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21 April 2011

Pressemitteilung

Karwoche - eine Leidenswoche für Roma und Immigranten in Rom. Unzureichende Antwort der Stadt

 
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Mitten in der Karwoche vor dem Osterfest und der Seligsprechung von Johannes Paul II., bringt die Gemeinschaft Sant'Egidio Verwunderung, Sorge und Missfallen über die neueste Entscheidung der Verwaltung der Hauptstadt Rom gegen Roma und Flüchtlinge zum Ausdruck, die in diesen Tagen aus Nordafrika angekommen sind. Dabei ist keine "Politik" und schon gar keine "Politik der Gastfreundschaft und der Menschlichkeit" auf der Höhe der Bedeutung Roms und seiner nationalen und internationalen Verantwortung erkennbar.

Viele Roma wurden in den vergangenen Wochen und in diesen Tagen alternativlos geräumt (außer mit dem Wunsch, Familien auseinanderzureißen), und bei den Immigranten wird bei verschiedener Gelegenheit nicht nur in der Presse sondern in operativen Besprechungen eilig betont, dass "sie nicht nach Rom kommen dürfen".

Als Christen und Bürger glauben wir, dass Rom ein solches Gesicht nicht zeigen darf. Es ist ein schlimmes Signal, es fehlt an Ideen und Visionen, es werden der Bürgerschaft falsche Botschaften vermittelt, die zu Verschlossenheit und grundloser Härte ermutigen.

Während die Europäische Kommission Anfang April ein Dokument zur Inklusion der Roma anlässlich des Internationalen Tages der Roma verabschiedet hat, begannen in Rom täglich und wiederholt Räumungen von Romafamilien, die "in provisorischen Ansiedlungen" lebten.

Es begann in kleinen Ansiedlungen, doch in den vergangenen Tagen kam es zur Eskalation unbeachtet von der öffentlichen Meinung, doch nicht der Roma und der Gemeinschaft Sant'Egidio, die größere Ansiedlungen betraf, von Lungotevere S. Paolo bis Via Severini und der ehemaligen Mira Lanza. Am gestrigen Mittwoch wurde ein Lager mit 270 Personen in Via del Flauto geräumt.

Kurz nach dem Tod von vier Kindern, die an der Via Appia verbrannten, hatte die Verwaltung erklärt, dass "illegale Lager aus Baracken" geschlossen werden, die Bewohner jedoch in geeignete und würdige Unterkünfte umgesiedelt werden: Man sprach zunächst von Zeltstädten und Kasernen, dann von Flüchlingszentren, der CARA von Castelnuovo di Proto. Das seien keine endgültigen Lösungen, doch eine Art, um zumindest vorübergehend die Sicherheit zu garantieren.

Gegen diese Ankündigung wurde den geräumten Familien keine Umsiedlung in Unterkünfte vorgeschlagen, sondern nur die Möglichkeit, sich zu trennen: Frauen und Kinder in der CARA, die Männer auf die Straße. Dieser Vorschlag wurde schon früher gemacht, das Ergebnis ist bekannt: Keine Familie möchte getrennt werden (man bedenke, dass Romafamilien aus Personen bestehen, aus Müttern, Vätern und Kindern, und keinem Nichtroma in der Stadt würde jemals der Vorschlag gemacht, eine Familie auseinanderzureißen aus Gründen der Sicherheits- und Intergrationspolitik). Es ist offensichtlich, leider aber nicht für die Planer und Verantwortlichen der Sozialpolitik unserer Stadt und auch in anderen Teilen Italiens, dass niemand Lösungen akzeptiert, die Familien auseinanderreißen.  Die Folge dieser Ablehnung ist die Zerstreuung ganzer Familien im Stadtgebiet in noch schwierigeren und unsichereren Situationen, sowie die Unterbrechung von sozialer und schulischer Integration.

Schon heute ist es dazu gekommen, dass 600 Personen in der Stadt ohne Schlafplatz umherirren, darunter sind viele Kinder. Einige haben durch die Räumungen schon zum wiederholten Male die schulische Eingliederung unterbrochen nur wenige Wochen vor Schuljahrsschluss. Beispielhaft sei daran erinnert, dass die Familie, die den schrecklichen Verlust der vier verbrannten Kinder erlitten hat, schon 10 Jahre in unserer Region lebte und schon dreißig mal geräumt wurde mit einem Ergebnis für den Schulbesuch und die Überwindung von Ausgrenzung die man sich vorstellen kann.

Wenn die Sorge, die zur Räumung geführt hat, offensichtlich die Sicherheit der Bürger und die Vermeidung neuer Strategien für Roma und Romakinder ist, so sind diese Kinder heute gefährdeter als vorher. Sie irren mit den Familien umher auf der Suche nach Schlafplätzen und das löst nicht die Probleme der öffentlichen Ordnung der Stadt. Die ständigen Räumungen ohne Lösungen für die Roma erschweren die Überwachung der Legalität durch die Ordnungskräfte und lösen den Kontakt zu schon in festen Unterkünften lebenden Familien. Die negativen Folgen sind so offensichtlich, dass sie nicht erklärt werden müssen.

Doch die Räumungen beweisen die Unfähigkeit Roms, eine Führungsrolle für eine Politik der Gastfreundschaft und Integration zu übernehmen. Das steht sicher im Kontrast zum Hauptstadtcharakter der Nation sondern auch des Katholizismus.

Was die in den vergangenen Wochen aus Tunesien und Libyen nach Italien gekommenen Migranten betrifft, so war die Antwort der Hauptstadt nicht besser. Während Bilder von Bombardierungen und Flüchtlingen zu sehen waren, die Toten im Meer noch beweint wurden, wurde bekanntermaßen ein Präzedenzfall mit zwei Bussen auf der Durchreise geschaffen, die in Grottarossa eine Nacht lang "Halt machten" und sogar für die wenigen Stunden Aufenthalt umzingelt und unter "Aufsicht" gestellt wurden. Abgesehen von der Übertreibung und der Lächerlichkeit wurde wieder einmal bei der Bevölkerung ein unbegründetes und alarmierendes Klima sowie die Überzeugung gestärkt, dass "Rom voll ist" in einem Augenblick, in dem Hunderttausende und vielleicht über eine Million Pilger angekommen sind. In diesen Tagen werden wiederum im Fall der Immigranten Menschen am Hauptbahnhof festgehalten, die nach der Verwaltung "so schnell wie möglich ausreisen müssen".

Die Gemeinschaft Sant'Egidio fordert:

•     Ende der Räumungen von Roma aus provisorischen Lagern, wenn keine würdige und eindeutige Alternative für die ganze Familie angeboten werden kann.

•     Ende der sozialen Maßnahmen oder "sozialer Inklusion", die es als normal ansieht, Familien voneinander zu trennen unter dem Vorwand erzieherischer oder sonstiger Fortschritte der öffentlichen Ordnung.

•     Die Kommune muss die aktuelle Lage der nordafrikanischen Immigranten im Rahmen der nationalen und internationalen Rahmenbedingungen angehen im Gedenken daran, dass es sich um Flüchtlinge mit Aufenthaltsgenehmigung handelt.

•     Die Stadt Rom (im Bereich der Stadt und der Region) muss Übergangseinrichtungen schaffen und Maßnamen ergreifen, die die Flüchtlinge dann in geeignete Unterkünfte in angemessenem Zeitrahmen und mit intelligenten und nicht zufälligen Vorgehensweisen unterbringt.

Die Hauptstadt besitzt menschliche, wirtschaftliche, spirituelle und kulturelle Mittel, um eine - auch verheißungsvolle - Phase des weltweiten Wandels zu steuern, ohne in die Sackgasse unendlicher Notfallmaßnahmen und in die erschrockene Logik der "verschlossenen Stadt" zu geraten und in den Tenor derer einzustimmen, die rufen, dass das "Boot voll ist". Wir fordern dringend ein Umdenken und neue Wege, damit Rom auf der Höhe seiner Geschichte, seines Namens und der Tradition der Gastfreundschaft und Universalität ist, die es in der Welt bekannt und beliebt macht.


 
Piazza di S.Egidio 3/a – 00153 Roma - Tel 39.06585661  -  Fax 39.065883625
www.santegidio.org   Email – [email protected]


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