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12 September 2011 09:00 | Künstlerhaus am Lenbachplatz, Clubräume

Die Stadt – Ort der globalen Begegnung - Jürgen Linden



Juergen Linden


Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, Deutschland

Aachen ist eine ganz normale deutsche, europfflsche Stadt: knapp unter 300.000 Einwohner, 40.000 Studenten, ein Auslkideranteil von 13 % aus insgesamt 170 Nationen. Die griibte auslkdische Kolonie sind die TUrken.

Wir haben Industrie, viel Handel und Dienstleistungen, gute Universitten und Bildungseinrichtungen, einen Schwerpunkt by automotive, Maschinenbau und neuen Werkstoffen, aber auch knapp Uber 9 % Arbeitslosigkeit.
Vor 20 Jahren kannte kelner den Begriff „Globalisierung". Heute ist diese Globalisierung lkigst bei uns angekommen.

Erstens ist unsere Welt — wie Uberall bunter- und vielschichtiger geworden; der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund betrgt — ohne dass es gemessen ist — mindestens ein Viertel der Gesamtbevitilkerung.

Neben europMschen Firmen haben wir chinesische, indische, anderweit asiatische Firmen vor Ort, ~wend Aachener Firmen ihre Niederlassungen in den USA, Lateinamerika oder Asien haben.

Die Schaufenster des Handels sind voll von Produkten aus aller Welt.
Die Hochschulen haben Niederlassungen in Thailand und Oman, Partnerschaften in mehr als 60 Undern und natUrlich Wissenschaftler, die wandern, lehren und forschen. Die Stadt, auch die Region, kknpft um Niederlassungen und ArbeitsplMze, Grobereignisse und kluge Kepfe, um Nischen in Kultur, Sport oder Bildung.
Die Gesamtregion steht im Wettbewerb zu anderen Regionen, die Herausforderungen haben sich durch die Globalisierung verschkft.

Wir wissen, dass Europa heute eine andere Rolle in der Welt einnimmt, als noch zu meiner Kindheit, dass vor allem in der asiatischen Welt ein unglaublicher Hunger, grober Ehrgeiz, auch dynamische Zielstrebigkeit vor allem bei jungen Leuten besteht, dass man dort mehr Freiheit und Wohlstand wilt und dafUr hart arbeitet.
Wir wissen in unserer Mittelstadt auch, dass man anderen Orts im Gegensatz zu uns viel mehr Menschen hat.
Die Globalisierung ist in jedem Winkel angekommen und nicht mehr umkehrbar.
Diese Tatsache spaltet jedoch die Bevölkerung. Die eiven wollen zurück in die Renationalisierung, wollen sick lokai oder regional abschotten gegen alles Fremde, meiven Grenzen schlieben, Menschen fernhalten und Wirtschaft meiden zu Konnen.
Sie werden unterstützt von einem innereuropâischen Trend, der in der Finanzkrise des Bundnisses den Irrweg von der Globalisierung zu erkennen glaubt, der aber auch durch den Metropolisierungstrend in Europa eine Bedrohung fur die mittleren und kleinen Stadte, die landlichen Rume erkennt.
Dem gegenüber steht die andere grobe Gruppe, die auch in unserer Stadt in den Herausforderungen der Globalisierung die grobe Zukunftschance entdeckt — Leute, die Geschifte machen, Menschen, die die Kultur bereichert sehen.

Emotional ist es schwierig, diese Auseinandersetzung zu fhren. Argumentativ gibt es zur Globalisierung keine Alternative.

Entscheidend ist aus meiner Sicht die Lebensqualitât für die Menschen. Die soziale Frage ist in dieser Zeit die entscheidende Weichenstellung.
Integration ist das Schlüsselwort der Ietzten 5/6 Jahre. Wir tun in den Stadten dafr eine ganze Menge. Messbar ist der Erfolg jedoch leider nur in kleinen Schriften. Deshalb muss dieses Thema eine noch hôhere Prioritât bekommen.
Bei der Arbeitslosigkeit ist der Auslânderanteil überproportional hoch.
Bei der Zahl der geringiügig BescMftigten ist er ebenfalls ilberproportional hoch.
Bei der Inanspruchnahme von Sozialleistungen und anderen Sozialtransfers betrgt der Ausdnderanteil fasst 1/3 der Gesamtbezieher.
Bei der Mheren Bildung sind Kinder aus Migrationsfamilien deutlich unter 10%.

Selbst im Kindergarten oder im U3-Bereich sind Ausdnderkinder prozentual weniger als der gesamte Ausllideranteil.
Wenn der Schlssel zur Ltisung Bildung heibt, ist es allerdings dort anzusetzen.
Bildung ist Voraussetzung kir die WettbewerbsfMigkeit der Unternehmen, fik die Internationalisierung der Wissenschaft, fr gute Standortbedingungen einer Stadt oder Region in der Konkurrenz zu anderen.
Frhkindliche Erziehung, Odagogische Qualitt in den KinderOrten und besondere FOrderung in den Schulen sind Erkenntnisse, die wir heute schon in der Politik haben und auch umsetzen. Vermutlich wird es allerdings eine Generation dauern, ehe Erfolge eintreten.
Darber hinaus brauchen wir SolidaritM. SolidaritM ist mehr als nur eine Lebensphilosophie. Es ist eine Investition in die Zukunft. Denn soziale Gerechtigkeit ist eine Grundvoraussetzung, dem 'deal von Frieden und Freiheit in der Welt naher zu kommen, Menschenwrde weltweit, auch bei uns vor Ort herzustellen.
Ein soiches Projekt ist fr Politik vielieicht neu. Es bedart aber ihres Engagements und ihrer Vereinbarungen, vor allem der Umsetzung. Das Projekt braucht allerdings auch die Oberzeugung, das Bewusstsein der Menschen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen und beruflichen Funktionen, und auch ein bisschen Leidenschaft. Es braucht einfach Idealismus. Wie illusorisch und theoretisch das auch fr manche Ohren klingen mag, man muss es praktizieren.


München  2011

Botschaft
von Papst
Benedikt XVI


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