Liturgie des Sonntags

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31. Sonntag im Jahreskreis


Erste Lesung

Das Buch Deuteronomium 6,2-6

damit du dort den HERRN, deinen Gott, fürchtest, indem du alle seine Satzungen und Gebote, auf die ich dich verpflichte, dein ganzes Leben lang bewahrst, du, dein Sohn und dein Enkel, und damit du lange lebst. Deshalb sollst du hören, Israel, und sollst darauf achten, sie zu halten, damit es dir gut geht und ihr so unermesslich zahlreich werdet, wie es der HERR, der Gott deiner Väter, dir zugesagt hat: ein Land, wo Milch und Honig fließen! Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig. Darum sollst du den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Und diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.

Antwortpsalm

Psalm 18

Ich will dich rühmen, Herr, meine Stärke,

Herr, du mein Fels, meine Burg, mein Retter, mein Gott, meine Feste, in der ich mich berge, mein Schild und sicheres Heil, meine Zuflucht.

Ich rufe: Der Herr sei gepriesen!, und ich werde vor meinen Feinden gerettet.

Mich umfingen die Fesseln des Todes, mich erschreckten die Fluten des Verderbens.

Die Bande der Unterwelt umstrickten mich, über mich fielen die Schlingen des Todes.

In meiner Not rief ich zum Herrn und schrie zu meinem Gott. Aus seinem Heiligtum hörte er mein Rufen, mein Hilfeschrei drang an sein Ohr.

Da wankte und schwankte die Erde,
die Grundfesten der Berge erbebten. Sie wankten, denn sein Zorn war entbrannt.

Rauch stieg aus seiner Nase auf,
aus seinem Mund kam verzehrendes Feuer, glühende Kohlen sprühten aus von ihm.

Er neigte den Himmel und fuhr herab, zu seinen Füßen dunkle Wolken.

Er fuhr auf dem Kerub und flog daher; er schwebte auf den Flügeln des Windes.

Er hüllte sich in Finsternis, in dunkles Wasser und dichtes Gewölk wie in ein Zelt.

Von seinem Glanz erstrahlten die Wolken, Hagel fiel nieder und glühende Kohlen.

Da ließ der Herr den Donner im Himmel erdröhnen, der Höchste ließ seine Stimme erschallen.

Er schoß seine Pfeile und streute sie, er schleuderte Blitze und jagte sie dahin.

Da wurden sichtbar die Tiefen des Meeres, die Grundfesten der Erde wurden entblößt vor deinem Drohen, Herr, vor dem Schnauben deines zornigen Atems.

Er griff aus der Höhe herab und faßte mich, zog mich heraus aus gewaltigen Wassern.

Er entriß mich meinen mächtigen Feinden, die stärker waren als ich und mich haßten.

Sie überfielen mich am Tag meines Unheils, doch der Herr wurde mein Halt.

Er führte mich hinaus ins Weite, er befreite mich, denn er hatte an mir Gefallen.

Der Herr hat gut an mir gehandelt und mir vergolten, weil ich gerecht bin und meine Hände rein sind.

Denn ich hielt mich an die Wege des Herrn und fiel nicht ruchlos ab von meinem Gott.

Ja, ich habe alle seine Gebote vor Augen, weise seine Gesetze niemals ab.

Ich war vor ihm ohne Makel, ich nahm mich in acht vor der Sünde.

Darum hat der Herr mir vergolten, weil ich gerecht bin und meine Hände rein sind vor seinen Augen.

Gegen den Treuen zeigst du dich treu, an dem Aufrichtigen handelst du recht.

Gegen den Reinen zeigst du dich rein, doch falsch gegen den Falschen.

Dem bedrückten Volk bringst du Heil, doch die Blicke der Stolzen zwingst du nieder.

Du, Herr, läßt meine Leuchte erstrahlen, mein Gott macht meine Finsternis hell.

Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern.

Vollkommen ist Gottes Weg,
das Wort des Herrn ist im Feuer geläutert. Ein Schild ist er für alle, die sich bei ihm bergen.

Denn wer ist Gott als allein der Herr, wer ist ein Fels, wenn nicht unser Gott?

Gott hat mich mit Kraft umgürtet, er führte mich auf einen Weg ohne Hindernis.

Er ließ mich springen schnell wie Hirsche, auf hohem Weg ließ er mich gehen.

Er lehrte meine Hände zu kämpfen, meine Arme, den ehernen Bogen zu spannen.

Du gabst mir deine Hilfe zum Schild,
deine Rechte stützt mich; du neigst dich mir zu und machst mich groß.

Du schaffst meinen Schritten weiten Raum, meine Knöchel wanken nicht.

Ich verfolge meine Feinde und hole sie ein, ich kehre nicht um, bis sie vernichtet sind.

Ich schlage sie nieder; sie können sich nicht mehr erheben, sie fallen und liegen unter meinen Füßen.

Du hast mich zum Kampf mit Kraft umgürtet, hast alle in die Knie gezwungen, die sich gegen mich erhoben.

Meine Feinde hast du zur Flucht gezwungen; ich konnte die vernichten, die mich hassen.

Sie schreien, doch hilft ihnen niemand, sie schreien zum Herrn, doch er gibt keine Antwort.

Ich zermalme sie zu Staub vor dem Wind, schütte sie auf die Straße wie Unrat.

Du rettest mich vor zahllosem Kriegsvolk, du machst mich zum Haupt über ganze Völker. Stämme, die ich früher nicht kannte, sind mir nun untertan.

Sobald sie mich nur hören, gehorchen sie. Mir huldigen die Söhne der Fremde,

sie kommen zitternd aus ihren Burgen hervor.

Es lebt der Herr! Mein Fels sei gepriesen. Der Gott meines Heils sei hoch erhoben;

denn Gott verschaffte mir Vergeltung und unterwarf mir die Völker.

Du hast mich von meinen Feinden befreit,
mich über meine Gegner erhoben, dem Mann der Gewalt mich entrissen.

Darum will ich dir danken, Herr, vor den Völkern, ich will deinem Namen singen und spielen.

Seinem König verlieh er große Hilfe,
Huld erwies er seinem Gesalbten, David und seinem Stamm auf ewig.

Zweite Lesung

Der Brief an die Hebräer 7,23-28

Auch folgten dort viele Priester aufeinander, weil der Tod sie hinderte zu bleiben; er aber hat, weil er in Ewigkeit bleibt, ein unvergängliches Priestertum. Darum kann er auch die, die durch ihn vor Gott hintreten, für immer retten; denn er lebt allezeit, um für sie einzutreten. Ein solcher Hohepriester ziemte sich in der Tat für uns: einer, der heilig ist, frei vom Bösen, makellos, abgesondert von den Sündern und erhöht über die Himmel; einer, der es nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohepriester zuerst für die eigenen Sünden Opfer darzubringen und dann für die des Volkes; denn das hat er ein für allemal getan, als er sich selbst dargebracht hat. Das Gesetz nämlich macht Menschen zu Hohepriestern, die der Schwachheit unterworfen sind; das Wort des Eides aber, der später als das Gesetz kam, setzt den Sohn ein, der auf ewig vollendet ist.

Lesung des Evangeliums

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Markus 12,28b-34

Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden. Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr und es gibt keinen anderen außer ihm und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer. Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Gestern bin ich mit Christus begraben worden,
heute werde ich mit dir auferweckt, der du auferstanden bist;
mit dir bin ich gekreuzigt worden,
denke an mich, Herr, in deinem Reich.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Homilie

"Du bist nicht fern vom Reich Gottes", sagt Jesus zu jenem weisen Schriftgelehrten. Die Übereinstimmung zwischen Jesus und seinem Gesprächspartner betrifft das doppelte Gebot der Gottes- und Nächstenliebe. Diese beiden Gebote sind so eng miteinander verbunden, dass sie ein und dasselbe sind. Jesus ist derjenige, der mehr und besser als alle zu lieben vermag. Jesus liebt den Vater über alles. Überall im Evangelium tritt die ganz besondere Beziehung zwischen Jesus und dem Vater zutage. Sie ist der eigentliche Sinn seines Lebens. Die Apostel lernen aus diesem einzigartigen Vertrauen, das er in den Vater setzte und das in der zärtlichen Anrede "Abba", "Papa", gipfelt. Wie oft haben sie ihn sagen hören, dass es das einzige Ziel seines Lebens sei, den Willen des Vaters zu tun: "Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat ..." (Joh 4,34). Jesus ist wirklich das erhabenste Beispiel dafür, wie man Gott über alles liebt, und mit derselben Innigkeit hat er auch die Menschen geliebt. Dazu ist er "Fleisch geworden". In der Schrift lesen wir, dass Jesus die Menschen so sehr geliebt hat, dass er den Himmel, also die Fülle an Leben, Glückseligkeit, Überfluss und Frieden verlassen hat, um mitten unter uns zu sein. Sein Leben war wie ein Crescendo der Liebe und Leidenschaft für die Menschen, das im Opfer seines eigenen Lebens gipfelte.
Was aber heißt es, jemanden "zu lieben wie sich selbst"? Um das verstehen zu können, muss man Jesus ansehen, denn er kann uns zeigen, was es wirklich bedeutet, sich selbst zu lieben. Jesus, der diese Worte als Erster und von Grund auf gelebt hat, deutet an, dass das Glück darin besteht, die anderen mehr zu lieben als sich selbst. Das ist eine schwierige Aussage. Wer kann danach handeln? Die Antwort muss lauten, dass für Gott nichts unmöglich ist. Eine solche Liebe lernt man nicht von allein oder auf den Schulbänken der Menschen, im Gegenteil: An diesen Orten lernt man von klein auf, vor allem sich selbst und die eigenen Angelegenheiten zu lieben und sich gegen die anderen aufzustellen. Die Liebe, von der Jesus spricht, kommt von oben. Sie ist ein Gottesgeschenk, ja, sie ist Gott selbst, der kommt, um in den Herzen der Menschen zu wohnen. Die Sonntagsliturgie ist der günstigste Zeitpunkt, dieses große Geschenk der Liebe zu empfangen. Deshalb treten wir am Tag des Herrn mit froher Dankbarkeit zum Altar. Dann werden wir hören, dass, wie zu jenem Schriftgelehrten, auch zu uns wieder gesagt wird: "Du bist nicht fern vom Reich Gottes."