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30 Januar 2013

Der Tod von Ceija Stojka, eine Romni, die das Konzentrationslager der Nazis überlebt hat

 
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Die Gemeinschaft Sant'Egidio ist mit dem Volk der Roma in der Trauer über den Tod von Ceija Stojka vereint, einer Zeugin des Porrajimos, dem Holocaust des Volkes der Roma und Sinti. Sie verstarb am 28. Januar in Wien kurz nach dem Holocaust-Gedenktag.

Ceija Stojka wurde 1933 in einer großen österreichischen und katholischen Romafamilie, geboren, die von den Nazis ausgelöscht wurde. Als Kind wurde sie zunächst nach Birkenau, dann nach Ravensbrück und schließlich nach Bergen-Belsen deportiert. Sie war eine Schriftstellerin und Künstlerin und damit eine Stimme für das Leid des Romavolkes während der nationalsozialistischen Verfolgung. Eines ihrer Bücher heißt "Träume ich, dass ich lebe?", in dem sie über die Erfahrungen als Kind im Lager Bergen-Belsen berichtet. Es wurde auch auf Italienisch übersetzt.

Ihr großes Engagement für die Erinnerung und das Zeugnis hat sie mit der Gemeinschaft Sant'Egidio zusammengeführt. Sie nahm an Friedenstreffen der Religionen im Geist von Assisi und an Konferenzen mit Jugendlichen in Italien und Europa teil. Vor allem erinnern wir uns an ihre Anwesenheit bei der Pilgerreise der Religionen in Auschwitz 2009, an Konferenzen für Jugendliche in Ungarn und an ihre letzte Romreise im Juni 2012 zur Papstaudienz für die Roma und Sinti aus Europa.

Auch bei dieser Gelegenheit brachte sie wie schon in früheren Jahren ihre Sorge über zunehmende Phänomene von Antiziganismus in Europa zum Ausdruck: "Ich habe Angst, dass Auschwitz nur schläft", hatte sie zum Papst gesagt.

Eine gelungene Zusammenfassung ihrer Botschaft findet sich in den Worten an die ungarischen Jugendlichen von der Gemeinschaft Sant'Egidio bei einer der letzten Begegnungen: "Wenn ihr die Zigeuner, die Kleinen beschützt, beschützt ihr auch euch selbst. So werdet ihr zum Schutzmantel für euch selbst".

 

Weitere Informationen

Rede während der Audienz bei Benedikt XVI. Mit den Roma und Sinti aus Europa

Religionen und Kulturen im Dialog in Krakau

 

Biographie

Ceija Stojka wurde 1933 in Kraubath, einem Dorf in der Steiermark, als fünfte von sechs Kindern einer katholischen Familie von Roma Lovara geboren. Von 1941 bis 1945 wurde sie in drei Konzentrationslager deportiert, zunächst nach Auschwitz, dann nach Ravensbrück und schließlich nach Bergen-Belsen. Sie erhielt ein Mal wie eines der Pferde, die ihr Vater bei Auktionen verkaufte. Auf ihrem Arm war eintätowiert: Z6399. Z steht für Zigeuner. Zu ihrer Großfamilie gehörten über zweihundert Personen, von denen nur sie und fünf weitere Personen die Deportationen überlebten. Nach der Rückkehr aus dem Lager lebte sie in Wien und in der Umgebung der österreichischen Hauptstadt und arbeitete als fliegende Verkäuferin. Mit einer besonderen künstlerischen Begabung war Ceija Stojka Schriftstellerin, Dichterin, Sängerin und Malerin. Sie schrieb Gedichte und Texte in Romanes und Deutsch. Sie ist eine der wenigen Roma, die ihre Erinnerungen als Überlebende aufschrieb und eine Biographie veröffentlichte: Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer Rom-Zigeunerin 1988.

1992 wird ihr Buch "Reisende auf dieser Welt" veröffentlicht und 2003 ihre Gedichtsammlung Meine Wahl zu schreiben - ich kann es nicht.
2005 erzählt sie im Buch "Träume ich, dass ich lebe? Befreit aus Bergen-Belsen" ihre Erfahrung als Kind im Konzentrationslager Bergen-Belsen.
Von ihrem Geburtsort hatte sie nur blasse Erinnerungen, doch an die Vernichtungslager erinnerte sie sich genau: "Was ich in den Lagern erlebt habe, daran erinnere ich mich aber genau. Wir waren wenige Kinder in Bergen-Belsen. Wenn wir froren, verbargen wir uns manchmal unter den Leichenstößen. Wir kuschelten uns zwischen die Toten, weil der kalte Wind nicht dorthin kam. Wir Zigeuner hatten eine so geringe Bedeutung, dass sie nicht einmal Gas verwandten, um uns zu töten. Sie ließen uns an Krankheiten und Erschöpfung sterben. Ich weiß nicht, wie ich es schaffte, da herauszukommen".
Als Sängerin schrieb sie 1995 eine Liedersammlung in Romanes nieder mit dem Titel Me Diklem Suno (Ich habe geträumt). 1989 begann sie zu malen. Die Bilder zeigen traumatische Erinnerungen aus den Konzentrationslagern und Grausamkeiten der SS, abwechselnd mit bunten Naturbildern und Blumen. Ihre Bilder wurden in Museen in ganz Europa, Japan und den Vereinigten Staaten gezeigt.
Malerei und tägliche Schriftstellerei waren für Ceija Stojka vor allem Tätigkeiten, die sie für sich tat, wie sie auch in einem Buch bekennt: "Wenn ich meine Erinnerungen in mich begraben müsste, würde ich ziemlich sicher von ihnen erdrückt".
In den vergangenen Jahren reiste sie durch Europa, um vor allem zu jungen Menschen über ihre Erfahrungen als Überlebende des Porrajmos, der Vernichtung der Zigeuner, zu sprechen.
Am 11. Juni 2012 erlebte Ceija Stojka bei der Papstaudienz für die Zigeuner Europas die Freude, vor Benedikt XVI. und den ca. dreitausend versammelten Zigeunern ihr Zeugnis vortragen zu können. Am Ende ihrer Worte ging Ceija zum Papstsessel und brach in Tränen aus, dann umarmte sie den alten deutschen Papst.
Sie verbrachte die letzten Monate bei ihrem Sohn in Wien.

 


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