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Unterstützung der Gemeinschaft

  
17 September 2009

Erzbischof Ilarion, der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, zu Besuch bei der Gemeinschaft Sant'Egidio

 
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Seine Eminenz Ilarion hielt sich in diesen Tagen in Rom zu einer offiziellen Visite auf und besuchte am Donnerstag, 17. September, die Gemeinschaft Sant'Egidio.

Er nahm am Abendgebet der Gemeinschaft in der Basilika Santa Maria in Trastevere teil. Am Ende wandte er sich mit einem Grußwort an die Gemeinschaft.

Seine Eminenz Ilarion, der Erzbischof von Volokalamsk, ist der neue Vorsitzende des Außenamtes des Moskauer Patriarchats. In dieser Funktion war es seine erste Romreise. Ilarion folgt Kyrill nach dessen Wahl zum Patriarchen an der Spitze der "Außenpolitik" der russisch-orthodoxen Kirche.

 

  GRUßWORT VON ERZBISCHOF ILARION AN DIE GEMEINSCHAFT SANT'EGIDIO

Liebe Freunde, Schwestern und Brüder der Gemeinschaft Sant'Egidio,

mit großer Freude bin ich heute Abend zu euch gekommen. Ich freue mich, mit euch zusammen zu sein und vor allen Dingen meine Freunde wiederzusehen, die ich schon seit vielen Jahren kenne, Prof. Andrea Riccardi und Bischof Vincenzo Paglia. Mit großer Freude grüße ich die Bischöfe in eurer Mitte und mit großer Sympathie euch alle, die ihr heute Abend gekommen seid. Mit euch möchte ich die Gemeinschaft Sant'Egidio auf der ganzen Welt grüßen.

Zunächst möchte ich euch die Grüße und den Segen Seiner Heiligkeit des Patriarchen von Moskau, Kyrill, überbringen. In seinem Namen und auch in meinem persönlichen Namen und im Namen aller, die heute hier bei euch sind, möchte ich die Wertschätzung und Liebe zum Ausdruck bringen, die wir eurer Gemeinschaft entgegenbringen. Vor allen Dingen schätzen wir sehr euren Einsatz für die Letzten und euren großen Einsatz für die Armen und Bedürftigen und alles Bemühen in dieser und anderen Städten, um den Obdachlosen zu essen zu geben; wir schätzen euren Einsatz für die Behinderten, Kranken, Waisen und alten Menschen, die Aufmerksamkeit der Gemeinschaft Sant'Egidio für die Ausgegrenzten der Gesellschaft, die Gefangenen, die Flüchtlinge, die Immigranten. In eurem sozialen Einsatz, in dieser christlichen Diakonie für die Benachteiligten handelt ihr nach dem Evangelium. Im Gesicht des leidenden Menschen erkennt ihr die Ähnlichkeit des Antlitzes des Herrn. Indem ihr allen Armen dient, dient ihr Ihm, der leidet und gesagt hat: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan".

Wir schätzen euren Beitrag für den Dialog sehr, sowohl unter den Christen als auch unter den Gläubigen der verschiedenen Religionen. Besonders zufrieden und froh sind wir über die verständnisvolle Beziehung und die gegenseitig Achtung, die schon seit Jahren zwischen eurer Gemeinschaft und unserer russisch-orthodoxen Kirche besteht.

Wir leben in einer entchristlichten Welt, in einer Zeit, die manche fälschlich als postchristlich bezeichnen. Die heutige Gesellschaft mit ihrem Konsum, Hedonimus, praktischen Materialismus und moralischen Relativismus stellt uns Christen insgesamt vor eine ernsthafte und schwierige Herausforderung. Von unserer Antwort als Christen auf diese Herausforderung hängt auch die Zukunft der Menschheit und vielleicht auch die Frage ab, ob das Leben auf unserem Planeten weitergeht. Es ist eine gemeinsame Herausforderung, die an uns gerichtet ist; auch unsere Antwort muss gemeinsam sein.

Nur gemeinsam können wir der Welt die spirituellen und moralischen Werte des christlichen Glaubens bezeugen. Gemeinsam können wir unsere christliche Vision für die Familie, die Fortpflanzung und für eine menschliche Liebe bezeugen, die nicht nur aus Vergnügen besteht. Gemeinsam können wir unsere Vorstellung der sozialen Gerechtigkeit, einer gleichen Verteilung der Güter, des Umweltschutzes und des Schutzes des menschlichen Lebens und seiner Würde bezeugen.

Diese moralischen Werte sind traditionell in dem Sinn, dass sie seit zwanzig Jahrhunderten von den Christen bezeugt werden und unsere europäische Kultur und Zivilisation geprägt haben. Sie sind jedoch gleichzeitig vollkommen neu und modern, weil das Evangelium Jesu zu allen Zeiten neu, modern und ewig jung ist.

Angesichts dieser gemeinsamen Herausforderung durch die heutige Welt müssen wir Christen mehr denn je zusammen sein. Deshalb ist es an der Zeit, von Auseinandersetzung und Konkurrenz zur Solidarität, zu gegenseitiger Achtung und Wertschätzung überzugehen. Ich würde sogar ohne Zögern sagen, dass wir zu einer gegenseitigen Liebe gelangen müssen. Als unser Herr Jesus Christus uns das neue Gebot der gegenseitigen Liebe gab, sagte er: "Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt".

Unsere christliche Predigt kann wirksam werden, kann auch in unserer heutigen Welt überzeugend sein, wenn wir in der Lage sind, diese gegenseitige Liebe unter uns Christen zu leben.

Mit diesen Gefühlen danke ich euch noch einmal, dass ihr uns eingeladen habt. Ich bringe noch einmal meine Freude zum Ausdruck, mit euch hier zu sein. Um unsere brüderliche Liebe zur ganzen Gemeinschaft Sant'Egidio zum Ausdruck zu bringen, möchte ich euch diese russische Ikone der Madonna schenken und bitte dadurch die Mutter Gottes, dass sie euch segne, beschütze und immer in eurem Einsatz helfe, den Herrn zu lieben, indem ihr ihn in allen Nächsten und besonders in den Letzten und Benachteiligten liebt.


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