für die Gemeinsch
aft Sant'Egidio sprach Pfarrerin Wagner und bekundete die Bereitschaft, sich heute mit den vielen Neueuropäern in Zeiten neuer Zeichen von Antisemitismus, Xenophobie und Rassismus eine Kultur des Respektes und des Zusammenlebens aufzubauen. Sie dankte ausdrücklich den vielen auch muslimischen Neubürgern und den Jugendlichen für ihre Teilnahme. Zwei Jugendliche von der Bewegung "Jugend für den Frieden" erinnerten an das Leid ihrer jüdischen Altersgenossen während der Shoah, an ihre Träume und Wünsche, die genauso waren wie heute die der Jugendlichen, aber die nie in Erfüllung gingen. Heute möchten sich die Jugendlichen von Sant'Egidio dafür einsetzen, dass alle Jugendlichen hier und weltweit ihre Träume leben können.

Grußwort Bischof Dr. Friedhelm Hofmann

Grußwort Dekanin Dr. Edda Weise

Rede Bürgermeister Dr. Adolf Bauer

Rede Dr. Josef Schuster, Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland

Rede Pfarrerin Angelika Wagner, Gemeinschaft Sant'Egidio