Liturgie des Sonntags

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30. Sonntag im Jahreskreis
Gedenken an das historische Treffen von Assisi 1986, zu dem Papst Johannes Paul II. Vertreter aller christlichen Konfessionen und der großen Weltreligionen eingeladen hatte, um für den Frieden zu beten. Gedenken an Dominique Green, einen jungen Afroamerikaner, der 2004 hingerichtet wurde. Gebet für die zum Tode Verurteilten und für die Abschaffung der Todesstrafe.


Erste Lesung

Das Buch Jesus Sirach 35,15-17.20-22

und vertrau nicht auf ungerechte Opfer! Denn der Herr ist Richter und es gibt vor ihm kein Ansehen der Person. Er bevorzugt niemanden gegenüber einem Armen, die Bitte eines ungerecht Behandelten wird er erhören. Er missachtet nicht den Hilferuf der Waise und die Witwe, wenn sie ihren Jammer ausschüttet. Wer Gott wohlgefällig dient, wird angenommen und seine Bitte dringt bis in die Wolken. Das Gebet eines Demütigen durchdringt die Wolken, und bevor es nicht angekommen ist, wird er nicht getröstet und er lässt nicht nach, bis der Höchste daraufschaut. Und er wird für die Gerechten entscheiden und ein Urteil fällen. Und der Herr wird gewiss nicht zögern und nicht langmütig sein gegen die Unbarmherzigen, bis er ihre Hüften zerbrochen hat.

Antwortpsalm

Psalm 34

Ich will den Herrn allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund.

Meine Seele rühme sich des Herrn; die Armen sollen es hören und sich freuen.

Verherrlicht mit mir den Herrn, laßt uns gemeinsam seinen Namen rühmen.

Ich suchte den Herrn, und er hat mich erhört, er hat mich all meinen Ängsten entrissen.

Blickt auf zu ihm, so wird euer Gesicht leuchten, und ihr braucht nicht zu erröten.

Da ist ein Armer; er rief, und der Herr erhörte ihn. Er half ihm aus all seinen Nöten.

Der Engel des Herrn umschirmt alle, die ihn fürchten und ehren, und er befreit sie.

Kostet und seht, wie gütig der Herr ist; wohl dem, der zu ihm sich flüchtet!

Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen; denn wer ihn fürchtet, leidet keinen Mangel.

Reiche müssen darben und hungern; wer aber den Herrn sucht, braucht kein Gut zu entbehren.

Kommt, ihr Kinder, hört mir zu! Ich will euch in der Furcht des Herrn unterweisen.

Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?

Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor falscher Rede!

Meide das Böse, und tu das Gute; suche Frieden, und jage ihm nach!

Die Augen des Herrn blicken auf die Gerechten, seine Ohren hören ihr Schreien.

Das Antlitz des Herrn richtet sich gegen die Bösen, um ihr Andenken von der Erde zu tilgen.

Schreien die Gerechten, so hört sie der Herr; er entreißt sie all ihren Ängsten.

Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen, er hilft denen auf, die zerknirscht sind.

Der Gerechte muß viel leiden, doch allem wird der Herr ihn entreißen.

Er behütet all seine Glieder, nicht eines von ihnen wird zerbrochen.

Den Frevler wird seine Bosheit töten; wer den Gerechten haßt, muß es büßen.

Der Herr erlöst seine Knechte; straflos bleibt, wer zu ihm sich flüchtet.

Zweite Lesung

Der zweite Brief an Timotheus 4,6-8.16-18

Denn ich werde schon geopfert und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen. Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten; alle haben mich im Stich gelassen. Möge es ihnen nicht angerechnet werden. Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Völker sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen. Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen und retten in sein himmlisches Reich. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Lukas 18,9-14

Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Gleichnis: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach bei sich dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause hinab, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

Im Tempel zeigt Jesus uns zwei Menschen; der eine ist ein Pharisäer, der selbstsicher zum Tempel hinaufgeht, um zu beten. Wir sind oft wie er, zufrieden damit, wie wir sind und leben, doch das Gebet hilft uns zu begreifen, dass wir in unserem Leben nicht immer so selbstgefällig sein dürfen. Jener Pharisäer ist zutiefst von seiner Gerechtigkeit überzeugt und hat keine Scheu, sich sogar vor Gott seiner eigenen Ansprüche und Verdienste zu rühmen. Das ist die arrogante Haltung, die aus dem Stolz erwächst und uns so oft glauben macht, das Böse sei anderswo und betreffe uns nicht persönlich. Wenn wir denken, das Böse komme nicht aus uns selbst, sondern womöglich von den anderen, dann verfallen wir in die Logik der Verachtung. Es ist immer einfacher, auf die Fehler und Sünden der anderen herabzusehen, als über die eigenen nachzudenken. "Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin", sagte der Pharisäer. Er hielt sich für anders als die anderen. Er hielt sich für etwas Besseres, weil er zweimal wöchentlich fastete und von seinem Einkommen den Zehnten zahlte, also tat, was die Religion ihm vorschrieb. Doch Fasten und Almosen halfen ihm weder sein Herz zu läutern noch auf die Armen zuzugehen, sondern dienten ihm nur dazu, sich über die anderen - "die Räuber, Betrüger, Ehebrecher" - zu erheben. Die Frömmigkeit dieses Pharisäers trennt ihn von den anderen und entfernt ihn damit von Gott. Im Tempel meint er vor Gott zu stehen, doch in Wirklichkeit steht er nur vor sich selbst wie vor einem Götzenbild, das er anbetet und beweihräuchert, indem er sich selbst erhöht. Wer sich selbst erhöht und über die anderen erhebt, bleibt letztlich allein, und mit seinem verächtlichen Urteil über die anderen verdammt er sich zur Einsamkeit.
"Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen", heißt es im Evangelium. Der Zöllner ist wie die anderen. Er steht hinten im Tempel und hebt sich praktisch gar nicht von der Menschenmenge draußen auf der Straße ab, die in die Wirrnis der Welt eingetaucht ist. Er ist ein Sünder - die Zöllner waren die Steuereintreiber, die oft das Geld der Armen stahlen und unsaubere Geschäfte machten. Er ist kein Gerechter, kein Guter, kein Armer: Er ist ein Sünder und er ist Gott fern. Doch vor Gott vermag dieser Mann zu sagen, wer er ist, und er tut es im Gebet. "Gott, sei mir Sünder gnädig!", betet der Zöllner, und im Gebet entdecken auch wir, dass wir Arme und Sünder sind. Dies sei auch unser tägliches Gebet, das uns hilft, gegen das Böse, das im Herzen eines jeden entsteht, zu kämpfen und zu siegen. Dies sei unser Gebet, das um Erbarmen bittet, jene Liebe, die unserem Herzen so häufig fehlt. Beten wir und danken wir dem Herrn, weil wir in der Demut des Bittens die Wahrheit unseres Lebens erkennen und nicht von unserem Stolz, sondern von der Liebe Gottes gerechtfertigt aus dem Tempel herauskommen.