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04/12/2016
Liturgie des Sonntags

Das tägliche Gebet


 
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4 Oktober 2010 09:30 | Casal del Metge - Sala d'Actes

Barcelona 2010 - Intervention of Jaron Engelmayer



Jaron Engelmayer


Rabbiner, Israel
Unentgeltlichkeit im Zeitalter der Marktwirtschaft
 
„Jede Generation hat ihre Herausforderung“, sagen unsere Weisen. Zweifelsfrei gehört das Denken einer konsumorientierten Gesellschaft zu den Herausforderungen unserer Zeit. Herausgefordert werden durch dieses Denken die Werte – sowohl die menschlichen, als auch die g“ttlichen.  
Zugespitzt lässt sich die heutige Situation des westlichen marktwirtschaftlichen Denkens wohl kaum treffender als mit den Worten von Dr. Jürgen Wilhelm, dem Vorsitzenden der Christlich-Jüdischen Gesellschaft in Köln, anlässlich der Woche der Brüderlichkeit ausdrücken: 
„`Ich kaufe, also bin ich`. Der Mensch wird zunehmend auf seine Rolle als Konsument und auf seine ökonomische Nützlichkeit reduziert. Die Marktkriterien gelten schon lange nicht mehr nur für ökonomische Bereiche, sondern sie haben sich mitttlerweile zum allumspannenden Kriterium sozialen, kulturellen und politischen Zusammenlebens entwickelt. Dies wird kaum noch kritisch hinterfragt, und der ungezügelte Markt gilt vielen als Ideal, zumindest aber wird er immer mehr als alleiniger Gradmesser verstanden… Jedes Gespräch, Liebe, Spiel, Zärtlichkeit (…) ist eine Ware, die jemand zum Tausch anbietet. Jeder Mensch führt mit jedem anderen (…) ein Beziehungskonto – eine Perversion des Denkens!“
Übersetzt in die satirische Sprache des Schriftstellers Ephraim Kishon findet sich diese Mentalität auch in folgendem Beispiel wieder: Mit dem Trinkgeld und dessen Höhe erkauft sich der Kunde die Gunst und das wohlwollende Lächeln des Dienstleisters. 
Über Frau Pollak von Parnegg, eine Neureiche aus dem Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts, erzählt eine Anekdote, daß ihr Ehemann ihr beim Besuch einer Gemäldegalerie gesagt haben soll: „Wenn dich ein Bild anspricht, dann sag`, es ist wunderschön, bezaubernd, kunstvoll – aber bitte nicht unentwegt: unbezahlbar!“
Und wie steht es mit der Unentgeltlichkeit im Judentum? Gibt es `unbezahlbare`Dinge? Kann und soll alles mit Geld aufgewogen werden? Welche Rolle spielen Geld und Vermögen? In welcher Relation stehen sie zu anderen Werten? Sind sie an sich überhaupt als positiv oder als negativ zu bewerten?
Zu Geld und Vermögen finden wir in den jüdischen Quellen mannigfachen und auch vielfältigen Bezug. Zuerst einmal können wir aber eindeutig feststellen, was wohl kaum als Überraschung gelten kann: „Geld ist nicht alles.“ So richtet König David in den Psalmen seine Worte wider diejenigen, welche anderer Auffassung sind (49, 7-18): „Die auf ihr Vermögen vertrauen, und mit ihres Reichtums Fülle sich rühmen… ihr Sinn ist, ihre Häuser seien für die Ewigkeit, ihre Wohnungen für alle Geschlechter… aber der Mensch im Glanze hat nicht Bestand, er gleicht dem Vieh, dem stummen. Schafen gleich wandern sie in die Gruft… denn bei seinem Tode nimmt er nichts mit von allem, nicht sinkt ihm nach sein Gut!“ Auch in der mündlichen Lehre, in den Sprüchen der Väter, wird diese Einsicht bekräftigt. Dort (6, 9) wird Rabbi Jose gefragt, ob er nicht um hohen Lohnes willen seinen Wohnort wechseln und an neuem Orte die Torah unterrichten möchte. Seine Antwort ist eindeutig: „Auch wenn Du mir alles Silber, Gold, Edelsteine und Perlen der Welt gibst, werde ich nur an einem Ort der Torah wohnen! So steht es im Buch der Psalmen: (119, 72) `Die Lehre Deines Mundes ist mir lieber als Tausende von Gold- und Silberstücken`. Nicht nur dies, sondern in der Stunde, da der Mensch stirbt, begleiten ihn kein Silber und kein Gold… sondern nur (die Weisheit der) Torah und gute Werke allein…“
Fazit: Geld darf nicht überbewertet werden! Es begleitet uns nicht in die zukünftige Welt, es bindet die Seele nicht an die Ewigkeit. Überhaupt darf das Geld nicht als Zweck, sondern nur als Mittel gesehen werden. Die jüdischen Schriften warnen mehrfach davor, Reichtum als Lebensziel und –inhalt anzusteuern. Im Buche der Prediger beschreibt König Salomon, wie auch das Streben nach Wohlstand, Reichtum und auch nach irdischen Genüssen der Vergänglichkeit und Nichtigkeit des irdischen Seins anheim fällt (Kapitel 2). Darüber hinaus mündet das Streben nach Reichtum in eine endlose und unbefriedigende Jagd nach mehr: (5, 9) „Wer Geld liebt, wird des Geldes nicht satt“. Auch zieht Vermögen Nachteile nach sich, wie in den Sprüchen der Väter konstatiert: „Wer Vermögen mehrt, mehrt die Sorge“.
Andererseits muss hier betont werden, daß das Judentum im Besitztum an sich nichts Negatives sieht, sofern in richtigen Relationen gehalten und zu guten Zwecken verwendet. Ein Erwerb in Würde und Ehre und ein klares und geregeltes Einkommen sind nicht nur fester Bestandteil unser täglichen Gebete und der speziellen Bittgebete zu Beginn jedes jüdischen Monates und Jahres, sondern auch eine konkrete Anweisung in der Kindererziehung – den eigenen Kindern ein gutes Gewerbe beizubringen. Viele der Gebote der Torah lassen sich erst dann erfüllen, wenn man etwas besitzt, woran sich die Gebote erfüllen lassen: ein Getreidefeld für Abgaben an die Priester, Fruchtbäume für Abgaben an die Armen, ein Haus für Sicherheitsvorkehrungen wie Dachgeländer und Anbringen einer Mesusa, einen Bauernhof für Viehabgaben und Einhalten der Tiergesetze, ein Kleid für Verbote der Stoffdurchmischung und für das Anbringen der Schaufäden, Geld für Wohltätigkeit, etc. um nur einige Beispiele zu nennen.
Verschiedene Gebote und Gesetze erinnern uns daran, daß Besitztum und Vermögen nicht zum Lebensziel und  -inhalt pervertieren dürfen. Die oben schon erwähnten Abgaben sind oft in der Torah mit der Mahnung verknüpft, daß G“tt der Ewige, oder genauer gesagt der Ursprung alles Seins ist. Noch expliziter finden wir dies im Zusammenhang mit dem Gebot, jedes siebente Jahr die Feldarbeit ruhen zu lassen, mit der Begründung: (Leviticus 25, 23) „denn Mir gehört das Land, denn unbeständige Einwohner seid ihr bei Mir“. Wir sollen stets daran erinnert werden, daß G“tt uns zum Verwalter über Sein Gut gemacht hat, wenn wir etwas zu besitzen denken, mit den damit verbundenen Auflagen, wie z.B. die Seinigen – die Bedürftigen – stets zu berücksichtigen.
Besonders stark kommt dies in folgendem Gesetz zum Ausdruck: An Schabbat ist es uns Juden verboten, Feuer zu löschen. Dies ist auch dann der Fall, wenn das eigene Haus in Brand steht! Das Haus soll eher abbrennen, als daß dieses Verbot übertreten werde! Praktiziert wird dieses Gesetz in der Regel nicht so, da bei einem Brand auch oft wenigstens indirekt Leben in Gefahr kommt, was das Löschen des Brandes rechtfertigt. Jedoch allein die Existenz dieses Gesetzes und die Möglichkeit, daß ein Hausbesitzer tatenlos zusehen müsste, wie sein eigenes Haus bis auf die Grundmauern niederbrennt, ohne eingreifen zu können, nur um des Einhaltens der Schabbatgesetze willen, zeigt uns die Vorgabe der Religion: Selbst das Einhalten eines einzelnen Schabbatgesetzes kann den Wert unseres gesamten Vermögens übersteigen! 
Im zwischenmenschlichen Bereich lässt sich dieses Prinzip schön anhand der folgenden Gebote verdeutlichen. Die Torah befiehlt, daß wir uns nicht rächen und nichts im Herzen bewahren dürfen (Leviticus 19, 18). Was ist damit gemeint? Erklären unsere Weisen (Kommentar Raschis zur Stelle): Nehmen wir an, Nachbar „A“ möchte sich von Nachbar „B“ eine Axt ausleihen. Dieser jedoch verwehrt ihm seine Bitte und ist nicht bereit, ihm die Axt zu geben. Am nächsten Tag kommt Nachbar „B“ zu Nachbar „A“ und möchte sich von ihm eine Schaufel ausleihen. Verständlicherweise ist es des Menschen Natur, wie folgt zu reagieren: `Du wolltest mir gestern die Axt nicht ausleihen, also werde ich dir die Schaufel auch nicht ausleihen`. Diese Reaktion verbietet die Torah, es geht unter das Verbot der Rache. Nachbar „A“ muss also Nachbar „B“ trotz dessen Verweigerung am Tage zuvor die Schaufel ausleihen. Aber nicht nur das. Die Torah verbietet Nachbar „A“ auch, Nachbar „B“ dabei noch folgende Botschaft zukommen zu lassen, während er ihm die Schaufel überreicht: `Sieh her, ich bin nicht so wie du. Du hast mir deine Axt verweigert, ich aber gebe dir meine Schaufel…` Dies verbietet die Torah mit der Anweisung, sich nichts im Herzen zu bewahren! Doch wie kann die Torah vom Menschen solche Grösse und Erhabenheit, solche Selbstbeherrschung der natürlichen Gefühle verlangen? Ist es nicht rechtens, den Nachbarn wenigstens auf sein Vergehen hinzuweisen? 
Die Antwort liegt in den obigen Ausführungen und dem Titel dieses Panels: Unentgeltlichkeit. Einem Nachbarn eine Wohltat zu erweisen, ihm etwas auszuleihen, und damit die freundschaftlichen Bande und die Verbindung der Herzen zu stärken, diese Tat ist in sich so gut, daß sie unentgeltlich ist. Es geht dabei nicht um die Grösse des Gefallens und um den Betrag, mit dem ausgeholfen wird. Es geht dabei um etwas viel Grösseres – um Herzensgüte! Diese Herzensgüte soll Teil unserer Persönlichkeit sein und uns mit unseren Mitmenschen bedingungslos verbinden. Nur so kommen wahre Beziehungen zwischen Menschen zustande: durch bedingungslose Herzensgüte – man nennt es auch Liebe… Wenn diese vorherrscht, dann spielt es für das Verhalten des Nachbarn keine Rolle, ob sich der andere Nachbar tags zuvor genau umgekehrt verhalten hat, denn das ist des anderen Problem. Der Andere hat noch nicht verstanden, welche Lebensqualität er persönlich dadurch verliert, daß er sich diese Herzensgüte noch nicht angeeignet hat. Der beste Weg für ihn, dies zu verstehen, ist der Weg des vorbildlichen Verhaltens. Wenn er sieht, daß trotz seines eigenen Fehlverhaltens seinem Wunsch ohne Wenn und Aber bedingungslos und von Herzen kommend entsprochen wird, wird er hoffentlich den Unterschied und sein eigenes Defizit selber daraus ableiten können.
Die Religion hat der heutigen Generation wichtige Erkenntnisse zu vermitteln, um Werte wieder über wirtschaftliches Denken zu stellen. Wollen wir einer intakten und besseren Welt entgegengehen, stabil und zukunftsorientiert, sollten wir von uns diesen Lehren inspirieren und leiten lassen.
Eine Anekdote, die dieses Thema passend zum Abschluss abrunden kann: Ein Mann kommt zum bekanntesten Herzspezialisten der Stadt, um sich von ihm behandeln zu lassen. Nach erfolgreich vollendeter Behandlung wird dem Patienten eine saftige Rechnung präsentiert, worauf dieser gesteht, daß er bettelarm sei und nicht einmal den Bruchteil dieser Rechnung bezahlen könne. Der Arzt reagiert ungehalten und erbost: `Wieso kommen Sie dann ausgerechnet zum teuersten Spezialisten der Stadt?` Darauf entgegnet ihm der arme Schlucker: `Wissen Sie, für meine Gesundheit ist mir nichts zu teuer…`            
 

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Barcelona 2010

Botschaft von Papst Benedikt XVI.

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