Gedenken an die Armen

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Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch Jesaja 35,1-10

Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie. Sie wird prächtig blühen und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken. Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen, die Pracht unseres Gottes. Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie! Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht! Seht, euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten. Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben werden geöffnet. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen frohlockt, denn in der Wüste sind Wasser hervorgebrochen und Flüsse in der Steppe. Der glühende Sand wird zum Teich und das durstige Land zu sprudelnden Wassern. Auf der Aue, wo sich Schakale lagern, wird das Gras zu Schilfrohr und Papyrus. Dort wird es eine Straße, den Weg geben; man nennt ihn den Heiligen Weg. Kein Unreiner wird auf ihm einherziehen; er gehört dem, der auf dem Weg geht, und die Toren werden nicht abirren. Es wird dort keinen Löwen geben, kein Raubtier zieht auf ihm hinauf, kein einziges ist dort zu finden, sondern Erlöste werden ihn gehen. Die vom HERRN Befreiten kehren zurück und kommen zum Zion mit Frohlocken. Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, Jubel und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entfliehen.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will,
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Wir feiern heute das Fest der Mutter Gottes, die ohne Erbsünde empfangen wurde, unbefleckt und ohne jene Neigung, die den Menschen dazu drängt, das Böse zu tun. Der Abschnitt aus dem Buch Genesis spricht über die Erbsünde in der symbolischen Geschichte von Adam und Eva, die lieber der Stimme der Schlange folgten als auf Gott zu hören. Dabei hatte er sie doch in einen Garten geführt, in dem sie in Frieden lebten und in dem Gott sich mit ihnen unterhielt, während er mit ihnen im Tagwind einherging. Die beiden konnten sich von den Früchten aller Bäume ernähren außer von denen des Baumes in der Mitte des Gartens, da sie sonst sterben würden. Doch da meldet sich die verführerische Schlange, stellt sich ihnen vor und überzeugt sie davon, dass Gott neidisch auf sie sei. Sie sagt ihnen: „Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse." Diese dramatische Erzählung offenbart das Geheimnis einer Sünde, die deshalb Ursünde genannt wird, weil sie eben am Ursprung des Bösen steht, auch des Bösen unserer Zeit. Als Zeichen der Anwesenheit des Versuchers in der Welt drängt die Schlange den Menschen dazu, sich für eine regelrechte Verehrung des eigenen Ichs zu entscheiden: „ihr werdet wie Gott". Seither drängt das Böse Männer und Frauen dazu, sich selbst zu verherrlichen, dem Hochmut Raum zu geben und zunächst einmal an sich selbst zu denken. So kommt es zu Spaltungen, Unrecht, Hass, Zerstörung, Konflikten und Kriegen. Der Versucher schleicht sich weiter in die verborgenen Winkel der menschlichen Herzen ein. Dadurch zerbrechen Bindungen, und Spaltungen mehren sich. Es scheint sich dabei um eine unaufhaltsame und unbesiegbare Kette von Ereignissen zu handeln.
Aber schauen wir auf Maria und ihr Geheimnis, das wir heute schon in ihrer Empfängnis betrachten können. Wir denken an diese junge Frau, die den Kopf jener Schlange zertreten hat, welche Eva zur Sünde verführt hatte. Diese Frau wird von der Ursünde bewahrt, vor jenem Instinkt der Liebe zu sich selbst, der jeden Menschen verletzt. Mit Maria wird die tragische Kette unterbrochen, die Männer und Frauen zur Gewalt drängt und in den Tod treibt. Da sie ohne diese Schuld empfangen wurde, schlägt Maria eine neue Seite in der Menschheitsgeschichte auf. Es beginnt eine Freundschaft mit Gott, die noch schöner ist als bei ihren Vorfahren. Sie wurden vom Tod erlöst. Uns aber wird Anteil an einer größeren Hoffnung gegeben. Aus Gnade wurde Maria ohne Erbsünde empfangen, nicht durch eigene Verdienste. Sie sollte nicht von jener Urschuld befleckt werden - wie die Kirchenväter oft wiederholen - denn sie sollte in ihrem Schoß den Sohn Gottes empfangen. Die Liebe des Sohnes hat die Mutter behütet.
Dieses Geheimnis der Bewahrung Marias vor dem Bösen, das wir heute betrachten, ist nicht fern vom Geheimnis der Kirche. Daher hat der Glaubensinstinkt des Volkes Gottes dieses Fest überall auf der Welt sehr beliebt gemacht. Der Blick Gottes, der seit dem Moment ihrer Empfängnis auf Maria ruht, ist derselbe, den er auch auf seine Kirche richtet. Das ist das Geheimnis der unbefleckten Maria: es ist das Geheimnis der Kirche, das Geheimnis der Gemeinschaft der Gläubigen. Auch wenn ihre Glieder Sünder sind, ist die Kirche als Mutter berufen, auf die Stimme des Engels zu hören und ihr Ja zu sagen. Genauso war es bei Maria, wie das Evangelium berichtet. Auch wir können die Worte des Engels hören, der uns zusagt: „Fürchte dich nicht, ... für Gott ist nichts unmöglich."