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4 November 2014 | GENOA, ITALIEN

Das Gedenken an die Deportation der Juden Genuas und die Verantwortung für die heutigen Flüchtlinge

Gedenken und Verpflichtung gegen jede Form von Diskriminierung beim Marsch durch Genua zum Jahrestag der Judenrazzia in Ligurien

 
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"Die Ereignisse der Flüchtlinge, die an unseren Küsten ankommen, erinnern mich an das, was wir Juden erlebt haben: Wenn Europa in ernsthafter Weise die Verantwortung für diese Menschen übernehmen würde, wäre es ein schönes Beispiel für die Aktualisierung dieses Gedenkens". Der Oberrabbiner von Genua, Giuseppe Momigliano, spricht in der Synagoge von Genua am Tag des einundsiebzigsten Jahrestages der Deportation der Juden Genuas. In diesem Gotteshaus stellten sich am 3. November 1943 die SS auf, um Zig Frauen und Männer dort gefangen zu nehmen, wohin sie in einen Hinterhalt gelockt worden waren.

Am Ende des Marsches "Keine Zukunft ohne Erinnerung" - der seit vier Jahren von der jüdischen Gemeinde, dem Kulturzentrum Primo Levi und der Gemeinschaft Sant'Egidio organisiert wird - zeichnet der spirituelle Leiter der Genueser Juden nicht nur ein Gedenken der Deportation, sondern versucht auch darüber nachzudenken, was dieses Gedenken für die Stadt, das Land und den gesamten Kontinent bedeutet. Vor ihm haben sich viele Kinder, junge Italiener und "Neueuropäer" neben den Vertretern der Stadt und vielen Bürgern versammelt, die sich nicht vom schlechten Wetter abschrecken ließen.

Der Marsch begann in der Galleria Mazzini mitten im Stadtzentrum vor dem "Stolperstein", der an den Ort erinnert, an dem der später in Auschwitz umgekommene Oberrabbiner Riccardo Pacifici gefangenen genommen wurde. Schilder mit den Namen der Vernichtungslager wurden getragen, mehrere Hundert Menschen zogen durch die Straßen des Zentrums bis zu dem israelitischen Gotteshaus, aus dem vor einundsiebzig Jahren die ersten 261 Genueser Juden deportiert wurden.

In der Synagoge machte sich Bürgermeister Marco Doria Gedanken über diese Ereignisse: "Wir könnten die Ursachen dieser Ereignisse analysieren, doch was geschah, wurde durch individuelle Entscheidungen der Menschen beschlossen. Wir haben immer die Möglichkeit zur Entscheidung: Böses zu tun oder uns dem Bösen entgegenzustellen". Wie bei der Angestellten, die im November 1943 die Juden in die Synagoge kommen sah und Zeichen machte, um sie vor der Gefahr zu warnen. Sie wurde von einem Übersetzer der Nazis gesehen, ins Gefängnis gebracht und nur durch einige Bekannte vor der Deportation bewahrt. Eine "gerechte" Frau in einer leider oft gleichgültigen und durch Angst gelähmten Stadt, die "ihre" Juden nicht zu schützen vermochte. Deshalb ist es nötig, die Vergangenheit zu kennen: Um die Zeichen dieser immer gleichen und doch auch immer ein wenig unterschiedlichen Kälte zu erkennen.

 

Andrea Chiappori, der Verantwortliche der Gemeinschaft Sant'Egidio in Genua erklärte: "Wir müssen uns die Frage über die Qualität des Gedenkens stellen, damit es nicht zur Rhetorik wird. Um das zu tun, müssen wir bereit sein, auf die Stimmen derer zu hören, die diese schrecklichen Tage erlebt haben, um uns nicht an das Böse zu gewöhnen, um nicht gleichgültig zu werden und eine Kultur der Gewissenhaftigkeit in unserer Stadt aufzubauen".

 


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