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Jetzt die Ansteckung der Zuwendung: an der Seite der alten Menschen für eine bessere Gesellschaft. Leitartikel von Marco Impagliazzo in Avvenire

12 Juli 2020

ÄLTEREMarco Impagliazzo

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Die Pandemia des Coronavirus wütet weiter jenseits des Ozeans, auf dem indischen Subkontinent, in Russland.
Eine dringende Frage stellt sich: Wie kann die zukünftige Welt gestaltet werden, denn wie Papst Franziskus an Pfingsten gesagt hat ist "schlimmer als die Krise nur die Tatsache, das Drama zu vergeuden".

Was muss uns nun die Krise lehren? Was sollte sie beseitigen? Zu den zahlreichen Schwierigkeiten unserer kranken Welt, die sich bis vor kurzem dessen nicht bewusst war und keine solchen Symptome zeigte, ist sehr deutlich die soziale Gebrechlichkeit der älteren Bevölkerung hervorgeteten, die mit besonderer Wucht den Tsunami voin Covid-19 erlitten haben. Aktuelle Veröffentlichungen besagen, dass in Italien fast 85% der Todesfälle durch das Coronavirus Menschen über 70 Jahren waren und über 56% Personen über 80 Jahren».

Eine Generation ist ins Schussfeld geraten. Sie hat den höchsten Preis bezahlt Sie hat die Folgen von einer unzusammenhängenden Verquickung von Schwäche, Einsamkeit und Ausgrenzung getragen. Ihnen schulden wir den Aufbau einer anderen Gesellschaft, die von einer Solidarität zwischen den Generationen geprägt ist, wie auch von einer guten Gesundheitsversorgung von von guten Lebensbedingungen aller Bevölkerungsgruppen.

Beim Angelus zum Hochfest der Apostel Petrus und Paulus beklagte der Papst das Leid «vieler alter Menschen, die von der Familie allein gelassen werden, als wären sie Abfall. Das ist ein Drama unserer Zeit: die Einsamkeit der alten Menschen».

Die Zeit nach der Pandemie muss dies überwinden, wenn wir wollen, dass das Erlebte nicht vergeblich war und unsere Welt nicht erneut der Täuschung erliegt, scheinbar gesund zu sein und den Bedürftigen notwendige Begleitung, Schutz und Freundschaft vorenthält.

Auf diesen Seiten hat am 3. Juli Mauro Leonardi auf die Notwendigkeit hingewiesen, "eine umfassende Versorgung aufzubauen. Jedes Wohngebäude, jede Pfarrei, jede Einrichtung sollte einen alten Menschen adoptieren. Es geht darum, Telefonanrufe zu erledigen, Einkäufe zu machen, Begleitung anzubieten, sowie zuzuhören und zu erzählen". Diesen Worten schließe ich mich an und erlaube mir, einen analogen Appell zu veröffentlichen. Denn die Einsamkeit ist immer mehr das Übel unserer Zeit, denn sie erschwert das Leben der weniger Selbständigen auch nach dem Ende der Pandemie. Dabei besitzen wir in dieser Hinsicht schon einen Impfstoll und eine Behandlungsart. Der Impfstoff sind wir, wenn wir uns bemühen, den Riss zwischen den Generationen zu heilen; die Behandlung sind unsere Worte, unsere Hände, wenn wir den älteren Mitmenschen Zeit und Aufmerksamkeit schenken.

Auf dieses Virus, das das Zusammenleben der Völker und Einzelnen geschädigt hat, das das Leben eingeschränkt und dann physische Distanzen geschaffen hat, muss mit einer ähnlichen Ansteckung eines gemeinsamen Schicksals und einer gelebten Sensibilität geantwortet werden, wie auch mit einem Verständnis für die gegenseitige Abhängigikeit, was das Vorgehen und die Ziele betrifft. Im Nachklang eines Albtraums von überfüllten Intensivstationen mit der Gefahr, entscheiden zu müssen, wer leben darf und wer sterben muss, ist es notwendig, dass jeder zum Mitarbeiter eines "Feldlazarettes" wird, zu Männern und Frauen mit der Fähigkeit, eine Therapie anzuwenden, die Leben rettet, nämlich die Erinnerung, der Einsatz, die Zuwendung, die Begegnung. Denn die Ereignisse dieser Monate, so hat Kardinal Matteo Zuppi geschrieben, "zwingen uns, unsere Trägheit, Gewohnheit und Faulheit abzulegen und in die Peripherie zu gehen", auch in die Peripherie des Lebens, an den äußersten Rand der Existenz, den wir hoffentlich alle erreichen und den wir uns als eine Zeit voller Reichtum und Lebensfreude wünschen, wie zudem jeden Lebensabschnitt. Wenn die Pandemie uns derart erschüttert, dass sie uns das Bewusstsein schenkt, dass "wir uns in demselben Boot befinden" und dass in der Sorge um die alten Menschen uns letztlich "alle gemeinsam" retten und damit auch die ganze Menschheit, dann haben wir dieses Drama nicht umsonst durchgestanden. Wir werden besser sein und auch stärker in dieser "geschichtlichen Epoche", die wir durchleben.