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19 September 2016 09:30 | Sacro Convento, Sala Romanica

Rede von Jaron Engelmayer



Jaron Engelmayer


Rabbiner, Israel

Vor über 50 Jahren wurde das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum neu definiert und auf eine völlig neue Grundlage gestellt. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und dem Edikt Nostra Aetate wurde das Tor zu einem echten Dialog zwischen den beiden Religionen geöffnet – zu einem ehrlichen Austausch auf Augenhöhe! Mit den Friedenstreffen der Gemeinschaft St. Egidio findet diese Form von Dialog einen besonders gelungenen Ausdruck, das Dreissig-jährige Jubiläum bietet also einen guten Grund zum Feiern! Denn in dieser Zeit wurden aus dem Dialog vielfache Freundschaften, die Kräfte des Friedens und der Harmonie in der Welt wurden bedeutend gestärkt und mit einem weiteren Beweis wurde belegt, dass mit gutem Willen ein hoffnungsvoller Weg in die Zukunft gegangen werden kann!

Miteinander reden ist hierfür eine wichtige Grundlage, jedoch kann auf verschiedene Weise miteinander geredet werden. Da gibt es zum Beispiel die Geschichte einer Frau, welche gerne redet und ihren Ehemann kaum zu Wort kommen lässt. Die Frau wird krank und der Doktor muss geholt werden. Dieser holt ein Fieberthermometer hervor und steckt es der Frau in den Mund, worauf einige Minuten Ruhe eintritt. Der Ehemann ist völlig erstaunt und fragt den Doktor interessiert: "Sagen Sie, wo kann man ein solches Gerät bitte kaufen?"

Hier soll es aber um eine andere Form des Redens gehen, des Redens miteinander, des Dialoges. 

Doch was bedeutet eigentlich Dialog? Wie ist er zu definieren, was sind seine Ziele?

Eine interessante Quelle hierfür finden wir in den Sprüchen der Väter, 3,3: „Sitzen zwei zusammen und sprechen über Worte der Tora, so ist G“tt gegenwärtig, wie es heißt: (Malachi 3,16) `G“ttesfürchtige besprechen sich, einer mit dem anderen, denen wendet sich G“tt zu…`“ Unser Augenmerk sollte sich auf das sonst so nicht üblich verwendete Wortנדברו – sich besprechen - richten, denn üblicherweise sollte es דיברו – sie sprechen zu einander – heißen. Was die beiden Wortformen von einander unterscheidet ist die Art und Weise des Miteinander-Sprechens: Man kann zuhören, um sprechen zu können, man kann aber auch sprechen, um zuhören zu können. In einem Gespräch, gerade wenn es um Informations- und Meinungsaustausch geht, kann es den Teilnehmern darum gehen, zu den anderen zu sprechen, gehört zu werden, „ledaber“. Ein solches Gespräch kann als zweiseitiger Monolog, oder Monolog mit zwei Teilnehmern, bezeichnet werden. Wie etwa der Dialog, welcher sich heutzutage zwischen einem Vater und seinem zehnjährigen Sohn ergibt, wenn der Vater sagt: "Sohn, ich möchte mit dir sprechen. Die Zeit ist gekommen, um über die Wirklichkeit des Lebens etwas zu erfahren." Worauf der Sohn antwortet: "Gerne Vater, was möchtest du denn wissen?"

Ein wahrer Dialog entsteht, wenn es den Teilnehmern darum geht zuzuhören, den anderen und seine Ansichten und Meinungen wahrzunehmen und wirklich verstehen zu wollen. Beim Tora-Studium ist dies die unablässige Bedingung zur Wahrheitskristallisierung und –findung: der Austausch zweier Verständnisse, die Verschmelzung zweier Gehirne, um die Worte G“ttes richtig verstehen zu können – erst dann wird G“tt sich den Tora-Lernenden zuwenden. Deswegen ist die klassische Form des Tora-Studiums die „Chewruta“, das Lernen zu zweit. Übrigens, zur Ergänzung: Nur bei G“tt heißt es in der Tora (4. Buch Moses, 7, 89), daß G“ttes Stimme „middaber“ (und nicht „medaber“) quasi mit sich selber sprach, „Eigen-Monolog“ führte, und Mosche (Moses) daran teilhaben ließ, denn nur G“tt ist nicht darauf angewiesen, von einem Dialogpartner bereichert oder ergänzt zu werden.

Wie sah es nun in der Realität mit dem christlich-jüdischen Dialog aus?

Der Eintritt in den christlich-jüdischen Dialog jüdischerseits entspringt zunächst grundlegenden Bedürfnissen. In Europa als jüdische Minderheit während ca. 1,5 Jahrtausenden in einer christlichen Mehrheitsgesellschaft zu leben war nicht immer einfach, um es gelinde auszudrücken

Eine große Wende erlebte dieses Verhältnis mit dem zweiten Vatikanischen Konzil und der Erklärung „nostra aetate“. Mit der Anerkennung des Judentums durch die katholische Kirche als legitime Religion, welche einen eigenen Heilsweg zu G“tt hat, ebnete sie den Weg zum wirklichen Dialog, der von nun an die früher üblichen Dispute zwischen Juden und Christen ablösen sollte. Für die jüdische Seite wird mit diesem bedeutenden Schritt ein im Mittelalter kaum denkbares Bedürfnis Wirklichkeit: Von der Kirche respektiert und anerkannt zu werden und ihr theologisch auf Augenhöhe begegnen zu können! Diese Voraussetzungen sind notwendig für einen wirklichen Dialog!

Darüber hinaus entwickelte sich in letzter Zeit aber auch ein ehrliches Interesse christlicherseits am Judentum, um darin die Wurzeln des Christentums zu entdecken, besser verstehen und sich selber besser definieren zu können!

Diese Entwicklungen bieten eine völlig neue, von jüdischer Seite lang ersehnte und sehr willkommene Ausgangssituation und stellen die christlich-jüdischen Beziehungen auf eine ganz neue Basis.

Zwei Dinge sollten beim christlich-jüdischen Dialog besonders berücksichtigt werden, um diese Erfolgsgeschichte fortzusetzen. Neben Gemeinsamkeiten der beiden Religionen treten oft die Unterschiede deutlich zutage – diese anzuerkennen und zu akzeptieren ist eine wichtige Voraussetzung für den aufrichtigen Dialog. Ebenso wichtig ist die Anerkennung einer gewissen Asymmetrie: Nicht immer kann für den einen gelten, was für den anderen gilt. Zum Beispiel: Das Christentum hat seine Wurzeln im Judentum, nicht aber umgekehrt. Dies hat zur Folge, daß das Christentum ein besseres Selbstverständnis anhand des Judentums entwickeln kann. Diese Abhängigkeit besteht aber nicht zwingend in Umkehrfolge: Das Judentum hat ein Selbstverständnis, welches nicht von der christlichen Sichtweise abhängt. Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen: Christen können an jüdischen G“ttesdiensten teilnehmen, im Umkehrschluss ist für Juden aber die Teilnahme an christlichen G“ttesdiensten nicht möglich. Ein Umstand, mit dem die Gemeinschaft St. Egidio sehr respektvoll und würdig umgeht und schöne Wege gefunden hat, Zeremonien trotz Beschränkungen gemeinsam begehen zu können.

Der Respekt vor einander, die Zulassung und Akzeptanz verschiedener Meinungen und Auffassungen sind die Voraussetzungen nicht nur für einen aufrichtigen Dialog, sondern auch für eine wahre Freundschaft. Auch der Dialog selber, der Wunsch nach Austausch und das echte Interesse am anderen, sind Voraussetzungen für eine wahre Freundschaft, welche aus ihr erwächst. Dies können wir dem oben schon erwähnten Zitat entnehmen: „G“ttesfürchtige besprechen sich, einer mit seinem Freund…“ – durch das Sich-Besprechen entsteht die Freundschaft!

Die Gemeinschaft der St. Egidio begeht diesen Weg mit visionärem Mut und bereitet mit der Schaffung eines Forums für einen echten Dialog auch die Voraussetzungen für eine Vielzahl interreligiöser Freundschaften, welche hoffentlich zur gemeinsamen Harmonie und Frieden einen bedeutenden Beitrag leisten können.  

 

#peaceispossible #thirstforpeace
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