Liturgie des Sonntags

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7. Sonntag im Jahreskreis
Gedenktag des heiligen Bischofs und Märtyrers Polykarp, eines Jüngers und Apostels des Johannes († 155).


Erste Lesung

Das Buch Levitikus 19,1-2.17-18

Der HERR sprach zu Mose: Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der HERR, euer Gott, bin heilig. Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Weise deinen Mitbürger zurecht, so wirst du seinetwegen keine Sünde auf dich laden. An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der HERR.

Antwortpsalm

Psalm 103

Lobe den Herrn, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,

der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt,

der dich dein Leben lang mit seinen Gaben sättigt; wie dem Adler wird dir die Jugend erneuert.

Der Herr vollbringt Taten des Heiles, Recht verschafft er allen Bedrängten.

Er hat Mose seine Wege kundgetan, den Kindern Israels seine Werke.

Der Herr ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte.

Er wird nicht immer zürnen, nicht ewig im Groll verharren.

Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld.

Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.

So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang, so weit entfernt er die Schuld von uns.

Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten.

Denn er weiß, was wir für Gebilde sind; er denkt daran: Wir sind nur Staub.

Des Menschen Tage sind wie Gras, er blüht wie die Blume des Feldes.

Fährt der Wind darüber, ist sie dahin; der Ort, wo sie stand, weiß von ihr nichts mehr.

Doch die Huld des Herrn währt immer und ewig für alle, die ihn fürchten und ehren; sein Heil erfahren noch Kinder und Enkel;

alle, die seinen Bund bewahren, an seine Gebote denken und danach handeln.

Der Herr hat seinen Thron errichtet im Himmel, seine königliche Macht beherrscht das All.

Lobt den Herrn, ihr seine Engel, 
ihr starken Helden, die seine Befehle vollstrecken, seinen Worten gehorsam!

Lobt den Herrn, all seine Scharen, seine Diener, die seinen Willen vollziehen!

Lobt den Herrn, all seine Werke, 
an jedem Ort seiner Herrschaft! Lobe den Herrn, meine Seele!

Zweite Lesung

Der erste Brief an die Korinther 3,16-23

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören. Denn Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr. Keiner täusche sich selbst. Wenn einer unter euch meint, er sei weise in dieser Welt, dann werde er töricht, um weise zu werden. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott. In der Schrift steht nämlich: Er fängt die Weisen in ihrer eigenen List. Und an einer anderen Stelle: Der Herr kennt die Gedanken der Weisen; er weiß, sie sind nichtig. Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: Alles gehört euch; ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott.

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Matthäus 5,38-48

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin! Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel! Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm! Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab! Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

In diesen Wochen lädt uns der Sonntagsgottesdienst dazu ein, über die Bergpredigt Jesu nachzudenken. Jesus schließt mit den Worten über das Haus, das auf einen Felsen gebaut wurde, als wolle er die Kraft dieser Worte unterstreichen: Wenn sie in die Tat umgesetzt werden, festigen sie das Haus und lassen es den Winden und Unwettern widerstehen, die im Leben auf den Menschen einstürmen. Wer sich diesen Worten anvertraut, ist deshalb weise und realistisch zugleich. In ihnen ist die wahre Weisheit des Lebens verborgen, die sich vom verbreiteten Denken unterscheidet, die aber allein die Welt der Gewalt des Bösen entziehen kann. In dieser Perspektive stehen die Worte Jesu, mit denen er zur Erfüllung des Gesetzes auffordert: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin!" Jesus bezieht sich auf das alte Talionsgesetz, das die Rache abmildern und regulieren wollte. In der Antike - wie auch noch in unserer Zeit - führte das Rachedenken die Menschen dazu, unversöhnlich und grausam, ja unmenschlich zu sein. Das Gesetz wollte der Willkür der Rache eine Grenze setzen und führte das Prinzip der Verhältnismäßigkeit ein. Es schuf eine angemessene Entschädigung: ein Zahn für einen Zahn, ein Auge für ein Auge.
Jesus ging es jedoch darum, diese Vorschrift, die durchaus ihre Berechtigung haben konnte, völlig auszurotten: Man soll nicht nur auf Rache verzichten, sondern auch auf den „Widerstand" gegen den, der einem etwas Böses antut. Das Böse muss mit der Wurzel ausgerottet werden, und dieser Kampf beginnt im eigenen Herzen. Gläubige Menschen sind die Ersten, die sich diesem Kampf stellen sollen. Patriarch Athenagoras, ein Mann mit einem großen Glauben, betonte diese Tatsache ausgehend von sich selbst: „Der schwerste Kampf ist jener gegen sich selbst. Wir müssen uns entwaffnen. Ich selbst habe über Jahre hinweg diesen Kampf gekämpft. Es war schrecklich. Doch jetzt habe ich die Waffen abgelegt. Ich habe vor nichts mehr Angst, weil die Liebe jegliche Angst vertrieben hat".
Das ist der Weg, den das Evangelium uns rät, damit wir in den Begegnungen mit den anderen sanftmütig, im Gespräch geduldig und im Umgang großzügig werden können. Auf diesem Weg der Großzügigkeit lassen sich selbst die Herzen der Gewalttätigen entwaffnen. Diese Worte des Evangeliums lassen die Liebe Frucht bringen, Früchte des Friedens und der Eintracht. Jesus spricht weiter: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde ..." Mit diesen Worten streicht er den Begriff „Feind" aus seinem Wortschatz und lässt allein die Bezeichnung „Nächster" gelten. Für Jesus existieren keine Feinde, sondern jeder Mensch ist ein Nächster, den es zu lieben gilt. Auch die Jünger sollen diesem Beispiel folgen. Er fordert sie nicht nur dazu auf, jede Beleidigung zu vergeben, was bereits ein großer Schritt wäre, sondern gerade ihre Feinde zu lieben und für ihre Verfolger zu beten. Hierin gibt er ihnen als Erster ein Beispiel. Am Kreuz betete er mit den Worten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!" (Lk 23,34).
Jesus will das Herz der Menschen weit machen, indem er alle Zäune und Grenzen einreißt, die der Ursprung jeder Feindschaft sind. Das Evangelium fordert von uns, mit unserer Großzügigkeit ein Zeugnis zu geben. Jesus verdeutlicht, wie sehr sich dieses Verhalten vom Gewöhnlichen unterscheidet: „Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?". Er lädt die Jünger zu einem anderen Leben ein. Dabei kennt er unsere Schwäche und unsere Sünde, wird aber nicht müde, uns aufzufordern: „Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!" Bereits zur Zeit des Mose ermahnte der Herr sein Volk: „Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig." Die Heiligkeit besteht in der Nächstenliebe, in der grenzenlosen Liebe, von der getrieben die Jüngerinnen und Jünger aus sich selbst herausgehen und sich auf den Weg in die Randgebiete dieser Welt begeben. Die Nachahmung des neuen Menschen Christus, der ein Vorbild für wahre Menschlichkeit ist, der einfache Weg, den das Evangelium für uns alle möglich macht.