Gedenken an die Heiligen und die Propheten

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Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr seid ein auserwählter Stamm,
ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk,
ein Volk, das Gott erworben hat,
um seine Wunder zu verkünden.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Brief des Jakobus 1,19-27

Wisset, meine geliebten Brüder und Schwestern: Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn; denn der Zorn eines Mannes schafft keine Gerechtigkeit vor Gott. Darum legt alles Schmutzige und die viele Bosheit ab und nehmt in Sanftmut das Wort an, das in euch eingepflanzt worden ist und die Macht hat, euch zu retten! Werdet aber Täter des Wortes und nicht nur Hörer, sonst betrügt ihr euch selbst! Wer nur Hörer des Wortes ist und nicht danach handelt, gleicht einem Menschen, der sein eigenes Gesicht im Spiegel betrachtet: Er betrachtet sich, geht weg und schon hat er vergessen, wie er aussah. Wer sich aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit vertieft und an ihm festhält, wer es nicht nur hört und es wieder vergisst, sondern zum Täter des Werkes geworden ist, wird selig sein in seinem Tun. Wenn einer meint, er diene Gott, aber seine Zunge nicht im Zaum hält, sondern sein Herz betrügt, dessen Gottesdienst ist wertlos. Ein reiner und makelloser Gottesdienst ist es vor Gott, dem Vater: für Waisen und Witwen in ihrer Not zu sorgen und sich unbefleckt von der Welt zu bewahren.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr werdet heilig sein,
weil ich heilig bin, spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

„Werdet aber Täter des Wortes und nicht nur Hörer, sonst betrügt ihr euch selbst!". Mit diesem Aufruf setzt der Apostel den Gedankengang aus dem vorangegangenen Abschnitt fort. Hierbei stellt er heraus, dass ein Mensch, der zuhört, auch mit Überlegung spricht - also „langsam zum Reden" ist - und so seinen Instinkt zu beherrschen vermag, der sonst leicht zum Zorn hinreißt. Denn wie oft ist der Zorn die direkte Folge der Unfähigkeit, zuzuhören und erst dann zu sprechen, wenn man nachgedacht hat. Es gibt einen direkten Bezug zwischen der Bereitschaft zum Hören auf Gott und der Verantwortung im Gespräch mit den anderen. Denn wer die Kraft des Wortes versteht, achtet sicherlich auch genauer auf das, was er sagt. Wenn das Wort nicht aus einem vom Evangelium geprägten Herzen hervorgeht, kann es den Zuhörern leicht schaden. Deshalb werden auch diejenigen, die sich für fromm halten, dazu ermahnt, ihre Zunge im Zaum zu halten. Auch Jesus warnte seine Jünger, dass Gott für jedes unnütze Wort, das sie redeten, Rechenschaft fordern würde (vgl. Mt 12,36). Deshalb ruft Jakobus dazu auf, „in Sanftmut" das Wort anzunehmen, das in uns „eingepflanzt worden ist". Die Gläubigen sollen das Wort Gottes im Herzen aufnehmen und es dort wirken lassen, ohne es durch Stolz, Zerstreuung und Kälte zu behindern. Jakobus erklärt, was die gehorsame Aufnahme des Evangeliums bedeutet, nämlich Handelnde gemäß dem Wort zu sein und nicht nur Zuhörer. Das Wort Gottes ist der Spiegel unseres Lebens. Es genügt nicht, sich einen Moment lang anzuschauen und sogleich wieder zu vergessen. Wir müssen uns vielmehr beständig im Wort Gottes spiegeln, um so unser wahrstes und menschlichstes Bild zu entdecken. Denn ein wahrer Glaube und eine echte Religiosität besteht nicht aus abstrakten Worten, sondern aus der Konkretheit der Liebe, die ausgehend von der Hilfe für die Witwen und Waisen Gestalt annimmt, und sich dabei „unbefleckt von der Welt" bewahrt, also nicht von Stolz oder Eigenliebe verunreinigt wird. Waisen und Witwen waren zahlreich in der Gesellschaft der damaligen Zeit und wurden zu den Ärmsten der Armen gerechnet, wie es die Bücher des Ersten Testaments belegen. Sie sind der Inbegriff der Armut. Jakobus stellt jedoch heraus, dass zwischen dem Zügeln der eigenen Zunge und der Sorge für die Armen ein Zusammenhang besteht. Das Hören auf das Wort Gottes und das Mitleid mit den Armen charakterisieren unseren Glauben. Ein „reiner ... Gottesdienst", der also den Menschen in Beziehung zu Gott setzt, verwirklicht sich in einer Liebe, die nicht abstrakt bleibt, sondern zum Hören auf das Evangelium und zum konkreten Einsatz für diejenigen wird, deren Bedürfnis nach Liebe am größten ist, nämlich die Armen.