Liturgie des Sonntags

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3. Adventssonntag
Gedenken an Gigi, einen Jungen aus Neapel, der 1983 eines gewaltsamen Todes gestorben ist. Mit ihm gedenken wir aller Kinder, die durch die Gewalt der Menschen leiden oder gestorben sind. Gebet für die Kinder.


Erste Lesung

Das Buch Jesaja 35,1-6.8.10

Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie. Sie wird prächtig blühen und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken. Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen, die Pracht unseres Gottes. Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie! Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht! Seht, euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten. Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben werden geöffnet. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen frohlockt, denn in der Wüste sind Wasser hervorgebrochen und Flüsse in der Steppe. Dort wird es eine Straße, den Weg geben; man nennt ihn den Heiligen Weg. Kein Unreiner wird auf ihm einherziehen; er gehört dem, der auf dem Weg geht, und die Toren werden nicht abirren. Die vom HERRN Befreiten kehren zurück und kommen zum Zion mit Frohlocken. Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, Jubel und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entfliehen.

Antwortpsalm

Psalm 146

Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele!

Ich will den Herrn loben, solange ich lebe, meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.

Verlaßt euch nicht auf Fürsten, auf Menschen, bei denen es doch keine Hilfe gibt.

Haucht der Mensch sein Leben aus
und kehrt er zurück zur Erde, dann ist es aus mit all seinen Plänen.

Wohl dem, dessen Halt der Gott Jakobs ist und der seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt.

Der Herr hat Himmel und Erde gemacht,
das Meer und alle Geschöpfe; er hält ewig die Treue.

Recht verschafft er den Unterdrückten,
den Hungernden gibt er Brot; der Herr befreit die Gefangenen.

Der Herr öffnet den Blinden die Augen, er richtet die Gebeugten auf.

Der Herr beschützt die Fremden und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht. Der Herr liebt die Gerechten, doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre.

Der Herr ist König auf ewig, dein Gott, Zion, herrscht von Geschlecht zu Geschlecht. Halleluja!

Zweite Lesung

Der Brief des Jakobus 5,7-10

Darum, Brüder und Schwestern, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Siehe, auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig auf sie, bis Frühregen oder Spätregen fällt. Ebenso geduldig sollt auch ihr sein; macht eure Herzen stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor. Klagt nicht übereinander, Brüder und Schwestern, damit ihr nicht gerichtet werdet! Seht, der Richter steht schon vor der Tür. Brüder und Schwestern, im Leiden und in der Geduld nehmt euch die Propheten zum Vorbild, die im Namen des Herrn gesprochen haben!

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Matthäus 11,2-11

Johannes hörte im Gefängnis von den Taten des Christus. Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Siehe, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige. Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: sogar mehr als einen Propheten. Dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bahnen wird. Amen, ich sage euch: Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

Das Wort Gottes ruft an diesem dritten Adventssonntag alle zur Freude auf, die in der Wüste dieser Welt leben, denn sie empfangen eine Verheißung: „Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen, die Pracht unseres Gottes." Der Prophet öffnet die Augen seiner Zuhörer, damit sie über die Traurigkeit und Resignation dieser Welt hinausblicken, und lädt alle zur Hoffnung und zur Erwartung der Ankunft Gottes ein.
Johannes, der uns nicht zufällig in diesen Tagen auf dem Weg zum Weihnachtsfest begleitet, schickt seine Jünger zu Jesus und lässt sie fragen: „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?" Diese Frage kennzeichnet die Adventszeit, sie ist aber auch die tägliche Frage im Leben eines religiösen Menschen und jedes Menschen, dem das Schicksal der Welt am Herzen liegt. Auch wir fragen an diesem Sonntag danach, was der Advent ist und wann und wie sich die Prophezeiung des Jesaja verwirklichen wird. Diese Frage richten wir an das Wort Gottes, wie jene Jünger des Johannes sie Jesus stellten. Der Evangelist berichtet, dass die Jünger des Johannes vom Propheten aus Nazaret empfangen wurden und dass er es nicht an einer Antwort fehlen ließ: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet". Jesus greift die Worte des Propheten Jesaja auf und lässt Johannes ausrichten, dass sich diese Prophezeiung erfüllt hat: Sie ist nicht mehr nur ein Traum, sondern ist schon Wirklichkeit geworden.
Durch ihn, der seinen Weg mitten unter den Menschen geht, beginnt die endgültige Erfüllung der Prophezeiung des Jesaja. Jesus fügt hinzu: „Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt." In ihm erfüllt sich der Plan Gottes. Dies geschieht nicht in der Außergewöhnlichkeit des Wunderbaren oder in einer geheimnisvollen magischen Esoterik, sondern in der Schlichtheit von Barmherzigkeit und Mitleid. Allen christlichen Generationen - und somit auch der unseren - kommt die Aufgabe zu, die Zeichen sichtbar zu machen, die Jesus selbst als Beginn einer erneuerten Welt gesetzt hat. Werden wir denen, die uns Fragen stellen, ebenso antworten können: „Geht und berichtet, was ihr hört und seht"? Denn die Zeichen des Advents sind auch heute zu finden. Es gibt Menschen, die den Armen das Evangelium verkünden, die Wunder der Nächstenliebe, der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit Gottes vollbringen und sich selbstvergessen in den Dienst an den Schwächsten und Ärmsten stellen. Blinde sehen Freunde, die ihnen voll Zuneigung nahe sind. Trauernde finden Begleiter mit der Fähigkeit, sie zu trösten und Kranken und Verlassenen ihre Zärtlichkeit und Fürsorge zu schenken.
Selig ist, wer diese Zeichen aufnimmt und sich von ihnen im Herzen berühren lässt. Jesus ist gekommen und lehrt uns, mit ihm auf seinem Weg zu gehen, mit ihm zu arbeiten und die Menschen zu lieben. Von ihm lernen wir, Mitleid zu haben mit den müden und erschöpften Menschenmengen, denen er auf seinem Weg begegnet. Er lehrt uns, in der Zeit des Wartens nicht zu verzweifeln und unser Herz nicht im engen Horizont des heutigen Tages, im Stolz oder in der Resignation zu verschließen. „Komm, Herr Jesus!", so lautet das alte Gebet der Christen. Das ist auch unser Gebet und befreit uns von der traurigen Anziehungskraft der Wüste dieser Welt.