Liturgie des Sonntags

Teilen Auf

33. Sonntag im Jahreskreis
Welttag der Armen


Erste Lesung

Maleachi 3,19-20a

Denn seht, der Tag kommt, er brennt wie ein Ofen: Da werden alle Überheblichen und alle Frevler zu Spreu und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen, spricht der HERR der Heerscharen. Weder Wurzel noch Zweig wird ihnen dann bleiben. Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen und ihre Flügel bringen Heilung. Ihr werdet hinausgehen und Freudensprünge machen wie Kälber, die aus dem Stall kommen.

Antwortpsalm

Psalm 98

Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er hat wunderbare Taten vollbracht. Er hat mit seiner Rechten geholfen und mit seinem heiligen Arm. Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.

Er dachte an seine Huld und an seine Treue zum Hause Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes.

Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde, freut euch, jubelt und singt!

Spielt dem Herrn auf der Harfe, auf der Harfe zu lautem Gesang!

Zum Schall der Trompeten und Hörner jauchzt vor dem Herrn, dem König!

Es brause das Meer und alles, was es erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner.

In die Hände klatschen sollen die Ströme, die Berge sollen jubeln im Chor

vor dem Herrn, wenn er kommt, um die Erde zu richten. Er richtet den Erdkreis gerecht, die Nationen so, wie es recht ist.

Zweite Lesung

Der zweite Brief an die Thessalonicher 3,7-12

Ihr selbst wisst, wie man uns nachahmen soll. Wir haben bei euch kein unordentliches Leben geführt und bei niemandem unser Brot umsonst gegessen; wir haben uns gemüht und geplagt, Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen. Nicht als hätten wir keinen Anspruch auf Unterhalt; wir wollten euch aber ein Beispiel geben, damit ihr uns nachahmen könnt. Denn als wir bei euch waren, haben wir euch geboten: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten. Diesen gebieten wir und wir ermahnen sie in Jesus Christus, dem Herrn, in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr eigenes Brot zu essen.

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Lukas 21,5-19

Als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schön bearbeiteten Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird. Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen und was ist das Zeichen, dass dies geschehen soll? Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach! Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. Dann sagte er zu ihnen: Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen. Aber bevor das alles geschieht, wird man Hand an euch legen und euch verfolgen. Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern, vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen. Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. Nehmt euch also zu Herzen, nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

Das Kirchenjahr neigt sich seinem Ende zu, und die Liturgie lädt uns ein, über die letzten Dinge nachzudenken: den Tag, der "kommt" und "brennt wie ein Ofen", wie der Prophet Maleachi schreibt. Auch der Abschnitt aus dem Lukasevangelium hebt das Thema vom Ende der Zeiten hervor. Doch die eschatologische Sprache, die der Evangelist verwendet, meint nicht im wörtlichen Sinne den Einsturz der Gebäude und das Ende der Welt, sondern eher, dass, wenn der Glaube in ihr wohnt, jede Zeit des Lebens und der Geschichte entscheidend ist. Wir leben schon heute in einer Zeit, in der uns die "Sonne der Gerechtigkeit" entweder wie Spreu verbrennt oder zu Arbeitern eines neuen Tages macht. Jesus setzt bei der majestätischen Schönheit des Jerusalemer Tempels an, die die Jünger mit Stolz und Sicherheit erfüllt haben muss. In jenem marmorglänzenden und herrlich ausgestatteten Tempel hatten sie das Gefühl, ihre Zukunft und die des Volkes Israel sei garantiert. Jesus aber sagt ernst: "Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird." Erschüttert von dieser Aussage, die auch ihre Sicherheit ins Wanken bringt, fragen die Jünger, wann das alles eintreffen wird. Wenn es denn schon geschehen muss, so denken sie womöglich, werde es vielleicht erst in einer fernen Zukunft eintreffen. Jesus antwortet nicht auf die Frage der Jünger, sondern fordert sie auf, wachsam zu sein, sich nicht irreführen zu lassen und treue Zeugen des Evangeliums zu sein.
Wir leben zweifelsohne in schweren Zeiten, und tatsächlich scheinen die "Zeichen", von denen Jesus im Evangelium spricht, auf jede historische Epoche zuzutreffen: "Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen." Diese Worte beziehen sich nicht auf eine ferne Zukunft, sondern auf die heutige Welt, in der so viele Christen verfolgt werden. Man wird "Hand an euch legen und euch verfolgen", sagt Jesus. Es gibt zwar nicht viele Orte auf der Welt, an denen die Christen verfolgt werden, aber es gibt sie, und so oder so mangelt es nicht an Verfolgten, auch wenn es keine Christen sind. Auch die traurigen Episoden der Intoleranz und des Rassismus, die nach wie vor in unseren Städten grassieren, lassen sich in diesen Kontext einordnen. Die Opfer von alledem sind heute vor allem die Armen, denen die Kirche diesen Tag widmet, um deutlich zu machen, dass sie - weit mehr als der Jerusalemer Tempel - der Ort sind, an dem sich die Gegenwart Gottes offenbart. Gerade in der Liebe zu diesen Armen haben die Christen die Gelegenheit, "Zeugnis" abzulegen. Das heißt, dass das Evangelium die Jünger inmitten dieser beunruhigenden Ereignisse zu einem mutigen und umfassenden Zeugnis auffordert. Dies ist nicht die Zeit für Arrangements, Vergleiche oder Kompromisse, um zu retten, was zu retten ist. Die ganze Klarheit des Evangeliums muss aus dem Antlitz der Christen leuchten. In diesem Sinne erleben wir schon jetzt das Ende der Zeiten - eine Zeit nämlich, in der man entweder wie Spreu verbrannt wird oder aufersteht zu einem neuen Tag.