Gedenken an die Heiligen und die Propheten

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Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr seid ein auserwählter Stamm,
ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk,
ein Volk, das Gott erworben hat,
um seine Wunder zu verkünden.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch der Richter 9,6-15

Da versammelten sich alle Bürger von Sichem und Bet-Millo, zogen zu der Terebinthe, die bei Sichem steht, und machten Abimelech zum König. Als man das Jotam meldete, stellte er sich auf den Gipfel des Berges Garizim und rief ihnen mit erhobener Stimme zu: Hört auf mich, ihr Bürger von Sichem, damit Gott auf euch hört! Einst gingen die Bäume hin, um sich einen König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: Sei du unser König! Der Ölbaum sagte zu ihnen: Habe ich etwa schon mein Fett aufgegeben, das Götter und Menschen an mir ehren, und werde hingehen, um über den Bäumen zu schwanken? Da sagten die Bäume zum Feigenbaum: Geh du hin, sei unser König! Der Feigenbaum sagte zu ihnen: Habe ich etwa schon meine Süßigkeit und meine guten Früchte aufgegeben und werde hingehen, um über den Bäumen zu schwanken? Da sagten die Bäume zum Weinstock: Geh du hin, sei unser König! Der Weinstock sagte zu ihnen: Habe ich etwa schon meinen Most aufgegeben, der Götter und Menschen erfreut, und werde hingehen, um über den Bäumen zu schwanken? Da sagten alle Bäume zum Dornenstrauch: Geh du hin, sei unser König! Der Dornenstrauch sagte zu den Bäumen: Wenn ihr mich wirklich zu eurem König salben wollt, kommt, bergt euch in meinem Schatten! Wenn aber nicht, dann soll vom Dornenstrauch Feuer ausgehen und die Zedern des Libanon fressen.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr werdet heilig sein,
weil ich heilig bin, spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Es waren wirre Zeiten in der Geschichte Israels. Persönlicher Ehrgeiz und Götzendienst hatten sich des Volkes bemächtigt und seine Kraft geschwächt. Dass Abimelech, der Sohn des Jerubbaal, sich zum König erklärt hatte, ohne von Gott dazu berufen worden zu sein, zeigte, wie weit man sich vom Herrn entfernt hatte. Abimelech begibt sich nach Sichem zu den Brüdern seiner Mutter, um sie davon zu überzeugen, dass er von ihrem Blut ist. In Wirklichkeit zählt nicht die blutsverwandtschaftliche Bindung, sondern die Bindung an den Willen Gottes. Abimelech tötete seine eigenen Brüder nicht, weil sie Gott verraten hatten, sondern, um seine Macht zu festigen. Jotam, der kleinste der Söhne Gideons, der dem Massaker entkommen war, erhob seine Stimme gegen Abimelech. Seine Worte stehen für die prophetische Rede, die Abimelech, aber auch diejenigen verurteilt, die ihn gewählt hatten, und er kündigt an, dass die Strafe bald kommen wird. Jotams Fabel, die im Text wiedergegeben wird, erzählt von drei Bäumen, Ölbaum, Feigenbaum und Weinstock, den drei häufigsten Pflanzen in der Region. Die Fabel lehrt, dass es von Nachteil wäre, wenn diese drei Pflanzen, die alle in ihrem jeweiligen Bereich überaus nützlich sind, König würden. Sie wären völlig am falschen Platz. Mag sein, dass sie schwanken, aber auf diese Weise zeigen sie nur ihre Anmaßung und Unwissenheit. Als dann ein Dornenstrauch, der keinerlei Intelligenz besitzt, die Königswürde erhält, wird deutlich, wie gefährlich dies sein kann. Jedenfalls ist es nutzlos; seine Anordnung, sich in seinem Schatten zu bergen, ist bittere Ironie, denn das Feuer, das sich gerade am trockenen Dornenstrauch sehr leicht entzündet und rasch um sich greift, könnte im Gegenteil sogar für den majestätischsten Baum des gesamten Ostens, die Libanonzeder, eine Gefahr darstellen. Weiter unten im Text wird von der Feindschaft erzählt, die zwischen Abimelech und den Bürgern von Sichem entstanden ist. Letztere legen Abimelech zahlreiche Hinterhalte und lösen so eine endlose Kette der Gewalt aus. Abimelech reagiert, er bestraft und tötet, ja er zerstört sogar die Stadt und streut Salz über sie. Doch sein Ende ist unrühmlich für einen Krieger wie ihn, denn er wird von einer Frau verwundet, die die Stadt verteidigte. Gewalt bringt immer Gewalt hervor, und wer sie anwendet, fällt ihr zum Opfer.