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12 September 2011 09:00 | Residenz, Vier-Schimmel-Saal

Das Gebet als quelle des Friedens-Rabbiner Apel



Avichai Apel


Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Frankfurt/Main, Deutschland

Verheerter Geistliche,  
Sehr geehrter Damen und Herren
Vier  wichtige Hauptgebete werden mit der Hoffnung auf  Frieden beendet:
- Das Stille Gebet -Schmone-Esre, das sich in der Mitte unserer Gebete befindet, endet mit die Wörter- Gelobt seist du Schöpfer des Friedens.
- Das Kadisch- Gebet, das während des Gebetes mehrmals wiederholt, und nach dem Tod eines Menschen gelesen wird, endet mit die Wörter-
 Der Frieden stiftet in seinen Höhen, er Stifte Frieden für uns und für Ganz Israel….
- Der priesterliche Segen endet mit die folgende Wörter –
Der Ewige wende Sein Angesicht dir zu und gebe dir Frieden. 
-    Auch das Tischgebet endet mit der Hoffnung auf Frieden-
-    Der Ewige gibt Seinem Volke Kraft, der Ewige segnet Sein Volk mit Frieden.

Warum spielt der Frieden eine solch zentrale Rolle in unseren Gebeten?
Es gibt mit Sicherheit weitere wichtige Werte, die im Zentrum des Gebets stehen könnten.
Um den Frieden zu verstehen, gibt Es einige Möglichkeiten,.

Im 1. Buch Moses können wir über eine Spannende Situation  lesen. Abraham kommt mit seiner Familie und sucht nach einem Wohnsitz in dem Ausgewählten Land.
Dass Land aber hatte nicht genügend Platz für die Herden und Vieh von Lot und von Abram zusammen.  Die Hirten begannen sich darüber zu streiten. Dann schlug Abraham Lot folgendes vor:„Da sprach Abram zu Lot: Nicht doch sei Gezänk zwischen mir und dir, und zwischen meinen Hirten und Deinen Hirten, denn Verbrüderte sind wir. Ist nicht das ganze Land vor dir? Trenne dich doch von mir! Wenn zur Linken, so will ich mich rechts halten, wenn zur Rechten, so will ich mich links halten." (1. Mose, 13, 8-9).
Hinter diesem Vorschlag steht nicht der Wille zu einem besseren gemeinsamen Leben, sondern die Absicht,  Streit zu verhindern. Der Vorteil dieses Vorschlags ist es, dass die räumliche Trennung der Parteien für Ruhe sorgen wird. Aber der Nachteil fällt sofort auf: Es wird nicht versucht, die eigentlichen Differenzen zu beseitigen sondern sie zu umgehen.
Dazu könnten die Wörter des Propheten Jeremias passt:
 „Frieden, Frieden! Und doch ist kein Frieden.“(Jirmijahu 6,14)



Man kann den Frieden auch anders verstehen.
Sagt Rabbi Jehoshua Hagadol:   Der Name G'ttes ist Schalom-Frieden (Masechet Derech Eretz Kapitel Shalom Halacha 11).
Namen beschreiben dem Inhalt von dem was vor uns steht. G'tt wird uns durch seinen weiteren Namen „Frieden“ offenbart.
Schalom-Frieden bedeutet nicht, keinen Streit zu haben, sondern die Vollkommenheit zu erreichen. G'tt ist die absolute Vollkommenheit. Wenn wir an den einzigen G'tt glauben, glauben wir daran, dass er der Schöpfer ist und von ihm die ganze Welt stammt.
Bereits seit Beginn der Schöpfung kann man  die Dualität unter den Geschöpfen beobachten. "Im Anfang schuf G'tt den Himmel und die Erde".
Reicht es nicht aus, nur eines davon zu schaffen? Dann würden wir auf der Erde ohne Himmel leben oder umgekehrt? Es scheint aber nicht so zu sein. Man braucht doch zwei getrennte Geschöpfe, die sich ergänzen. Auch bei der Schöpfung des Menschen sagt G'tt „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ und deshalb schuf er die Frau und definiert unserer Vollkommenheit durch das zusammenleben: „und hängt an seinem Weibe und sie werden zu einem Fleisch.“
Der Schöpfer schuf die unterschiedlichen Geschöpfe nicht, um Spannungen zwischen ihnen zu haben, die am Ende Kriege hervorrufen können. Sondern er schuf die unterschiedlichen Geschöpfe, damit jedes der Geschöpfe aus seiner Einzigartigkeit die Gesellschaft bereichern wird und dadurch eine vollkommene Welt entstehen wird. 
Wir betten, um die Welt zu verbessern. Die Zeit des Gebets ist eine Zeit der Verbindung mit G'tt.  Je stärker der Verbindung wird, desto mehr wird die Welt vollkommen.

Rabban Simon, Gamaliels Sohn, sagte: Auf drei Dingen beruht die Welt: Auf Recht, auf Wahrheit und auf Frieden denn es steht geschrieben [Sach.8,16]: Rede einer mit dem anderen Wahrheit, und richtet Recht, und schaffet Frieden in euren Toren. (Sprüche der Väter 1, 18).
Es reicht uns nicht wenn wir festlegen wer von zwei Parteien das Recht besitzt, oder  wer die Wahrheit gesagt hat und wer lügt. Wir möchten das der Wille des Menschen wird in Frieden mit einander zu Leben.
Jerusalem liegt  alle Menschen nah am Herzen.
Jeder Jude weißt dass unserer Gebetsrichtung ist Richtung Jerusalem. Diese Stadt, die so viele Kräfte vereint, integriert zwei Wörter in ihr Namen. "Jeraè-Shalem". Auch hier Shalem bedeutet Vollkommenheit und Frieden. Wir streben danach, in ihr die Weltvollkommenheit zu sehen. Die wahre Vollkommenheit der Welt erreicht man dadurch, dass unterschiedliche Kräfte gegenseitig das Gute finden, sich gegenseitig befruchten, und nicht nur nebeneinander leben, sondern füreinander leben. 

24 Der HERR segne dich und behüte dich
25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
 26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden
4.B.M 6,24-26


München  2011

Botschaft
von Papst
Benedikt XVI


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