Vorabend des Sonntags

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Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird in Ewigkeit nicht sterben.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Habakuk 1,12-2,4

Bist du nicht seit Urzeiten, HERR, mein heiliger Gott? Gewiss werden wir nicht sterben! HERR, du hast sie dazu gerufen, an uns das Gericht zu vollziehen: Du, unser Fels, du hast sie dazu bestimmt, uns zu bestrafen. Deine Augen sind zu rein, um Böses mit anzusehen, du kannst der Unterdrückung nicht zusehen. Warum siehst du also den Treulosen zu und schweigst, wenn der Ruchlose den Gerechten verschlingt? Warum behandelst du die Menschen wie die Fische im Meer, wie das Gewürm, das keinen Herrn hat? Mit der Angel holt er sie alle herauf, er schleppt sie weg in seinem Netz und rafft sie fort in seinem Fischgarn; er freut sich darüber und jubelt. Deshalb opfert er seinem Netz und bringt seinem Fischgarn Rauchopfer dar; denn durch sie hat er reichen Gewinn und ein üppiges Mahl. Darum zückt er unablässig sein Schwert, um ohne Erbarmen die Völker zu morden. Ich will auf meinem Wachtturm stehen, ich stelle mich auf den Wall und spähe aus, um zu sehen, was er mir sagt und was ich auf den Vorwurf gegen mich antworten soll. Der HERR gab mir Antwort und sagte: Schreib nieder, was du siehst, schreib es deutlich auf die Tafeln, damit man es mühelos lesen kann! Denn erst zu der bestimmten Zeit trifft ein, was du siehst; aber es drängt zum Ende und ist keine Täuschung; wenn es sich verzögert, so warte darauf; denn es kommt, es kommt und bleibt nicht aus. Sieh her: Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben.

[Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart - Alle Rechte vorbehalten]

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen,
so spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Herr ist kein schweigender, stummer Gott wie die Götzen dieser Welt. Der Prophet überliefert folgende Worte Gottes: „Denn seht, ich stachle die Chaldäer auf, das grausame, ungestüme Volk" (Hab 1,6). Die Chaldäer, das Volk also, das Jerusalem zerstört und dem Reich Juda ein Ende gesetzt hatte, wird vom Herrn auserwählt, um die Gerechtigkeit einzusetzen. „Herr", sagt Habakuk, „du hast sie dazu gerufen, an uns das Gericht zu vollziehen: Du, unser Fels, du hast sie dazu bestimmt, uns zu bestrafen." Im ersten Teil der Weissagung beschreibt Habakuk die militärische Stärke der Chaldäer, denen niemand widerstehen kann. Sie sind „wilder als die Abendwölfe" (Hab 1,8), raffen mit Leichtigkeit Gefangene zusammen und erobern Städte und ganze Länder. Man könnte meinen, dass Gott mit Krieg auf Gewalt reagiert, das heißt, Gewalt mit Gewalt erwidert. Auch wenn der Krieg zur Zeit des Propheten als angemessenes Mittel galt, Unrechtssituationen aus der Welt zu schaffen, zeigt der Prophet doch seine Ambivalenz auf: Wie kann man Gerechtigkeit durch Gewalt verwirklichen? Er führt diese Debatte mit Gott selbst. Obwohl er dessen Gerechtigkeitssinn und Heiligkeit preist, hört der Prophet nicht auf, die Unmenschlichkeit des Krieges zu beschreiben und damit gleichsam Gott selbst anzuklagen, weil der ihn gewollt hat und das Unrecht immer noch hinnimmt: „Deine Augen sind zu rein, um Böses mit anzusehen, du kannst der Unterdrückung nicht zusehen. Warum siehst du also den Treulosen zu und schweigst, wenn der Ruchlose den Gerechten verschlingt?" Im Konflikt verlieren Männer wie Frauen das Bewusstsein ihrer Menschlichkeit und sind nur noch Feinde, die einander zerstören müssen. Wie oft entstehen Konflikte aus der Gier nach Besitz und Herrschaft über die anderen! Tatsächlich löst der Krieg das Problem der Gewalt nicht nur nicht, sondern verschärft es sogar. Der Wohlstand des Siegers verdammt ihn dazu, die Gewalt fortzusetzen. Deshalb ist der Krieg wahrhaftig der Vater aller Armut.