Liturgie des Sonntags

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33. Sonntag im Jahreskreis
Weihetag des Petersdoms und der Basilika St. Paul vor den Mauern in Rom. Welttag der Armen.


Erste Lesung

Das Buch Daniel 12,1-3

In jener Zeit tritt Michael auf, der große Engelfürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Doch dein Volk wird in jener Zeit gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist. Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu. Die Verständigen werden strahlen, wie der Himmel strahlt; und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten.

Antwortpsalm

Psalm 16

Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir.

Ich sage zum Herrn: «Du bist mein Herr; mein ganzes Glück bist du allein.»

An den Heiligen im Lande, den Herrlichen, an ihnen nur hab' ich mein Gefallen.

Viele Schmerzen leidet, wer fremden Göttern folgt.
Ich will ihnen nicht opfern, ich nehme ihre Namen nicht auf meine Lippen.

Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; du hältst mein Los in deinen Händen.

Auf schönem Land fiel mir mein Anteil zu. Ja, mein Erbe gefällt mir gut.

Ich preise den Herrn, der mich beraten hat. Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.

Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.

Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; du läßt deinen Frommen das Grab nicht schauen.

Du zeigst mir den Pfad zum Leben.
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit.

Zweite Lesung

Der Brief an die Hebräer 10,11-14.18

Jeder Priester steht Tag für Tag da, versieht seinen Dienst und bringt viele Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals Sünden wegnehmen können. Dieser aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt; seitdem wartet er, bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden. Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt. Wo aber die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Sündopfer mehr.

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Markus 13,24-32

Aber in jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels. Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr (all) das geschehen seht, daß das Ende vor der Tür steht. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

Wir nähern uns nunmehr dem Ende des Kirchenjahres. Das heutige Evangelium ist Teil der „eschatologischen Rede", das heißt der Rede über die Letzten Dinge, die bei Markus das gesamte 13. Kapitel umfasst. Jesus hat soeben den Tempel verlassen und geht mit den Jüngern Richtung Ölberg, von wo aus man den Tempel in seiner ganzen Pracht bewundern kann. Die Jünger sind überwältigt vom Anblick dieses unglaublichen Bauwerks, doch Jesus reißt sie gleichsam aus ihrer Bewunderung heraus und sagt ihnen, dass von diesem Gebäude kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Nachdem er von „der großen Not" gesprochen hat, die über Jerusalem hereinbrechen wird, kündigt er an, dass kosmische Erschütterungen folgen werden, und fügt hinzu: „Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen."
Das Evangelium erinnert daran, dass der „Menschensohn" nicht in der Müdigkeit unserer Gewohnheiten erscheinen und sich auch nicht in den natürlichen Ablauf der Dinge einfügen wird. Wenn er kommt, wird er im Leben der Menschen wie auch der ganzen Schöpfung eine radikale Veränderung herbeiführen. Um diese tiefgreifende Umgestaltung auszudrücken, greift Jesus auf die damals sehr verbreitete typische Sprache der apokalyptischen Tradition zurück und spricht von kosmischen Ereignissen, die die Ordnung der Natur auf den Kopf stellen. Jesus spricht zwar von den letzten Tagen, sagt aber auch, dass diese Umbrüche noch in „dieser Generation" eintreten werden. Der „Tag des Herrn", den Daniel und die anderen Propheten vorweggenommen haben, bricht in jeder Generation, ja an jedem Tag der Geschichte an. Die Jünger, so Jesus, sollen erkennen, „dass das Ende vor der Tür steht." Mit dieser Formulierung werden die Gläubigen an anderen Stellen der Schrift ermahnt, sich bereitzuhalten und den Herrn aufzunehmen, der vorübergeht. „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir" (Offb 3,20). An jedem Tag unseres Lebens steht der Herr vor der Tür und klopft an, und am heutigen Sonntag, an dem die Kirche der Armen gedenkt, erinnern wir daran, dass es immer Jesus ist, der in der Gestalt des Hungernden, des Fremden, des Kranken oder des Häftlings vor unserer Tür steht. Er ist jener von Wunden übersäte Lazarus, der heute darauf wartet, aufgenommen zu werden, und von seiner Aufnahme hängt das Urteil ab, mit dem Gott schon diese Zeit, in der wir jetzt leben, verwandeln will.
Das Ende der Welt muss täglich eintreten, wir müssen Tag für Tag der bösen und schlechten Welt, an der die Menschen ständig weiterbauen, ein kleines oder großes Stück weit ein Ende bereiten. Die Schrift hält uns diese Zukunft vor Augen, auf die wir ausgerichtet sind: Das Ende der Welt ist keine Katastrophe, sondern die Errichtung der Heiligen Stadt Jerusalem, die vom Himmel herabsteigt. Es ist eine Stadt, das heißt keine abstrakte, sondern eine konkrete Wirklichkeit, die alle Völker um den Herrn versammelt. Das ist das Ende der Geschichte. Doch die Saat dieser Heiligen Stadt muss schon jetzt, in unseren Tagen, ausgebracht werden, damit sie wachsen und das Leben der Menschen nach ihrem Bild verwandeln kann. Sie gedeiht nicht von alleine und mühelos, sondern wird durch die tägliche Anstrengung veredelt, die jeder Gläubige auf sich nehmen muss, weil er weiß: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen" (Mt 24,35).