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14 Juli 2010

Eine Diskussionsrunde mit verschiedenen Stimmen zum Buch "Wege zum Frieden" eröffnet einen Reflexionsprozess über die Charakteristiken der friedensstiftenden Erfahrungen der Gemeinschaft Sant'Egidio

 
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Die Diskussionsrunde in der ISPI von Mailand beschäftigte sich am 28. Juni mit dem Buch "Wege zum Frieden. Die internationale Friedensarbeit der Gemeinschaft Sant'Egidio" und war eine Gelegenheit, mit verschiedenen Vertretern über die im Buch beschriebenen friedensstiftenden Erfahrungen der Gemeinschaft ins Gespräch zu kommen. Im Folgenden findet sich eine Zusammenfassung.

Die Diskussionsrunde wurde von Milena Santerini moderiert und mit einer Einführung von Marco Impagliazzo eröffnet, der auf die Besonderheit von Sant'Egidio als "ganz eigenes internationales Subjekt" hinwies, das in den vergangenen Jahren "die realistische und beharrliche Hoffnung nähren wollte, dass Frieden möglich ist, indem mit Geduld Wege zum Frieden aufgezeigt und Spaltungen überwunden wurden, indem Garantien für die Zukunft geschaffen und darauf hingewiesen wurde, dass nichts schlimmer ist als der Krieg, und indem die Sehnsucht der unter der ‚Geißel' des Krieges leidenden Völker nach Frieden zum Vorschein gebracht wurde".

"Es gibt eine Verbindung zwischen ihrem Tun und der Förderung des internationalen Friedens, auch was den Einsatz auf örtlicher Ebene in Italien betrifft. Wenn es den gemeinsamen und anerkannten Wert und das Gespür für soziale Gerechtigkeit nicht gäbe, würdet ihr wahrscheinlich nirgends solidarisch handeln", sagte Giuseppe Guzzetti, der auch auf die ähnlichen Ziele der Stiftung Cariplo hinwies, deren Vorsitzender er ist. "Der Aufbau der sozialen Gerechtigkeit und die Hilfe für die Bedürftigen, Ausgegrenzten und Schwachen (alte Menschen, Kinder, Behinderte, Ausländer, Menschen am Rande unserer Gesellschaften) ist die beste Art, um Konflikte zu verhindern, die man nicht als Krieg bezeichnen kann, die jedoch dieselben bedauernswerten Folgen, wie das Fehlen von Frieden, haben. Mit diesem Ziel handelt die Gemeinschaft Sant'Egidio, bei der ich wichtige Ähnlichkeiten zu unserer Stiftung entdeckt habe. Die Kriege können häufig durch zwei zusammenhängende Ursachen ausgelöst werden. Zunächst durch kulturelle und religiöse Bedingungen in bestimmten Situationen der Welt. Auf diesem Gebiet hat die Gemeinschaft Sant'Egidio bewiesen, dass sie eine grundlegende Rolle spielt und in den Ländern, wo sie tätig ist, als Puffer zwischen den Spannungen dient und den Dialog unter den Menschen durch eine wirkliche Diplomatie fördert. Dann durch wirtschaftliche Probleme. Die weltweite Krise hat bewiesen, dass die Beziehung zwischen Mensch und Wirtschaft zu Unheil führt, wenn sie nicht vom Schutz ethischer Werte gekennzeichnet ist. Das konnten wir in diesen drei Jahren erleben (G8, G20...). Das alles, also eine von der zentralen Bedeutung des Menschen losgelöste Wirtschaft, zahlt sich nicht aus. Die Worte "soziale Verantwortung, Unternehmen und Ethik" werden immer wieder erwähnt und besitzen eine einzige Wurzel: die Verantwortung für die Menschen, für die Länder, in denen wir leben. Wenn die Entwicklungsländer ihrem Schicksal überlassen werden, führt das früher oder später dazu, dass hohe Preise bezahlt werden müssen, auf wirtschaftlichem und vor allen Dingen auf sozialem Gebiet, wie es in "Caritas in veritate" heißt. Man darf das Band, das den Menschen mit der Wirtschaft verbindet, nicht durchschneiden, die Ethik muss beide Seiten miteinander verbinden".

Schließlich sprach der Vorsitzende Guzzetti auch auf der Grundlage der Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft beim Projekt Malawi über das Konzept der "Gesundheitsdiplomatie". "Es gibt viele Probleme mit AIDS, die nicht mit der Verteilung von Medikamenten oder Millionen Tests zusammenhängen, sondern mit der Frage der Gesundheitserziehung, dass nämlich viele eine Behandlung aus kulturellen Gründen ablehnen. Das Ziel der Überwindung der Krankheiten wird daher nicht durch die Impfung von Millionen von Menschen erreicht, sondern durch Aufklärung, damit man sich Krankheiten nicht zuzieht. Es geht um eine Eingliederung in ein umfassenderes Programm, in dem die Gesundheit ein Aspekt dieser Diplomatie wird".

Dieser originelle Ansatz ist einer der Aspekte, die Lorenzo Ornaghi, der Rektor der Katholischen Universität, als "Anomalie" oder besser als "Paradoxon Sant'Egidio" bezeichnete, das seiner Meinung nach gut in die aktuelle geschichtliche Situation passt, in der "die wachsende Bedeutung der Rolle, der Bereiche und Aktivitäten der Gemeinschaft Sant'Egidio den Veränderungen des internationalen Systems entspricht oder damit in Verbindung steht, die zur Zunahme der Subjekte geführt haben und vor allem in direkter Verbindung mit der ‚fließenden Charakteristik' des internationalen Systems stehen. Dieser ‚fließende Zustand' hat sich nach den großen Erschütterungen der zwei Weltkriege und nach dem Verlust der zentralen Stellung Europas als Hauptsubjekt auf internationaler Ebene eingestellt".
Ornaghi sprach auch über die christlichen Wurzeln dieser "Diplomatie", die sich "zwischen Realismus und christlicher Großzügigkeit bewegt und die Herausforderung spürt, das Unmögliche zu suchen. Nur wenn wir das Unmögliche herausfordern, können wir das Mögliche erreichen. Das ist der Grund für zahlreiche Handlungen oder Absichten, die nach dem allgemeinen Empfinden scheinbar für unmöglich gehalten werden, aber doch versucht werden und letztlich das Mögliche erreicht haben.
Im Überblick fügen sich die Episoden zusammen und aus einer scheinbar geschichtlichen Aufsplitterung ergibt sich das Bild, das letztlich ein komplexes Handeln der Gemeinschaft Sant'Egidio in diesem globalen System darstellt und doch stark an bestimmte Gebiete gebunden bleibt. Es handelt sich also um eine globale Sichtweise auch auf lokalem Gebiet, das ist meiner Meinung nach die Stärke dieser scheinbaren ‚Anomalie'. Es gibt keine unwichtige und wichtige Geschichte. In dieser Hinsicht müssen die Historiker die Kategorien der Geschichte der Staaten und der Diplomatie, wie wir sie kennen gelernt haben, aktualisieren. In diesem Zusammenhang sind die verschiedenen Aufsätze und Kapitel nicht nur persönliche Zeugnisse, sondern schon Teile einer Geschichte".
Am Ende sagte er: "Eine im Titel ‚Wege zum Frieden' zusammengefasste Geschichte ist eine der schönsten Ereignisse, weil man am Ende nach einem Streit in einer Gruppe oder Familie ‚Wege zum Frieden' findet. Deshalb ist ein Konflikt nicht nur lösbar, wenn der Feind vernichtet wird, sondern wenn Wege zum Frieden gegangen werden, wenn teilweise sehr tiefe Brüche zusammengefügt werden, um für alle und damit für die Menschheitsfamilie, in der auch die kämpfenden Parteien Glieder bleiben, eine bessere Zukunft zu ermöglichen".

Abschließend sprach Sergio Romano, Leitartikelschreiber des Corriere della Sera, ausgehend vom Vorwort von Andrea Riccardi, über das, was Sant'Egidio "nicht ist" im Vergleich zu traditionellen Akteuren in Friedensprozessen. Er untersuchte verschiedene Konflikttypen und beschäftigte sich mit denen, bei denen Sant'Egidio tätig wurde und auch durch eine umfassendere Kenntnis des Landes, der Geschichte und des Volkes größere Erfolgsmöglichkeiten hatte:
"Wenn die Konfliktparteien müde werden und ein Gefühl von Belanglosigkeit angesichts dessen, was sie tun, feststellen und verstehen, dass sie ihre Ziele, für die sie kämpfen, nicht erreichen können. Dann fangen Teile der verschiedenen Fraktionen an, sich um einen Kompromiss zu bemühen. In diesem Augenblick könnt ihr eingreifen, wie es in Mosambik und Guatemala geschah, wo ihr im richtigen Moment begonnen habt. Natürlich ist es nicht einfach, den richtigen Augenblick zu erwischen, weil diese sich verändernden Meinungen niemals so deutlich, sichtbar und erkennbar sind. Man muss sie verstehen und interpretieren, sie sind oft von der Generation abhängig. Häufig muss eine ganze Generation im Drama des Krieges zugrunde gehen, bevor sie versteht, dass man so nicht weiterleben kann. Dann ist euer Problem, das rechte Verstehen des Augenblicks und die Förderung und Stärkung dieses Gefühls auf beiden Seiten.
Der Gemeinschaft Sant'Egidio kommt folgender Verdienst zu: Sie hat die Fähigkeit zum Eingreifen nicht deshalb, weil sie christlich sondern weil sie gebildet ist. Wenn ihre Mitglieder in einem bestimmten Land sprechen, kennen sie die Lage, die Geschichte, die Führer, die Programme, die Schwachpunkte und können mit diesen Leuten reden".

Am Ende zählte Romano die Stärken im Handeln von Sant'Egidio auf und sagte: "Die Gemeinschaft kann aus einem Friedenserfolg nur moralische Vorteile ziehen. Denn der Vermittler wird sehr häufig mit Misstrauen angeschaut, weil man meint, dass auch er Vorteile davon hat, eine Lösung statt einer anderen durchzusetzen. Deshalb wird der Vermittler mit Misstrauen angeschaut... Doch die Gemeinschaft kann sagen, dass die moralische Zufriedenheit über den Erfolg ausreicht. Jeder gewonnene Kampf macht euch glaubwürdiger, nicht reicher oder mächtiger, sondern glaubwürdiger und daher fähiger, den nächsten Kampf anzugehen".



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