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Unterstützung der Gemeinschaft

  
7 Januar 2013 | ROM, ITALIEN

Altern im 21. Jahrhundert - Wunschvorstellung und Herausforderung

Eine Zusammenfassung des Berichts über das Altern im 21. Jahrhundert wird heute bei der Gemeinschaft Sant'Egidio vorgestellt

 
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Veröffentlichung des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) New York und HelpAge International London 

Der Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen (UNFPA) ist ein internationales Entwicklungsorgan zur Unterstützung einer Welt, in der jede Schwangerschaft gewollt, jede Geburt sicher ist und jeder junge Mensch seine Möglichkeiten voll entfalten kann. 

HelpAge International hilft alten Menschen beim Schutz ihrer Rechte, im Kampf gegen Diskriminierung und bei der Überwindung von Armut, damit sie ein sicheres, aktives und gesundes Leben in Würde führen können. Die Arbeit wird durch ein globales Netzwerk von Organisationen unterstützt, die diese Positionen teilen und bildet damit eine einzigartige Struktur in der Welt.

 

KURZZUSAMMENFASSUNG

Die Alterung der Bevölkerung ist eines der wesentlichsten Phänomene des 21. Jahrhunderts und hat wichtige Auswirkungen und weitreichende Folgen für alle Bereiche der Gesellschaft. Weltweit feiern jede Sekunde zwei Personen ihren sechzigsten Geburtstag. Wenn man bedenkt, dass weltweit eine von neun Personen sechzig Jahre und älter ist und diese Prozentzahl bis 2050 auf eine von fünf Personen steigt, kann das Phänomen der Alterung der Bevölkerung nicht ignoriert werden. Das Dokument "Altern im 21. Jahrhundert - Wunschvorstellung und Herausforderung" analysiert die aktuelle Lage alter Menschen und untersucht Fortschritt in der Politik und im Einsatz der Regierungen und anderer Akteure nach der zweiten Weltversammlung über das Altern auf der Grundlage der Umsetzung des internationalen Handlungsplan von Madrid über das Altern, der als Antwort auf die Möglichkeiten und Herausforderungen einer alternden Welt entworfen wurde. Das Dokument bietet äußerst interessante Beispiele für innovative Programme, die wirksam auf das Problem des Alterns und auf die Sorgen alter Menschen antworten. Der Bericht weist auf Mängel hin bietet Empfehlungen zum Erhalt einer Gesellschaft für alles Altersstufen, in der junge und alte Menschen die Möglichkeit besitzen, sich an der Entwicklung zu beteiligen und dessen Fortschritt zu nutzen. Besonders charakteristisch für diesen Bericht ist die Wiedergabe der Meinungen von alten Menschen, die durch eine engmaschige Arbeit von Gesprächen auf der ganzen Welt eingeholt wurden. Der Bericht ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von über zwanzig Organismen der Vereinten Nationen und weiteren wichtigen internationalen Organisationen, die sich im Bereich der Alterung der Bevölkerung engagieren. Er weist auf wichtige Fortschritte in vielen Ländern hin, indem politische Maßnahmen, Strategien, Pläne und Gesetze zum Alter umgesetzt wurden. Es bleibt aber noch viel zu tun, um den Plan von Madrid vollständig umzusetzen und die Potentiale unserer alternden Welt auszuschöpfen.

DIE ALTERUNG DER BEVÖLKERUNG

Die Alterung der Bevölkerung betrifft alle Regionen und Länder mit unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Diese Entwicklung verläuft in Entwicklungsländern schneller, auch wenn die Zahl der Jugendlichen hoch ist. Von den 15 Ländern mit über 10 Millionen alten Menschen sind sieben Entwicklungsländer. Die Alterung ist ein Erfolg der Entwicklung. Dass viele Menschen immer länger leben, ist einer der großen Erfolge der Menschheit. Man lebt länger durch bessere Ernährung, Hygiene, Fortschritte im Bereich der Medizin, medizinische Betreuung, Erziehung und wirtschaftlichen Wohlstand.

Die Lebenserwartung bei der Geburt liegt in 33 Ländern über 80 Jahre, vor fünf Jahren war das nur bei 19 Ländern der Fall. Die meisten Menschen, die diesen Bericht lesen, sind älter als 80 Jahre, einige sogar älter als 100 Jahre. Bisher gehören nur in Japan über 30% zur alten Bevölkerung, bis 2050 sollen nach Schätzungen 64 Länder diese Zahl erreichen. Dieser demographische Wandel bietet Möglichkeiten, die dem Beitrag entsprechen, den eine noch sozial und wirtschaftlich aktive ältere Bevölkerung, die sich guter finanzieller und gesundheitlicher Verhältnisse erfreut, einer Gesellschaft bieten kann.

Die Alterung der Bevölkerung bringt für Individuen, Gesellschaften und globale Gemeinschaften soziale, finanzielle und kulturelle Anforderungen mit sich. Wie der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, im Vorwort dieses Berichts anmerkt, "sind umfassende soziale und wirtschaftliche Folgen dieses Phänomens zu erwarten, die nicht nur den einzelnen alten Menschen und seine Familie betreffen, sondern wie nie zuvor auch die Gesellschaft und die globale Gemeinschaft". Unserer Umgangsweise mit den Herausforderungen und dem Aufgreifen der Möglichkeiten einer zunehmend älteren Bevölkerung ist entscheidend, um die Vorteile "des längeren Lebens" zu nutzen.

Die absolute Zahl und Prozentzahl der alten Menschen, die in vielen Ländern der Welt mehr als jede andere Altersgruppe zunehmen, rufen Sorge angesichts der Fähigkeit der Gesellschaft hervor, die mit diesem demographischen Wandel zusammenhängenden Folgen zu bewältigen.

Um die Herausforderungen zu bewältigen und auch die Möglichkeiten der Alterung der Bevölkerung zu nutzen, ruft der Bericht auf, neue Ansätze der Strukturierung der Gesellschaften, der Arbeitswelt und der sozialen Beziehungen und des Zusammenhalts unter den Generationen zu beachten. Die muss durch einen umfassenden politischen Einsatz und eine solide Erfassung der Daten gefördert werden, damit eine wirkliche Integration der globalen Alterung im Rahmen der umfassenderen Entwicklungsprozesse berücksichtigt werden kann. Männer und Frauen der ganzen Welt müssen in Würde und Sicherheit alt werden können und das Leben durch die Umsetzung aller Menschenrechte und grundlegenden Freiheiten genießen können. Wenn Probleme und Chance gemeinsam betrachtet werden, kann diese Herausforderung des Alterns am besten bewältigt werden.

Der Wandel des Alterns

Eine Bevölkerung gilt als gealtert, wenn die alten Menschen eine proportional höhere Prozentzahl als die Gesamtbevölkerung darstellen. Die niedrigere Fruchtbarkeitsrate und eine längere Lebenserwartung haben zur Alterung der Bevölkerung geführt. Die Lebenserwartung ist weltweit bei Geburt stark angestiegen. Sie liegt in den Jahren 2010-2015 bei 78 Jahren in entwickelten Ländern und bei 68 Jahren in Entwicklungsländern. Von 2045-2050 werden Neugeborene eine Lebenserwartung von 83 Jahren in entwickelten Regionen und von 74 in Entwicklungsländern haben.

1950 gab es weltweit 205 Millionen Menschen über sechzig Jahren, 2012 ist diese Zahl auf fast 810 Millionen angestiegen. Sie wird in den kommenden zehn Jahren wahrscheinlich die Grenze von einer Milliarde überschreiten und bis 2050 doppelt so hoch sein und bei zwei Milliarden liegen. Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen der Welt. Beispielsweise lag 2012 die Prozentzahl der über 60jährigen in Afrika bei 6%, während sie in Lateinamerika und der Karibik bei 10%, in Asien bei 11%, in Ozeanien bei 15%, in Nordamerika bei 19% und in Europa bei 22% lag. Diese Quote wird nach Vorhersagen im Jahr 2050 in Afrika bei 10%, in Asien bei 24%, in Ozeanien bei 24%, in Lateinamerika und der Karibik bei 25%, in Nordamerika bei 27% und in Europa bei 34% liegen.


Allgemein bilden die Frauen die Mehrheit der alten Menschen. Auf 100 Frauen über sechzig Jahre kommen aktuell weltweit nur 84 Männer. Bei den 80jährigen sind es sogar nur 61 Männer auf 100 Frauen. Männer und Frauen leben im Alter sehr unterschiedlich. Die Geschlechterbeziehungen prägen das ganze Leben, beeinflussen den Zugang zu Unterstützungsmöglichkeiten und üben damit einen ständigen und wachsenden Einfluss aus. In vielen Situationen sind alte Frauen verletzlicher, was Diskriminierungen wie den Zugang zu Arbeit und ärztlicher Behandlung betrifft. Sie sind eher Misshandlungen ausgesetzt, es werden ihnen weniger Rechte auf Besitz und Erbe, auf ein Mindesteinkommen und soziale Absicherung zugestanden. Alte Männer werden hingegen vor allem nach der Pensionierung anfällig, weil sie weniger soziale Beziehungen besitzen und vor allem im finanziellen Bereich anfälliger sind für Betrug. Diese Unterschiede haben wichtige Folgen für politische Programme. Alte Menschen sind keine homogene Gruppe, für die es nur einen politischen Weg gibt. Man darf alte Menschen nicht als eine Kategorie behandeln, sondern muss die Unterschiede erkennen und berücksichtigen, wie es in jedem Alter der Fall ist. Es gibt Unterschiede in Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung, Einkommen und Gesundheit. Frauen, Männer, Hochbetagte, Selbständige, Analphabeten und andere alte Menschen, Bewohner von Städten und auf dem Land benötigen jeweils auf sie abgestimmte Maßnahmen und Programme, um ihren Bedürfnissen entgegenzukommen.

Zweite Weltversammlung über das Altern

Die zweite Weltversammlung über das Altern in Madrid 2002 hat über die Probleme des schnellen Alterns der Bevölkerung diskutiert und den Handlungsplan über das Altern verabschiedet, in dem Grundlagen für die Integration alter Menschen behandelt werden im Hinblick auf Entwicklung, Gesundheit und Wohlstand im dritten Alter und auf Garantien für ein Umfeld, in dem Hilfen und Entfaltungsmöglichkeiten angeboten werden.

Der Plan von Madrid fordert eine Veränderung von Verhaltensweisen, Einstellungen und Gewohnheiten, damit die alten Menschen nicht zu Empfängern von sozialen Diensten gemacht werden, sondern aktiv und mit vollen Rechten an den Entwicklungsprozessen beteiligt sind. Altern im 21. Jahrhundert: Wunschvorstellung und Herausforderung - möchte die Planungen von Madrid zehn Jahre danach untersuchen und die Prozesse der Umsetzung bewerten.

Eine grundlegende Feststellung dieses Berichts betrifft die unglaubliche Produktivität und die Beiträge der über Sechzigjährigen als Mitarbeiter in den Familien, Wähler, Ehrenamtliche, Unternehmer, etc. Der Bericht zeigt, auch, dass Sofortmaßnahmen zur ärztlichen Behandlung, geregeltes Einkommen, soziale Netzwerke und Rechtsbeistand zahlreiche Vorteile für ein langes Leben schaffen, deren Früchte diese und nachfolgende Generationen weltweit ernten dürfen.

Der Bericht vertritt die Vorstellung, dass sich nationale und lokale Regierungen, internationale Organisationen, Verbände und die Zivilgesellschaft in einer gemeinsamen Anstrengung bemühen müssen, um die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts auf die Wirklichkeit der Demographie des 21. Jahrhunderts vorzubereiten. Das Dokument betont, dass konkrete und finanziell wirksame Fortschritte schon von Geburt an Investitionen für das Alter rechtfertigen.

Garantie des Einkommens

Die größte Sorge der alten Menschen weltweit ist ein garantiertes Einkommen. Dieser Punkt wird neben der Gesundheit von den alten Menschen an häufigsten genannt. Es ist auch eines der beiden größten Herausforderungen für die Regierungen bei der Beschäftigung mit dem Alter der Bevölkerung. Die Weltwirtschaftskrise hat den finanziellen Druck verschärft, um alten Menschen finanzielle Sicherheit und Zugang zu medizinischer Betreuung zu ermöglichen.

Investitionen im Rentensystem werden als grundlegendes Mittel angesehen, um finanzielle Unabhängigkeit zu garantieren und die Armut im dritten Alter zu reduzieren. Die Nachhaltigkeit dieser Systeme bereitet besondere Sorge, vor allem in den Industriestaaten, während in Entwicklungsländern soziale Sicherheit und Rentensystem noch eine Herausforderung darstellen, da der überwiegende Teil der Arbeitskraft im informellen Bereich eingesetzt wird.

Es müssten Arbeitsgruppen zu Fragen der sozialen Sicherheit eingesetzt werden, um das Einkommen und Zugang zu wichtigen Diensten im sozialen und medizinischen Bereich für alte Menschen zu sichern und ein Netzwerk aufzubauen, das so lang wie möglich die Gesundheit fördert und der Verarmung im Alter vorbeugt. Es gibt keinen Beweis dafür, dass die Alterung der Bevölkerung zu einer geminderten Wirtschaftsentwicklung geführt hat oder dass die Länder nicht genügend Mittel besitzen, um den alten Menschen Renten und medizinische Betreuung zu garantieren. Trotzdem hat nur ein Drittel der Länder ein umfassendes Sozialsystem, das meistens nur für Menschen mit einem geregelten Einkommen oder auf Weltebene nur der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung zur Verfügung steht.

Die Renten und vor allem die Sozialhilfe sind wichtige Hilfen und garantieren einen grundlegenden Beitrag für das Wohlergehen alter Menschen. Sie haben auch bewiesen, dass sie zum Erhalt ganzer Familien beitragen. In Krisenzeiten können Renten auch eine Grundlage für das Familieneinkommen bilden und auch jungen Menschen und ihren Familien behilflich sein, Schwierigkeiten oder Arbeitsverlust zu bewältigen.

Zugang zu angemessener medizinischer Betreuung

Um alten Menschen das Recht zu garantieren, ein Leben mit möglichst guter physischer und psychischer Gesundheit zu führen, benötigen sie Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, die für ihr Alter mit finanziellen und medizinischen Möglichkeiten eingerichtet sind. Solche Einrichtungen müssen vorbeugend tätig sein und langfristige Maßnahmen anbieten. Eine Perspektive in Hinblick auf das gesamte Leben muss Gesundheitsförderung und Prävention von Erkrankung und Invalidität mit dem Ziel des Erhalts der Selbständigkeit, der Vorbeugung und der Vermeidung von Krankheiten und von Behandlungsangeboten umfassen. Die Gesundheitspolitik muss auch technologische Betreuung, medizinische Forschung und Rehabilitation umfassen.

Die Ausbildung von Mitarbeitern im Gesundheitswesen ist grundlegend, um den Betreuern von alten Menschen Informationen und Grundwissen zur Behandlung im Alter zu vermitteln. Alle Mitarbeiter in diesem Arbeitsfeld benötigen gute Begleitung, auch Familienmitglieder oder lokale Betreuer, besonders im Bereich von längeren Betreuungen gebrechlicher alter Menschen, was auch für alte Menschen gilt, die selbst ältere Menschen betreuen. Der Bericht betont, dass die Gesundheit ein wesentliches Ziel der Gesellschaft in der Behandlung der Fragen des Alterns der Bevölkerung darstellt. Wenn die alten Menschen auch im hohen Alter gesund leben, haben sie größere Möglichkeiten, zudem werden Kosten für die alten Menschen, die Familien und die Gesellschaft reduziert.

Günstiges Umfeld

Ein gutes Umfeld fördert die Entwicklung und den Einsatz innovativer Technologie mit dem Ziel, ein aktives Altern zu fördern, und ist vor allem für alte Menschen wichtig, die weniger mobil sind oder eine Seh- und Hörschwäche haben. Daher benötigen alte Menschen unbedingt bezahlbaren Wohnraum und angemessene Transportmittel, damit sie das Alter in der eigenen Wohnung verbringen und unabhängig bleiben können, soziale Kontakte erhalten bleiben und aktive Teilhabe am Gesellschaftsleben möglich ist.

Es muss mehr getan werden, um auf Diskriminierung, Misshandlung und Gewalt gegen alte Menschen hinzuweisen, sie zu untersuchen und ihnen vorzubeugen, vor allem in Bezug auf die schwächere Gruppe der Frauen. Es wurden Fortschritte im Bereich Menschenrechte der alten Menschen erzielt. Eingehende Diskussionen wurden über die Entwicklung von Methoden im Bereich der internationalen Menschenrechte mit besonderer Berücksichtigung der alten Menschen geführt.

Handlungsvorschläge

In vielen Teilen der Welt tragen die Familien Verantwortung für die Pflege und finanzielle Unterstützung hilfsbedürftiger alter Menschen. Die Kosten können bei der berufstätigen Generation stark ansteigen und wirken sich häufig negative auf die Möglichkeiten zum Sparen, Arbeiten und produktiven Tun aus. Doch der Rückgriff auf private Mittel im Rahmen der Familie kann nicht mehr automatisch als einzige Quelle der Finanzierung für ältere Familienmitglieder angesehen werden.

Der Bericht beweist, dass sich die Lebensgewohnheiten von alten Menschen auf derselben Ebene wie in der Gesellschaft wandeln. Familien werden kleiner und die Unterstützung unter den Generationen wird sich zukünftig weiter sehr verändern. In vielen Familien "fehlt eine Generation", denn sie bestehen insbesondere auf dem Land aus Kindern und alten Menschen, weil "die mittlere Generation" der Erwachsenen vom Land in die Stadt abgewandert ist. Die Gespräche mit alten Menschen zeigen, dass die alten Menschen weltweit sehr oft den Kindern und Enkeln helfen. Das geschieht nicht nur bei der Hausarbeit und Kinderbetreuung, sondern auch durch finanzielle Unterstützung der Familie.

Der Bericht betont die Wichtigkeit, aktuell bestehende soziale Missstände zu beseitigen und allen Schichten der Bevölkerung denselben Zugang zu Bildung, Arbeit, medizinischer Betreuung und sozialen Grunddiensten zu gewähren, damit die Menschen in der Gegenwart ein würdiges Leben führen und auch für die Zukunft sparen können. Das erfordert beachtliche Investitionen von menschlichem Kapital durch verbesserte Bildung und berufliche Perspektiven für die jüngere Generation.

Die Alterung der Bevölkerung stellt eine Herausforderung für die Regierungen und die Gesellschaften dar, doch darf sie nicht als Krise angesehen werden. Die Antwort auf das Altern kann und muss geplant werden, damit diese Herausforderung in eine Chance verwandelt wird. Der Bericht listet eine Reihe von unanfechtbaren Gründen zur Investition auf, die eine gute Lebensqualität im Alter garantieren und positive Lösungen anbieten, die auch in ärmeren Ländern umsetzbar sind. Die Stimmen der an den Beratungen zu diesem Bericht beteiligten alten Menschen betonen die Notwendigkeit eines gesicherten Einkommens, die Möglichkeit von flexibler Arbeit, medizinischer Versorgung und bezahlbarer medizinischer Betreuung, von altersgemäßen Wohnungen und Transportmitteln, von Überwindung aller Art von Diskriminierung, Gewalt und Misshandlung alter Menschen. Noch einmal unterstreichen die alten Menschen ihren Willen, aktive und respektierte Glieder der Gesellschaft bleiben zu wollen.

Der Bericht ruft die internationale Gemeinschaft auf, im Forschungssektor mehr für das Altern zu tun. Es gibt deutliche und offensichtliche Gründe, um Entwicklungspläne für das Altern der Bevölkerung zu erstellen, die durch den Ausbau von Möglichkeiten, Haushaltsmitteln und politischen Maßnahmen in Verbindung zu Forschungen und Analyse über das Alter unterstützt werden. Diese Maßnahmen müssen aktualisiert und von hoher Qualität sein. Während die Länder Pläne für die Zeit nach 2015 vorbereiten müssen die Alterung der Bevölkerung und die Antworten öffentlicher Einrichtungen auf die Frage des Alters im Mittelpunkt der Prozesse stehen. In einer schnell alternden Welt ist es wichtig, ausdrückliche Entwicklungsziele in Verbindung mit den alten Menschen zu erstellen. Es ist auffällig, dass solche Ziele nicht unter den Millenniumentwicklungszielen zu finden sind.

 

Zehn Prioritäten zur Förderung der Lebensmöglichkeiten im Alter

1.  Man muss der Alterung der Bevölkerung ins Auge schauen und alle betroffenen Einrichtungen auf die höhere Zahl der alten Menschen vorbereiten (Regierung, Zivilgesellschaft, privater Bereich, Vereinigungen und Familie). Dazu müssen Verständnis für diese Frage und nationale und lokale Bedingungen geschaffen werden. Es werden politische, wirtschaftliche und soziale Reformen benötigt, um die Gesellschaft auf eine alternde Welt vorzubereiten.

2.   Allen alten Menschen müssen Lebensumstände in Würde und Sicherheit garantiert werden. Sie benötigen Zugang zu sozialer und medizinischer Grundversorgung und ein Mindesteinkommen auf der Grundlage nationaler Schutzmaßnahmen und anderer sozialer Investitionen zur Förderung von Autonomie und Unabhängigkeit und zur Vorbeugung von Armut im Alter. Dadurch soll ein Alter in möglichst guter Gesundheit ermöglicht werden. Solche Aktionen müssen auf eine weitsichtige Grundlage gestellt werden und durch wirksame politische Maßnahmen mit guter Ausstattung unterstützt werden, um negativen Folgen in Krisenzeiten oder bei Regierungswechseln vorzubeugen.

3.  Gemeinwesen, Vereinigungen und Familie müssen unterstützt werden, um ein Hilfssystem mit dem Ziel aufzubauen, das hilfsbedürftigen alten Menschen notwendige Betreuung auch für längere Zeit zur Verfügung stellt und auf lokaler Ebene aktives Altern bei guter Gesundheit ermöglicht. So wird das Altern der eigenen Gesellschaft gefördert.

4.  Investitionen in die junge Generation sind notwendig, indem gutes Verhalten gestärkt, Bildung und Arbeit garantiert wird und Zugang zur Gesundheitsversorgung und gute Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Das ist die beste Investition für ein gutes Leben zukünftiger alter Generationen. Flexible Arbeitsmöglichkeiten sollten geschaffen werden, die im ganzen Leben zur Verfügung stehen. Fortbildungen sollen die Integration der heutigen alten Menschen in den Arbeitsmarkt fördern.

5.  Nationale und internationale Bemühungen im Bereich der Forschung zu Fragen des Alters sollten unterstützt werden. Die Ergebnisse solcher Forschungen sollten unter Einbeziehung von kulturellen Fragen und Geschlechterrollen den politischen Verantwortungsträgern zur Verfügung gestellt werden.

6.  Das Altern sollte Thema aller politischen Bereiche und vor allem der Politik zur Altersfrage sein, wobei die unterschiedlichen Bedürfnisse alter Männer und Frauen beachtet werden müssen.

7.  Es muss eine Inklusion des Alterns und der Bedürfnisse alter Menschen in allen Bereichen der Politik und der nationalen Entwicklungspläne stattfinden.

8.  Inklusion des Alterns und der Erfordernisse von alten Menschen bei nationalen humanitären Maßnahmen, bei Plänen zur Bewältigung des Klimawandels und bei Programmen zur Bewältigung und Vorbeugung von Katastrophen muss stattfinden.

9.  Es müssen Fragen im Zusammenhang des Alterns in Entwicklungsplänen für die Zeit nach 2015 auch durch das Erstellen von Zielen und spezifischen Indikationen behandelt werden.

10.  Es muss eine neue Kultur des Alterns auf der Grundlage des Rechts und einer gewandelten Mentalität und neuen sozialen Verhaltensmustern gegenüber alten Menschen entwickelt werden. Dadurch sollen Angehörige dieser sozialen Schicht in aktive und teilhabende Bürger verwandelt werden. Zu diesem Ziel müssen internationale Entwicklungsinstrumente für die Menschenrechte und für ihre Umsetzung in den nationalen Gesetzwerken gemeinsam mit Maßnahmen erarbeitet werden, um Diskriminierung im Alter zu bekämpfen und die Anerkennung von alten Menschen als autonome Subjekte zu fördern.

 

Wesentliche Punkte des Alterns

Demographischer Wandel

    Weltweit feiern jede Sekunde zwei Personen ihren 60. Geburtstag, das sind insgesamt 58 Millionen Geburtstage im Jahr.

    2050 wird es zum ersten Mal mehr alte Menschen als Kinder unter 15 Jahren geben. Im Jahr 2000 lag die Zahl der über Sechzigjährigen schon höher als die der Kinder unter fünf Jahren.

    2012 waren über 810 Millionen über 60 Jahre alt, das sind 11,5% der Weltbevölkerung. Nach Schätzungen wird diese Zahl in weniger als zehn Jahren auf eine Milliarde steigen und bis 2050 bei zwei Milliarden liegen, das wären 22% der Weltbevölkerung.

    Im vergangenen Jahrzehnt ist die Zahl der über Sechzigjährigen um 178 Millionen gestiegen. Diese Zahl entspricht fast der gesamten Bevölkerung Pakistans, dem sechstgrößten Land der Welt, was die Bevölkerungszahl betrifft.

    Die Lebenserwarten zwischen 2010 und 2015 liegt bei 78 Jahren in Industrieländern und bei 68 Jahren in Entwicklungsländern. Kinder, die zwischen 2045 und 2050 geboren werden, werden eine Lebenserwartung von 83 Jahren in Industrieländern und von 74 Jahren in Entwicklungsländern haben.

    Von drei Sechzigjährigen leben zwei in Entwicklungsländern. 2050 werden fast vier von fünf Sechzigjährigen in Entwicklungsländern leben.

    Japan ist das einzige Land der Welt mit über 30% der Bevölkerung, die über sechzig Jahre alt sind. 2050 wird dies auf 64 Länder zutreffen.

    Die Zahl der Hundertjährigen wird weltweit von 316.600 im Jahr 2011 auf 3,2 Millionen im Jahr 2050 ansteigen.

    Weltweit kommen auf 100 über sechzigjährige Frauen 84 Männer in der Altersgruppe, bei den über achtzigjährigen ist das Verhältnis 100 Frauen zu 61 Männern

Einkommen und Gesundheit

• Weltweit besitzt nicht ein Drittel der Länder und damit nur 28% der Bevölkerung ein umfassendes Sozialsystem, das alle Bereiche der Sozialfürsorge einbezieht.

• Die Kosten für ein allgemeines Rentensystem aller über Sechzigjährigen liegt in Entwicklungsländern zwischen 0,7% und 2,6% des BIP.

• Weltweit sind  47% der alten Männer und 23,8% der alten Frauen zu den Arbeitskräften zu zählen.

• Vor dreißig Jahren gab es keine "Wirtschaft der Alten", deren Konsum höher lag als der Konsum der Jungen. 2010 existierten 23 "Wirtschaften der Alten", 2040 werden es 89 sein.

• Weltweit haben über 46% der über Sechzigjährigen eine Behinderung. Über 250 Millionen Menschen leiden unter leichter oder schwerer Behinderung.

• Die Zahl der Demenzkranken weltweit wird auf 35,6 Millionen geschätzt. Diese Zahl wird sich fast alle zwanzig Jahre nach Schätzungen verdoppeln und 2030 bei 65,7 Millionen liegen.

 

Stimmen von alten Menschen

Von 1.300 alten Männern und Frauen, die für diesen Bericht interviewt wurden:

• 43% sagen, dass sie Angst vor persönlicher Gewalt haben

• 49% möchten respektvoll behandelt werden

• 61% verwendet ein Mobiltelefon

• 53% haben mehr oder weniger Schwierigkeiten, wesentliche Dienste bezahlen zu können

• 44% sagen, dass es ihnen gesundheitlich gut geht

• 34% hat Probleme, angemessene medizinische Betreuung zu bekommen


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