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Gedenken an die Deportation der Münchner Juden von großer Bedeutung, während sich Antisemitismus und Populismus ausbreiten

21 November 2020 - MÜNCHEN, DEUTSCHLAND

HolocaustJudentumAntisemitismus

Israelitische Kultusgemeinde Oberbayern und Sant'Egidio erinnern an den 20.11.1941 am ehemaligen Judenlager Milbertshofen

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In der Nähe des Judenlagers Milbertshofen in München versammelten sich mit Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Zeitzeugin, Kardinal Marx, EKD-Ratspräsident Bedford-Strohm und Ursula Kalb von der Gemeinschaft Sant'Egidio rund 200 Menschen, darunter viele Jugendliche, mit Kerzen und Transparenten  unter dem Motto "Keine Zukunft ohne Erinnerung – Gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus". Sie erinnerten an die tragischen Ereignisse am 20. November 1941, als über 1000 Münchner Juden deportiert wurden, von denen keiner überlebte. Es war der Beginn weiterer Deportationen der Juden in die Vernichtung.

Angesichts zunehmender Vermischung von Antisemitismus und Rassismus mit den aktuellen Demonstrationen gegen die Coronamaßnahmen mahnte Kardinal Marx, dass die Erinnerung von zunehmender Bedeutung sei und niemals vernachlässigt werden dürfe. Die Kirche habe zu wenig an der Seite der jüdischen Geschwister gestanden, doch heute möchte er zum Ausdruck bringen, dass sie an der Seite der jüdischen Mitbürger stehe und jegliche Ausgrenzung von Minderheiten entschieden ablehne. Charlotte Knobloch dankte für dieses wichtige Zeichen, das den jüdischen Bürgern wichtig ist. An der Stelle des ehemaligen Judenlagers sei heute nichts mehr zu sehen, alles scheint in der Normalität verschwunden. Umso wichtiger sei dieses Gedenken an dem Ort von unsäglichem Leid. Mit bewegenden Worten berichtete sie von ihrer persönlichen Erfahrung während der Deportationen, die sie als kleines Kind und doch ganz bewusst erlebte, bei denen auch ihre geliebte Großmutter in den Tod der Konzentrationslager geschickt wurde.

Ursula Kalb, die Verantwortliche von Sant'Egidio in München, wies auf den langjährigen Einsatz der Gemeinschaft für eine Erinnerungskultur hin, die besonders die Jugendlichen einbezieht, und auf die enge Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinde. Sie rief dazu auf, dass dieses Gedenken einen festen Platz im Kalender der Stadt München bekomme, um eine bessere Zukunft aufzubauen. Landesbischof Bedford-Strohm sprach von der Scham, dass die Kirchenleitungen nicht bereit waren, sich dieser Deportation offiziell entgegen zu stellen und dagegen politisch aktiv zu werden. Am Ende wurden Kerzen angezündet und im Schweigen der Opfer gedacht. Jugendliche von der Bewegung "Jugend für den Frieden" von Sant'Egidio trugen einen Zeugenbericht vor und bekundeten in einem Appell ihre Bereitschaft, sich gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit auch im konkreten sozialen Engagement einzusetzen. Den Abschluss bildete ein Erinnerungsgebet des Rabbiners.

Bericht in den BR-Nachrichten



Gedenken an die Deportation der Münchner Juden von großer Bedeutung, während sich Antisemitismus und Populismus ausbreiten
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