Gedenken an die Heiligen und die Propheten

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Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr seid ein auserwählter Stamm,
ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk,
ein Volk, das Gott erworben hat,
um seine Wunder zu verkünden.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch der Weisheit 6,1-11

Hört also, ihr Könige, und seid verständig, lernt, ihr Richter der Enden der Erde! Horcht, ihr Herrscher der Massen, die ihr stolz seid auf Völkerscharen! Der Herr hat euch die Gewalt gegeben, der Höchste die Herrschaft, er, der eure Taten prüft und eure Pläne durchforscht. Ihr seid Diener seines Reichs, aber ihr habt nicht richtig Recht gesprochen, das Gesetz nicht gewahrt und den Willen Gottes nicht befolgt. Schnell und furchtbar wird er kommen und euch bestrafen; denn über die Großen ergeht ein strenges Gericht. Der Geringste erfährt Nachsicht und Erbarmen, doch die Mächtigen werden geprüft mit Macht. Denn der Gebieter über alles scheut niemand und weicht vor keiner Größe zurück. Er hat Klein und Groß erschaffen und trägt gleiche Sorge für alle; den Mächtigen aber droht strenge Untersuchung. An euch also, ihr Gewalthaber, richten sich meine Worte, damit ihr Weisheit lernt und euch nicht verfehlt. Wer das Heilige heilig hält, wird geheiligt, und wer sich darin unterweisen lässt, findet Rechtfertigung. Verlangt also nach meinen Worten, sehnt euch danach und ihr werdet Bildung erwerben!

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr werdet heilig sein,
weil ich heilig bin, spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Leben des Gerechten, der die Königskrone empfangen hat, soll vor allem jenen als Vorbild dienen, die Regierungsverantwortung tragen. Die göttliche Einladung an sie ist sehr nachdrücklich. Von ihnen wird erwartet, was der Herr von allen Menschen will, nämlich dass sie nach Weisheit und nach dem Wort Gottes streben: "Verlangt also nach meinen Worten; sehnt euch danach und ihr werdet Bildung erwerben". Das Wort Gottes bildet, es weist den Weg des Guten und der Gerechtigkeit. Deshalb sind alle, auch die Mächtigen und die Könige, dazu aufgerufen, es zu suchen und danach zu verlangen. Das Wort Gottes ist für alle da, auch für die Regierenden. Es verleiht ihnen Weisheit bei der Interpretation der Geschichte und hilft ihnen, die Zeichen der Zeit zu deuten und Visionen zu haben, die über den engen Horizont des Gewohnten hinausreichen. Die Bibel will, wenn sie den Ursprung der menschlichen Macht auf Gott zurückführt, keine Theokratie errichten, sondern daran erinnern, dass kein Machthaber absolut ist. Sie alle unterstehen Gott, denn von ihm erhalten sie Leben und Kraft. Jeder Totalitarismus ist im Grunde genommen ein Götzendienst. Deshalb ist das Regieren eine Verantwortung, ja ein Dienst. Wer regiert, der muss vom Herrn lernen, der "Klein und Groß erschaffen" hat und "gleiche Sorge für alle" trägt. Das Buch der Weisheit stellt hier ein Prinzip der Gleichheit auf - und das zu einer Zeit, als die Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen, von einigen wenigen Ausnahmen in der hellenistischen Welt einmal abgesehen, noch völlig unbekannt war. Die Gleichheit aller, die auch eine Liebe zu allen Geschöpfen mit sich bringt, hat ihre Wurzeln in der Schöpfung, als Gott den Mann und die Frau nach seinem Bild und ihm ähnlich schuf. Die Gleichheit aller Menschen wurzelt in ihrem göttlichen Ursprung. Auf dieser theologischen Grundlage sind alle Menschen, vor allem aber die, die in der Regierungsverantwortung stehen, dazu aufgerufen, die Würde eines jeden Menschen von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod zu bewahren und zu schützen.