Gedenken an die Mutter des Herrn

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Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Geist des Herren ruht auf dir,
der von dir geboren wird, wird heilig sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Lukas 12,35-38

Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Hier sind, Herr, deine Diener,
uns geschehe nach deinem Wort.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Dem törichten Reichen, der vom Tod überrascht wird, stellt Jesus den Jünger gegenüber, der seinen Herrn erwartet. Die Wachsamkeit wird zu einer der grundlegenden spirituellen Dimensionen des christlichen Lebens. Wer um sich selbst kreist und über der Sicherheit seines eigenen, umgrenzten Bezirks einschläft, wird aufgerufen, aufzublicken und die Rückkehr des Herrn zu erwarten. Jesus sagt: "Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen!" Gegürtet zu sein bedeutete in der damaligen Umgangssprache, dass man die Tunika oder den Überwurf, die zu lang waren, um mit der nötigen Gewandtheit und Schnelligkeit auf etwas Unvorhergesehenes zu reagieren, mit einem Gürtel gerafft hatte. Den Gürtel aufzuschnüren hieß dagegen, dass man sich entspannte und ausruhte. Die Israeliten, die sich in der Nacht vor ihrer Flucht aus Ägypten bereithielten, hatten ihre Gewänder gegürtet (Ex 12,11). Die brennende Lampe hatte dieselbe Bedeutung, nämlich auch des Nachts zur Tat bereit zu sein. Jesus verlangt von den Jüngern, in der soeben beschriebenen Weise bereit zu sein. In dem Wissen, dass das Warten auf die Begegnung mit dem Herrn die Glückseligkeit des Jüngers und sein größtes Bestreben ist. Der Evangelist bezieht diese Aussagen Jesu auf den eschatologischen Horizont. Doch für das christliche Leben gilt auch, dass der Herr tagtäglich an die Tür unseres Herzens kommt und anklopft, wie im Buch der Offenbarung geschrieben steht (Offb 3,20). Selig, wer ihm öffnet, denn sein Lohn wird die Begegnung mit Jesus sein. Er wird Jesus nicht nur als jemanden erkennen, der dient, sondern er wird sehen, wie Jesus sich gürten wird, ihn Platz nehmen lässt und ihm selbst zum Diener wird. Die Rollen sind vertauscht, scheinen völlig unvermutet - doch ebendies ist das Paradox der Gnade, die wir empfangen. Jesus selbst tritt als der auf, der dient. Beim Letzten Abendmahl verhielt er sich buchstäblich wie ein Diener. Nachdem er eine Schüssel genommen hatte, umgürtete er sich mit einem Leinentuch und beugte sich herab, um den Jüngern, einem nach dem anderen und Judas eingeschlossen, die Füße zu waschen. Jetzt können wir den Sinn der Seligpreisung, die Jesus in dieser Episode ausspricht, besser verstehen. Die Seligkeit besteht darin, dem Herrn zu begegnen, sich seiner unverdienten Liebe zu erfreuen und von ihm bedient zu werden.