Liturgie des Sonntags

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7. Sonntag der Osterzeit
Gedenktag Unserer Lieben Frau von Sheshan, einem Pilgerort in der Nähe von Schanghai. Gebet für die Christen in China.


Erste Lesung

Die Apostelgeschichte 1,12-14

Dann kehrten sie von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

Antwortpsalm

Psalm 46

Gott ist uns Zuflucht und Stärke, ein bewährter Helfer in allen Nöten.

Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde auch wankt, wenn Berge stürzen in die Tiefe des Meeres,

wenn seine Wasserwogen tosen und schäumen und vor seinem Ungestüm die Berge erzittern. Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsre Burg. [Sela]

Die Wasser eines Stromes erquicken die Gottesstadt, des Höchsten heilige Wohnung.

Gott ist in ihrer Mitte, darum wird sie niemals wanken; Gott hilft ihr, wenn der Morgen anbricht.

Völker toben, Reiche wanken, es dröhnt sein Donner, da zerschmilzt die Erde.

Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsre Burg.

Kommt und schaut die Taten des Herrn, der Furchtbares vollbringt auf der Erde.

Er setzt den Kriegen ein Ende bis an die Grenzen der Erde; er zerbricht die Bogen, zerschlägt die Lanzen, im Feuer verbrennt er die Schilde.

«Laßt ab und erkennt, daß ich Gott bin, erhaben über die Völker, erhaben auf Erden.»

Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsre Burg.

Zweite Lesung

Der erste Brief des Petrus 4,13-16

Stattdessen freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln. Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch. Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt. Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott darin verherrlichen.

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Johannes 17,1-11

Dies sprach Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir!

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

Am Ende der Osterzeit beten die Christen überall auf der Welt in besonderer Weise um den Heiligen Geist. Wie die Urgemeinde mit Maria, der Mutter Jesu, in ihrer Mitte sind wir in diesen Tagen zur Eintracht im Gebet aufgerufen. Auch die Worte Jesu im heutigen Evangelium sind Worte des Gebets. Das Gebet ist ganz vom Vertrauen getragen, dass der Vater niemanden verlässt und sein Heilswerk vollbringt, auch wenn es in der Welt Widerstände gibt. Am Abend seines Leidens denkt Jesus nicht an sich, was auch verständlich wäre, er betet für seine Freunde und somit auch für jeden von uns: „Für sie bitte ich ... für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir."
In dieser vertrauten Verbundenheit mit dem Vater findet Jesus die Kraft der Freundschaft zu den Menschen ohne Ausnahme, zu den Guten und Bösen, den Gerechten und Ungerechten. Die tiefe Einheit unter den Menschen ist eine Frucht der Einheit mit Gott, weil sie aus dem Geist hervorgeht, den Gott schenkt und nicht aus menschlicher Initiative. Ohne Einheit mit Gott gibt es keine Einheit unter den Menschen, davon war Patriarch Athenagoras überzeugt und betonte, dass eine Einheit der Welt nur durch eine Einheit mit Gott menschlich ist.
An diesem Sonntag vor Pfingsten ist dieses Evangelium ein großer Trost für uns, die wir Zeugen für das Osterevangelium sein sollen. Denn wir sind uns unserer Schwäche bewusst, wir kennen unsere Schwierigkeiten, miteinander in Einheit zu leben und nicht nur um uns selbst besorgt zu sein. Das Evangelium erinnert uns daran, dass Jesus auch für uns gebetet hat und weiter betet, weil seine Himmelfahrt kein Rückzug aus der Welt ist, sondern eine vertiefte und umfassendere Gegenwart. Je mehr wir daher spirituelle Menschen werden und die tiefe Einheit mit dem Herrn leben, umso mehr ist seine Liebe auch in uns lebendig und umso mehr können wir diese Liebe an die Mitmenschen weitergeben.
Deshalb sind auch wir aufgerufen, wie Jesus unsere Augen zum Himmel zu erheben. Dadurch erkennen wir die Menschen mit den Augen Gottes und verstehen, dass jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist, ein Ergebnis seiner Liebe. Jeder Mensch trägt einen göttlichen Funken in sich, den wir durch unser Zeugnis und die Weitergabe des Evangeliums wecken können, damit sich auch in ihnen diese Liebe entfaltet, die der Herr uns geschenkt hat. Diese Liebe hält Einzug in die Welt, wenn sich die Herzen der Jünger für sie öffnen. Dazu sendet der Herr den Heiligen Geist, die göttliche Kraft der Liebe, die nicht aus unserem Instinkt oder unseren Begabungen hervorgeht, sondern ein Geschenk von oben ist. Der Heilige Geist ist die Kraft, die uns in einer oft schwierigen und unmenschlichen Welt hilft, barmherzig und menschlich zu leben.
Jesus betont, dass wir Gottes Eigentum sind, und wer wird nicht das Eigene besser hüten und beschützen als Gott selbst? Wie die Verbindung von Vater und Sohn untrennbar ist, so ist auch die Verbindung von Vater und Sohn zu uns Jüngern untrennbar. Das Gebet Jesu enthält diese Zusage für unser Leben. Dankbar hören wir heute diese Worte und verstehen, dass wir manchmal zerstreut sind, weil wir nur schwer begreifen, wie gut uns das Gebet und das Hören auf das Wort Gottes tun. Denn das Gebet ist keine Pflicht des Jüngers, sondern eine Kraftquelle, die unglaubliche Energien freisetzt. Wie viel könnten wir bewirken und wie viel Schönes erleben, wenn wir diese spirituelle Verbundenheit vertiefen. Gerade diese Tage der Vorbereitung auf Pfingsten rufen uns auf, die Urgemeinde von Jerusalem nachzuahmen und einträchtig im Gebet vereint zu sein. Das ist ein Bild für unsere Zukunft, das ist unser Programm, wenn wir so wollen, um unser Leben und unsere Welt neu zu machen. Bitten wir daher den Herrn, dass er uns und der ganzen Welt seinen Geist in Fülle senden möge.