Vorabend des Sonntags

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Beginn der Gebetswoche für die Einheit der Christen. Besonderes Gedenken an die katholische Kirche.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird in Ewigkeit nicht sterben.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das erste Buch Samuel 9,1-4.17-19.26; 10,1

Damals lebte in Benjamin ein Mann namens Kisch, ein Sohn Abiëls, des Sohnes Zerors, des Sohnes Bechorats, des Sohnes Afiachs, ein wohlhabender Benjaminiter. Er hatte einen Sohn namens Saul, der jung und schön war; kein anderer unter den Israeliten war so schön wie er; er überragte alle um Haupteslänge. Eines Tages verliefen sich die Eselinnen von Sauls Vater Kisch. Da sagte Kisch zu seinem Sohn Saul: Nimm einen von den Knechten, mach dich mit ihm auf den Weg und such die Eselinnen! Sie durchquerten das Gebirge Efraim und durchstreiften das Gebiet von Schalischa, fanden sie aber nicht. Sie zogen durch das Gebiet von Schaalim - ohne Erfolg; dann durchwanderten sie das Land Jemini, fanden sie aber wieder nicht. Als Samuel Saul sah, sagte der HERR zu ihm: Das ist der Mann, von dem ich dir gesagt habe: Der wird über mein Volk herrschen. Saul trat mitten im Tor zu Samuel und fragte: Sag mir doch, wo das Haus des Sehers ist! Samuel antwortete Saul: Ich bin der Seher. Geh vor mir her zur Kulthöhe hinauf! Ihr sollt heute mit mir essen. Morgen früh will ich dich dann weiterziehen lassen. Ich werde dir Auskunft über alles geben, was du auf dem Herzen hast. Früh am Morgen, als die Dämmerung anbrach, rief Samuel zu Saul aufs Dach hinauf: Steh auf! Ich will dir das Geleit geben. Saul stand auf und beide gingen zusammen hinaus. Da nahm Samuel den Ölkrug und goss Saul das Öl auf das Haupt, küsste ihn und sagte: Hiermit hat der HERR dich zum Fürsten über sein Erbe gesalbt.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen,
so spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Herr lässt sich zutiefst von der traurigen Situation seines Volkes berühren. Er greift ein und lenkt die Ereignisse, die äußerlich zweitrangig zu sein scheinen und, wie in diesem Fall, mit weniger bedeutenden Persönlichkeiten in Zusammenhang stehen. In Wirklichkeit bedient Gott sich gerade der kleinen Dinge, damit sich zeigt, dass alles ganz und gar sein Werk ist. Auch die Erwählung Sauls folgt dieser Logik. Als Saul die Nachricht von Samuel erhält, ist er überrascht und wendet ein: „Bin ich nicht ein Benjaminiter, also aus dem kleinsten Stamm Israels? Ist meine Sippe nicht die geringste von allen Sippen des Stammes Benjamin? Warum sagst du so etwas zu mir?" (1 Sam 9,21). Doch Gott handelt so. Am Vortag weist Gott den Samuel auf das bevorstehende Ereignis hin. In der Begegnung mit Saul vollzieht sich dessen Einsetzung als König. Es handelt sich dabei nicht um einen esoterischen und geheimnisvollen Ritus. Vielmehr verwirklicht sich Gottes Plan in der menschlichen Begegnung und dem direkten, persönlichen Gespräch zwischen den beiden. Saul kennt Samuel nicht und er greift auch nicht auf besondere Mittel zurück, um ihn zu finden. Er stellt sicher, dass Samuel kein Seher ist, sondern ein Prophet, also ein Gottesmann. Zuerst fragt er die Mädchen, dann einen Unbekannten, den er auf der Straße trifft. Auch Samuel kennt Saul nicht, aber er verlässt sich auf den Herrn, der ihm den Erwählten zeigen wird. Saul sucht die verlorengegangenen Eselinnen und geht zu einem Propheten. Er will ihn auch für seine Hilfe entlohnen, die er ihm geben kann. Stattdessen wird er jedoch bei einem Festmahl aufgenommen und eingeladen, die Nacht in der Stadt zu verbringen. Er will sich nach seinen Eselinnen erkundigen und ihm wird zugesichert, dass ihm über alles Auskunft gegeben wird, was er auf dem Herzen hat. Er besitzt nichts - der Viertel-Silberschekel gehört dem Sklaven - und doch wird ihm gesagt, dass ihm und seiner Familie alles gehört, „was in Israel kostbar ist", einem Mitglied des kleinsten Stammes und der unwichtigsten Familie dieses Stammes. Die Frage wird nicht beantwortet, aber Samuel lässt ihn beim Festmahl auf dem Ehrenplatz sitzen: „An jenem Tag aß Saul zusammen mit Samuel." (1 Sam 9,24). Bei diesem Essen gemeinsam an einem Tisch wird ein Band der Liebe und der Geschwisterlichkeit geknüpft. Die Freundschaft ist in der Bibel ein grundlegender Bestandteil des Glaubens; sie ist die Art und Weise den Glauben mit Gott und untereinander zu leben.