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Afrika nicht vergessen. Gemeinsamer Appell von Rissho Kosei-kai und Sant'Egidio

1 Juni 2021

Afrika
Covid-19Rissho Kosei Kai

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Die japanische buddhistische Laienvereinigung Rissho Kosei-kai und die Gemeinschaft Sant'Egidio richten einen Appell an die Religionen und Nationen der Welt, damit Afrika in der Covid-Not nicht vergessen wird und nicht ohne Impfstoffe bleibt.

Der Appell ist Teil eines konkreten Engagements und einer Zusammenarbeit für Afrika, die Rissho Kosei-kai und Sant'Egidio in der am 2. November 2016 unterzeichneten Vereinbarung erneuert haben und die eine Frucht des Geistes von Assisi, des Dialog der Religionen und Kulturen ist.


VERGESSEN WIR AFRIKA NICHT!
Rissho Kosei-kai
Gemeinschaft von Sant'Egidio
 
GEMEINSAMER APPELL (PDF-VERSION IT)

Seit mehr als einem Jahr erleben wir die unglaubliche Pandemie des Coronavirus als globales Phänomen auf der ganzen Welt. Wer hätte ein solches Ereignis vorausgesehen, das alle Menschen auf der Erde betreffen würde?
Bis heute gab es weltweit 2.700000 Todesfälle aufgrund von Covid-19. Darüber hinaus hat uns die globale Ansteckung gezwungen, uns von Anderen zu distanzieren, uns in unseren Häusern zu isolieren, uns vor Anderen zu schützen, uns fernzuhalten. Covid-19 hat die Lebensweise in allen Gesellschaften auf der ganzen Welt verändert: mehr Aufenthalt in geschlossenen Räumen, mehr Einsamkeit, mehr Faulheit. Vor allem die Schwächsten und die alten Menschen in den Heimen haben unter den Folgen zu leiden. Heute liegt ein Nebel über der Zukunft. Die Menschen sind müde, faul, traurig, reduziert auf ein individualistisches Leben.
Überall, im Osten wie im Westen, haben wir Leid und Schwierigkeiten gemeinsam erfahren, doch Afrika bleibt einer der Kontinente, der am meisten leidet. In der Tat haben die Menschen in Kontinenten wie Afrika neben Covid-19 schon immer unter Armut gelitten.  
Während sich in den reichen Ländern alle auf den Impfstoff stürzten, blieb er Afrika weitgehend vorenthalten.  
In diesem komplexen Lage setzt sich die Kultur des Individualismus wieder durch, noch mehr motiviert durch die schwierige Situation, in der wir uns befinden: "Du musst an dich, dein Land, deine Gemeinschaft denken!" Egozentrik scheint heute, mehr als ein Defekt, eine Notwendigkeit zu sein. Angst und Individualismus sind die Gefühle dieser Zeit. Das betrifft Individuen, aber auch Staaten, Nationen. Jeder ist in sich verschlossen, während andere als potenzielle Feinde angesehen werden, als Quellen der Ansteckung, vor denen man sich schützen muss.  
Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass es gerade in dieser schwierigen Zeit umso wichtiger ist, an andere zu denken und sich für andere einzusetzen. Die Pandemie hat deutlich gezeigt, wie viel Schaden eine egoistische Einstellung anrichtet, während die altruistische Einstellung heilt. Wenn nämlich nicht alle geimpft werden, ist das Risiko eines Wiederaufflammens der Pandemie (mit neuen Varianten) sehr hoch.
In diesem Fall wird Altruismus auch zu einer persönlichen Notwendigkeit, denn nur mit einer weltweiten Impfung werden wir das Virus wirklich besiegen können.  In diesem Rahmen haben die japanische buddhistische Laienvereinigung Rissho Kosei-kai und die internationale katholische Laienbewegung Sant'Egidio das gemeinsame Abkommen der Geschwisterlichkeit und der gegenseitigen Zusammenarbeit für Afrika erneuert, das sie am 2. November 2016 unterzeichnet haben und in dem sie entschieden erklären: "Wir sind zuversichtlich, dass wir 'Bruchstücke des Friedens' auf einem Planeten voller 'Bruchstücke des Krieges' aufbauen können, wie Papst Franziskus wiederholt erklärt hat".
Um unserem Engagement einen konkreten Sinn zu geben, appellieren wir heute an die Industrieländer, ihre Solidarität zu zeigen, indem sie das UN COVAX-Programm finanzieren und auch einen Teil ihrer Impfstoffreserven zur Verfügung stellen. Gleichzeitig fordern wir die Pharmakonzerne auf, zumindest vorübergehend die Möglichkeit zu gewähren, Impfstoffe für Afrika zu produzieren, ohne sich an Patentregeln halten zu müssen.
Wir sind der festen Überzeugung, dass es heute auch wegen der Tragödie von Covid-19 eines großzügigeren Engagements für Frieden und Solidarität in der Welt bedarf - und dies umso mehr für unsere Welt, die so sehr an der Pandemie des Individualismus krankt.  
Um unsere durch so viel Leid verwundete Welt zu heilen, ist es notwendig, die Kultur der Angst und des Individualismus zu überwinden und die KULTUR DER HINWENDUNG ZUM ANDEREN und die KULTUR DER SOLIDARITÄT wachsen zu lassen, denn - das ist jetzt ganz klar - NIEMAND RETTET SICH ALLEIN, WIR SIND ALLE IM SELBEN BOOT.  
Aus diesen Gründen, während wir unser tiefes persönliches Engagement für Afrika erneuern, richten wir mit Nachdruck den folgenden Appell an alle großen Religionen und alle Nationen der Welt:  
"LASST UNS AFRIKA NICHT VERGESSEN!"  
denn Afrika ist unsere Zukunft, Afrika ist die Zukunft der ganzen Welt!

Tokio / Rom, 1. Juni 2021

Rev. Kosho Niwano, designierter Präsident der Rissho Kosei-kai

Prof. Marco Impagliazzo, Präsident der Gemeinschaft Sant'Egidio