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12 Oktober 2011 | NOVARA, ITALIEN

"Die Freunde" hüten das Geheimnis der Menschheit. Kunstwerke behinderter Künstler in Novara (Italien) zum 150. Jahrestag der nationalen Einheit als Wegweiser für die Zukunft des Landes

 
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Nicht nur die Gesichter der Freunde strahlten vor Freude und Staunen, sondern auch der städtischen Vertreter und der zahlreichen Gäste bei der Ausstellungseröffnung "Wir, Italien" in Novara. In der alten Bibliothek des Staatsarchivs wurden die Werke und Installationen ausgestellt, die ein andere Bild von Italien zeigen, das bessere, schöne, tiefe und menschliche Bild. Dieses Bild erscheint nicht in den Tagesschlagzeilen, sondern kommt in den durch die Arbeit der Freunde erstellten Farben und Formen zum Ausdruck.

"Behindert? Überbegabt!" sagte zu Beginn der Präfekt Giuseppe Amelio in seiner Rede: "Sie sehen und verstehen viel mehr als das, was wir sehen und verstehen! Danke, Freunde!"

An die bei der Einweihung anwesenden Jugendliche wandte sich die städtische Kulturreferentin Paola Turchelli: "Der Besuch dieser Ausstellung ist wichtig, denn man entdeckt, dass die Behinderung ein Reichtum und nicht Armut ist, Schönheit und nicht Finsternis". Der Bürgermeister dankte anschließend Giuse Fiaccabrino, der im Namen der Freunde ein überzeugendes und begeisterndes Grußwort sprach. Er bezog sich auf die großen Probleme, den Wohlfahrtsstaat zu finanzieren, und kam zum Ergebnis: "Wenn Gelder fehlen, tun wir uns zusammen: dann können wir große Dinge tun!"

Der Kulturreferent der Provinz Novara, Alessandro Canelli, sprach über seinen Eindruck, dass die Freunde ihm Hoffnung und der Zukunft einen Sinn schenken: "Hier zeigt sich eine Kraft, die alle Schwierigkeiten überwindet. Die Texte müsste man auswendig lernen".

Bewunderung für die Werke brachte Franco Terzera zum Ausdruck, der einen Artikel aus der Zeitung Sole 24 ore zitierte und auf die Notwendigkeit hinwies, dass Italien wieder zu jenem Einsatz der Nachkriegszeit zurückkehren muss, der bei den Freunden zu finden ist: "Sie haben die Kraft und das Talent des Wiederaufbaus. Sie sind nicht Künstler zweiter Klasse, sondern echte, vollkommene Künstler, die auch schwierige Inhalte vermitteln und dabei eine Menschlichkeit zeigen, die uns fehlt".

Die Direktorin des Staatsarchivs sprach über ihre Erfahrung: "Hier lernt man, zuzuhören und zu leben: unsere Oberflächlichkeit stößt auf die Tiefsinnigkeit dieser Künstler. Der schöne Abschluss der Feiern zum 150. Jahrestag der Einheit Italiens mit dieser Ausstellung hilft uns, Rhetorik zu überwinden und die Wahrheit des Lebens zu erkennen".

Der Lehrer Bruno Polver vergnügte sich mit den Behinderten: "Unterschwellig fühle ich mich durch diese Arbeiten überlistet! Die Schönheit eurer Arbeiten macht mich sehr betroffen. Wer normalerweise von seinen Malfähigkeiten überzeugt ist, schafft banale Dinge. Wer jedoch meint, kein Künstler zu sein, ist es wirklich, wer seine Grenzen erkennt, zeigt seine Ehrlichkeit und Konkretheit und damit die Schönheit von Werken wie diesen. Es gibt nichts Schöneres!"

Das Gefühl der Zugehörigkeit hob Daniela Sironi von der Gemeinschaft Sant'Egidio hervor: "Die Freunde hüten das Geheimnis der Menschlichkeit: die Schwäche und das Bedürfnis der anderen. Das Zusammensein ist die Stärke der Freunde. Das ist die Zukunft für unser Land: Ausgangspunkt sind die Schwachen, um zu entdecken, dass niemand auf sie verzichten kann und dass die Schwachen oft eine Stärke schenken, die alle mitreißt, wie es bei dieser uns begeisternden Ausstellung geschieht". Am 20. Oktober sollen die Werke ausgezeichnet werden, die am meisten Gefallen finden. So wurde der Vormittag mit Applaus und lächelnden Gesichtern abgeschlossen, aber auch mit lauschendem Schweigen vor den Farben und Worten der Ausstellung, die wirklich allen viel zu sagen hat.


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