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04/12/2016
Liturgie des Sonntags

Das tägliche Gebet


 
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16 November 2008 16:30 | University of Cyprus – Sport Centre

Andrea Riccardi



Andrea Riccardi


Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio

Herr Präsident der Republik Zypern
Hoheit, Herr Präsident,
Ihre Heiligkeit, Seligkeit, Emminenzen,
Hochverehrte Vertreter der christlichen Kirchen, der kirchlichen Gemeinschaften und der großen Weltreligionen

Heute wird Zypern zu einem Knotenpunkt von vielen Männern und Frauen verschiedener Religionen und Kulturen, die sich begegnen, sprechen, Dialog führen, nebeneinander und füreinander beten.
Ich begrüße alle Teilnehmer und danke vor allem dem Präsidenten der Republik, Dimitris Christofia für seine Willkommensworte und für die herzliche Gastfreundschaft der zyprischen Regierung. Ich möchte meine besten Wuensche für den Erfolg ihrer Aktivitäten für den Frieden und den Dialog zum Ausdruck bringen.
Während ich meinen dankbaren Gedanken an alle anwesenden religiösen Verantwortlichen wende, möchte ich die entscheidende Rolle Seiner Seligkeit Chrysostomos II., Erzbischof von Neo Justiniana und ganz Zypern, bei der Verwirklichung dieses Ereignisses hervorheben. Von ihm ging die Einladung aus, auf diese Insel zu kommen. Aber auch die Kirche von Zypern nimmt uns mit großzügiger Gastfreundschaft auf. Der Erzbischof zeigt so eine große Tradition der Gastfreundschaft, die typisch ist für die Zyprioten.
Ich danke denen, die für die Verwirklichung dieses Ereignisses gearbeitet haben. Ich danke dem tatkräftigen Botschafter Zyperns beim Heiligen Stuhl, Herrn Charilaou, und vielen anderen, die ich wegen der Kürze der Zeit nicht erwähnen kann. Ich grüße die fast 1000 Personen, die aus Italien und Europa gekommen sind und ihren freiwilligen Beitrag zum Erfolg dieser Tage leisten.

Die Menschen von Zypern wissen, was Frieden bedeutet, denn sie haben die Schmerzen des Krieges kennengelernt und ihre Häuser verlassen. Zypern hat eine Geschichte des Zusammenlebens zwischen zwei ethnischen und religiösen Gemeinschaften. Aber, seit mehreren Jahrzehnten ist es der letzte Rest des besetzten Europas geworden. Zypern kennt die Schmerzen der Trennung, des Hasses und der Abwesenheit des Dialogs: deswegen nimmt es diese unsere Begegnung mit Freude auf. Es freut sich, wenn die Taube des Friedens sich auf dieser Insel niederlässt und wenn von hier der Regenbogen des Friedens ausgeht. Wir streben danach, aus dieser verwundeten Insel, einen Ort der Begegnung und des Dialogs im Mittelmeerraum zu machen.
Die Länder des Mittelmeerraums sind Welten, wo man mit Menschen verschiedener Religionen und Ethnien zusammenlebt. Das Zusammenleben ist schwierig. Ich denke an den nahegelegenen Libanon. Wie kann man die unmögliche Situuation des ganz nahegelegenen Heiligen Landes nicht im Herzen haben? Zusammen zu leben ist eine Herausforderung des südlichen und nördlichen Randes des Mittelmeers in Bezug auf die Einwanderung. Es ist die Herausforderung des ganzen Nahen Ostens und des Irak. Aber auch von vielen Teilen der Welt. Um zusammen zu leben, muss man verstehen, dass die Anwesenheit des anderen, auch wenn er sehr anders ist, ein Geschenk ist. Tatsächlich ist dies die Zivilisation, wenn es nicht nur eine Farbe gibt, sondern den Regenbogen; eine Frucht der tiefen Verschmelzungen von Geschichten und verschiedenen Identitäten. Eine Welt, in der der Andere, der anders ist, unterdrückt wird, ist eine Welt der Barbarei. Die wahre Zivilisation ist die des Zusammenlebens.

Und dennoch, warum sollen wir heute von Religion und der Kultur des Zusammenlebens sprechen, wenn die Welt von einem finanziellen Zusammenbruch betroffen ist, dessen Tragweite wir nicht ermessen können?
Wir befinden uns an einem schwierigen Ubergang der Geschichte. Viele Sicherheiten sind erschüttert. Ein extrem hoher Preis für die Krise wird von den Ärmsten der Welt bezahlt werden , während die Industrieländer ihre Aufmerksamkeit auf die Sicherung ihrer Beiträge konzentrieren. Das stellt schmerzlich ein kürzlich ausgesprochener Appell meines Freundes Michel Camdessus, Kofi Annans und Robert Rubins fest. Sie beobachten, dass diese Krise, der Impuls für radikale Veränderungen sein kann. Radikale Veränderungen sind nötig. Aber, um sie zu verwirklichen, ist mehr Geist und mehr Menschlichkeit nötig. Ein Geist und ein Sinn von Menschlichkeit, die zeigen, wie untragbar eine Welt mit viel Not ist, die immer noch von vielen Konflikten gezeichnet ist.

Wir kommen nach Zypern, einer schönen und verwundeten Insel im Mittelmeer, von einem Weg, der die friedliche und effiziente Kraft dieses Geistes gezeigt hat.
Unser Geschichte kommt von weit her. Von 1986. Damals geschah ein außergewöhnliches Ereignis in der historischen italienischen Stadt Assisi, Heimat des Heiligen Franziskus. Die ernsthafte Einladung eines Papstes, Johannes Paul II., versammelte viele religiöse Verantwortliche der Welt. Es war keine Verhandlung. Nur eine Begegnung. Einfache Worte, sich als Brüder zu erkennen, einer neben dem anderen zu beten. Viele fragten sich im Klima des Kalten Krieges, der siegreichen Säkularisierung: waren die Religionen nicht eine archaische Tatsache; dazu bestimmt, im Fortschritt der Modernität unterzugehen? Was konnten die Religionen tun angesichts des politisch-miliärischen Systems des Kalten Krieges?
Das Ereignis von Assisi zeigt einen Geist: den Geist von Assisi, der noch immer stark weht. Noch nie war so etwas einfaches und entscheidendes geschehen. Johannes Paul II. ahnte mit einem prophetischen Blick, dass die Religionen eine entscheidende Rolle haben werden. Am Abend des 27. Oktobers 1986 auf den Hügeln von Assisi , bei großer Kälte und vor einem klaren Himmel sagte er: „Zusammen haben wir unsere Blicke mit den Visionen des Friedens wieder neu erfüllt: sie bringen Energien für eine neue Sprache des Friedens hervor, für neue Gesten des Friedens; Gesten, die die fatalen Ketten der Trennungen zerbrechen werden, die die Geschichte vererbt hat oder die von den modernen Ideologien hervorgebracht wurden...“
Verantwortliche der großen Religionen, Christen, Juden, Muslime, Buddhisten, Hinduisten nebeneinander zu sehen, in einem Klima des spirituellen Respekts, war eine Vision des Friedens. Es war sehr kalt, aber der Himmel der Zukunft war klar. War es die Utopie eines mystischen Papstes? Der tröstende Traum vor der Macht der zwei Imperien des Kalten Krieges?
Wir von der Gemeinschaft Sant’Egidio haben das nicht geglaubt. Wir waren in Assisi an jenem 27. Oktober 1986 und wir spürten das Beben der Gesichichte und die Faszination einer Prophezeiung. Johannes Paul II. sagte am Ende seiner Rede: „Der Friede ist eine Baustelle, die für alle offen steht und nicht nur für die Spezialisten, die Gelehrten und Strategen.“ Wir antworteten: diese Baustelle ist unsere Baustelle!
Es ist nötig auf der Baustelle des Friedens zu arbeiten: viele offene Kriege. Nicht nur von Spezialisten. Wir, die wir damals überwiegend junge Leute waren, spürten, dass der Frieden unsere Baustelle war; dass der Geist von Assisi weiter wehen musste. Und wir sind hartnäckig und leidenschaftlich fortgefahren, uns zu treffen, Jahr für Jahr. Es gab den, der sagte, das es unnütz ist: eine rituelle Wiederholung sich jedes Jahr zu treffen; die Religionen hätten die Welt nicht geändert. Aber Assisi war eine Prophezeiung: verschiedene Menschen zusammen im Zeichen des Friedens, aufmerksam für die Wirklichkeit des Menschlichen.
Die Gemeinschaft Sant’Egidio ist ein kleines Volk von Gläubigen, Kinder der katholischen Kirche, die in vielen Teilen der Welt lebt, in Europa, in Afrika, in Asien, in Amerika: viele sind jung, arme und einfache Leute; wir sind alle Freunde der Armen und Bedürftigen. Ja, die ersten Freunde von Sant’Egidio sind nicht die Großen, sondern die Armen; jene der europäischen Städte, die AIDS-Kranken in Afrika, die Gefangenen, die Bettler... Die Armen wissen, dass der Krieg der Vater aller Armut ist und dass Konflikt und Gewalt, Not hervorbringen und vor allem von ihnen bezahlt wird.
Aufgewachsen in der Schule des Evangeliums verabscheuen wir den Krieg und spüren, dass der Frieden unsere Berufung ist. Der Frieden ist nicht nur das Ende des Krieges: er ist Solidarität mit den Vielen, zu vielen, Millionen von Armen in der Welt. Wenn wir den Frieden wollen, müssen wir den Armen begegnen! Es gibt keinen Frieden, wenn Millionen von Frauen, Kindern, Männern die Gewalt der Armut erleiden! Dies ist keine Theorie, sondern ein lebendiges Bewußtsein von dem, der die Armen leiden gesehen hat. So viel Schmerz ist nicht ertragbar.
Seit diesem 1986 haben wir uns des Geistes von Assisi angenommen und haben ihn in die Ecken der Welt gebracht. Wie ein Lasttier haben wir den Geist in viele Ecken der Welt gebracht. So sehr, dass es heute schwer ist, uns von diesem Geist zu unterscheiden. Der Geist von Assisi zeigt die Kraft des Geistes. In Assisi sah man die Umarmung von Menschen verschiedener Religionen, die sich jahrhundertelang nicht verstanden hatten; sie hatten Gegensätze oder schlimmer noch, sie hatten sich sogar bekämpft. Wir haben die tiefe Verbindung zwischen einem authentischen religiösen Geist und der Suche nach dem großen Gut des Friedens verstanden. Wir haben gesehen, dass der Geist seine Kraft hat, eine demütige und schwache Kraft gegenüber jener arroganten der politischen und wirtschaftlichen Macht. Es ist die Kraft des Gebetes, der Liebe, des Dialogs und der Begegnung. Ja, die spirituelle Welt hat ihre friedliche und befriedende Kraft, die die Menschen und die Geschichte ändert. Tatsächlich, nach Assisi 1986, haben einige gewaltlose Gesten des Friedens die Trennungen der modernen Ideologien zerbrochen. Es war das Ende der sowjetischen Welt, die eine neue Zukunft aufbauen wollte indem sie die Freiheit des Menschen missachtete. Wir haben die Kraft des Friedens gesehen und die Werte des Geistes in verschiedenen friedlichen Ubergängen in den 90iger Jahren, wie jene von Südafrika von Nelson Mandela (die unmöglich schien). Der Geist von Assisi hat sich auch in der Arbeit der Gemeinschaft Sant’Egidio als effizient erweisen. Diese schloss 1992 den Friedensvertrag zwischen der Regierung und der Guerilla Mosambiks, nachdem jenes Land einen hohen Preis mit einer Millionen Tote bezahlt hatte. Die Kraft des Geistes kann den Krieg auslöschen.

Heute beschäftigen die Religionen die Szene des öffentlichen Lebens weit offensichtlicher als vor 20 Jahren. André Malraux sagte, dass das 21. Jahrhundert das der Religionen sein wird oder nicht sein wird. Aber die Religionen sind leider auch Benzin, dass in das Feuer der Kriege geworfen wird. Es ist die Geschichte der religiösen Fundamentalismen, des Hasses und der Gewalt im Namen Gottes. Ja, die Religionen können das Wasser sein, das das Feuer auslöscht oder das Benzin, das es entfacht. Deswegen müssen wir eine Sprache des Friedens pflegen. Deswegen müssen wir vor allem die tiefe Suche nach Gott pflegen, die dazu führt, den Geist des Friedens zu finden, der in der Tiefe jeder Religion ist.
Letztes Jahr waren wir in Neapel in einem Friedenstreffen, umgeben von dem großen Eifer des Volkes (und ich danke nochmals Kardinal Crescenzio Sepe, dem Erzbischof von Neapel). Damals sagte Benedikt XVI., als er die religiösen Verantwortlichen traf und vom authentischen Geist von Assisi sprach: „er widersetzt sich jeglicher Form der Gewalt und dem Missbrauch der Religion als Vorwand für Gewalt. Angesichts einer von Konflikten zerrissenen Welt, wo man die Gewalt mitunter im Namen Gottes rechtfertigt, ist es wichtig zu betonen, dass die Religionen niemals Mittel von Hass werden dürfen; nie darf man den Namen Gottes anrufen, um das Böse und die Gewalt zu rechtfertigen. Im Gegenteil, die Religionen können und sollen beste Möglichkeiten anbieten für den Aufbau einer friedvollen Menschheit, weil sie zum Herzen des Menschen vom Frieden sprechen.”

Viele sagen, dass eine Kultur des Friedens unmöglich ist und dass man gegenüber der harten Realität resignieren muss. Sie sagen, dass dies die Natur des Menschen und der Völker ist. Es sind diejenigen, die glauben, dass der Krieg Frieden schafft, auch wenn er fast immer ein vergiftetes Erbe hinterlässt. Es sind diejenigen, die behaupten, dass der Friede nur von der Entwicklung des Marktes kommen kann und die sich der für sie einzigen wahren Vorsehung anvertrauen: dem Markt. Im letzten Monat sind wir Zeuge des Versagens dieses Vertrauens in den Markt geworden. Man muss vernünftig sein und verstehen, die Lektion aus der Geschichte zu ziehen. Es wird nicht die Vorsehung des Marktes sein, die Frieden bringen wird. Er wird nicht ein Land allein sein, so mächtig es auch sei. Es wird nicht ein Handelnder allein sein. Die Handelnden und die Protagonisten der Geschichte sind heute sehr stark und zahlreich. Wir sind keine Träumer, sondern Realisten. Die Realität ist komplex und wird von vielen bestimmt.
Wer auf dem Weg des Geistes gegangen ist, weiß gut, dass die Realität nicht nur auf die Wirtschaft reduziert werden kann und auf die brachialen Gesetze der Kraft. Eine neue Welt ist möglich: nicht als Frucht einer Magie, sondern als eine geduldiger Aufbauprozess einer Kultur des Zusammenlebens, im kleinen täglichen Dialog, in der Begegnung, im Respekt für die Freiheit und Persönlichkeit des anderen, in der Solidarität mit den Ärmsten, den Kleinsten, mit dem Leben in all seinen Formen und Phasen. Um eine neue Welt aufzubauen, braucht man mehr Menschlichkeit und mehr Geist. Menschlichkeit und Geist können eine wahre menschliche Gemeinschaft verwirklichen, eine Gemeinschaft der Völker.
Es wird nicht nur ein Spezialist, ein Mächtiger, nicht nur ein Mann allein sein, der eine neue Welt aufbaut. Sondern es werden die Völker sein mit der Hilfe Gottes, mit dem Respekt gegenüber allen. Mehr Geist ist nötig, Geist des Friedens, Geist des Mitleids in dieser Zeit: es kann die Morgenröte einer besseren Welt sein oder eine Zeit des Chaos.
Die Religionen lassen Millionen von Frauen und Männern hoffen: auf die Möglichkeit persönlich besser zu werden, auf eine bessere Welt, auf das ewige Leben. Die Religionen sind ein Erbe der Hoffnung. Resignieren wir nicht zu sehr vor der Realität des Krieges, vor den vielen bewaffneten Konflikten, vor zu viel Armut? Sind wir nicht zu sehr resigniert vor eine Mentalität des ständigen Konflikts zwischen den Völkern, den Kulturen, den Religionen? Sind es nicht gerade die Männer und Frauen, die Gläubigen, die die Träger der Hoffnung sind?
Deswegen sind wir hier: um uns auszutauschen, Dialog zu führen, Freundschaften zu knüpfen und den Hass zu verbannen, der zu oft in die Köpfe gesät wird.
Wir müssen, verehrte Freunde, auf eine Kultur des wahren Friedens hoffen basierend auf der Ablehnung des Krieges, des ernsthaften Zusammenlebens zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen, der Solidarität mit den Armen. Wir müssen hoffen, dass aus der Welt des Geistes, eine wahre Menschlichkeit entsteht, fähig zum Mitleid. Unsere Überzeugungen, unsere Traditionen, unser Glaube sind verschieden. Das verleitet uns aber nicht zum Hass oder zur Verachtung. Es verleitet uns noch nicht einmal dazu, die Unterschiede zu beseitigen. Das wäre nicht richtig! Sondern der Frieden in der Unterschiedlichkeit ist das wahre Zeichen, das wir in unserer Zeit brauchen: Zeichen der Menschlichkeit, der Freiheit, des Reichtums. Deswegen sind wir Ihnen allen sehr dankbar, dass Sie von diesem schönen Zypern aus, ein Signal des Friedens in eine schwierige Welt aussenden: das der Taube und des Regenbogens. 
 

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