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Rom: Studientag "Verheißenes Land" - Medien und Immigration - Information, Darstellung und Sprachgebrauch


 
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Rom: Studientag "Verheißenes Land" - Medien und Immigration - Information, Darstellung und Sprachgebrauch
7. Juli 2010

Am 6. Juli 2010 fand in Rom im Konferenzsaal der Gemeinschaft Sant'Egidio ein Studientag zum Thema der Immigration und der Staatsbürgerschaft mit dem Titel "Verheißenes Land" in Zusammenarbeit mit der Vereinigung Stampa Romana und der Union der Katholisch-italienischen Presse Latium statt. Es gab zahlreiche Beitrage und Überlegungen zu dieser so ausschlaggebenden Frage für die Zukunft Italiens und Europas.

Beim Versuch der Überquerung des Mittelmeers zur Erreichung des "verheißenen Landes" Europas wurden in zwei Jahrzehnten "fast 15.000 sichere Todesfälle" von Immigranten registriert, "wobei diese Zahlen nach Schätzungen nur einem Dritten der Wirklichkeit entsprechen". Fast 5.000 dieser Opfer "genau genommen 4.772 kamen auf dem Weg nach Italien ums Leben". Darauf wies der Sprecher der Gemeinschaft Sant'Egidio, Mario Marazitti, bei der Eröffnung des Studientages hin. "Betroffen macht mich besonders, was Italien betrifft, dass über ein Drittel der sicheren Todesfälle (1.701) der vergangenen zwanzig Jahre in den vergangenen zwei Jahren im Mittelmeer umkamen. Es ist eine schreckliche Beschleunigung", so kommentiert Marazitti, "die nicht einmal große Betroffenheit oder Schlagzeilen auslöst. Dem entspricht für das Jahr 2009 eine drastische Abnahme der Überfahrten, die von 37.000 auf unter 10.000 gefallen sind, während die Todeszahlen mindesten doppelt so hoch sind. Das ist die Auswirkung von Libyen, ein unerwünschter Nebeneffekt. Mindestens 1.000 Tote hätte es nicht gegeben. Das ist unsere Todesstrafe, auch wenn sie von niemandem verhängt wurde".

"Wenigstens die Hälfte Asylbewerber sind, die ein Anspruch auf Asyl und einen Flüchtlingsstatus gehabt hätten und vom Mittelmeer verschlungen wurden. Alle sind Menschen. Alle", schlussfolgerte der Sprecher der Gemeinschaft Sant'Egidio. (VOLLSTÄNDIGER TEXT)

Während des Seminars hat Mario Morcellini von der Universität La Sapienza in Rom neue Untersuchungen der Charta von Rom vorgestellt. Hier eine Zusammenfassung: (PDF IT)

Migration. Eine neue Herausforderung für den Journalismus und die italienische Kultur von Mario Morcellini

Die Berichterstattung über die Immigration in den Medien bietet die Gelegenheit, um über die Fähigkeit des italienischen Journalismus nachzudenken, das Migrationsphänomen zu vermitteln und weise und ausgeglichen über eine Gesellschaft zu berichten, die sich verändert und entwickelt.

Das Thema ist heikel und sensibel für alle modernen Industriegesellschaften und erfordert daher Vernunft und Daten, während die typischste Antwort bei der Beschreibung des Immigrationsphänomens immer noch in der eingeschränkten und manipulierenden Notfallsituation besteht. Doch die Immigration ist nicht mehr konjunkturell, alle Möglichkeiten der Identität und Kultur sind vorhanden, um sie zu gestalten, die konzeptionell nicht mehr als Notfallsituation angesehen werden darf. In diesem Zusammenhang werden in der inhaltlichen politischen Debatte auf der Medienbühne immer noch Sicherheit und Immigration miteinander verbunden. Daraus folgt, dass der Zusammenhang zwischen Stereotypen und Faulheit bei der Berichterstattung letztlich zu einer missverständlichen Darstellung des anderen als drohender Gefahr für unsere Kultur und unser Leben führt. Journalismus und Politik verbindet zudem eine gewisse Unfähigkeit, die Veränderung zu verstehen und die bestehenden Tendenzen zu interpretieren, indem man sich auf wenige einfache Vorstellungen beruft und mögliche spekulative Prozesse über die Angst fördert. Diese Haltung kommt im öffentlichen Erfolg der Klatschpresse und der Immigrationsfragen zum Ausdruck: Berichte über individuelle Vergehen flüchten sich regelmäßig in irgendwelche systematische, kollektive und soziale Erklärungen für die Unsicherheit. Leider erstaunt es nicht, dass eine Haltung von einer gewissen Verschlossenheit gegenüber dem anderen auch in einem Land wie Italien zunimmt, vormals aufgrund eigener Geschichte und kultureller Tradition ein Land der Begegnung von Menschen aus verschiedenen Ländern.

Daher bezieht sich die Reflexion auch auf eine andere Informationsweise über die Migranten, die oft auf ein ewig festen Bild eingeengt wird und den Blick auf das Subjekt nur dann "fesselt", wenn es sich um Kriminalität handelt, die in allen Details auf den Klatschseiten dargestellt wird. Während bei der Berichterstattung über den Prozess ihre Bedeutung abgeschwächt wird, obwohl dabei die wirkliche Verantwortung für die Straftat verdeutlicht und menschliche Züge eingefügt werden könnten. Verschiedene Umfragen bestätigen, dass die Medien die Zahl der Migranten vergrößern und eine Asymmetrie zwischen realer und symbolischer Erfahrung schaffen, wodurch eine Haltung von Misstrauen erzeugt wird, die sicherlich nicht hilfreich ist, um Konflikte zu überwinden oder bei der Suche nach Lösungen für die Probleme zu helfen, die sich durch die Immigration stellen. Der Verlust von Bezugspunkten fördert eine Harmonisierung mit den Normen des Gastgeberlandes nicht.

Es ist unbedingt erforderlich, deutliche Hypothesen und Erklärungen zu formulieren und die sozialen Probleme auf der Grundlage der Tatsachen zu behandeln. Nur auf diesem Weg werden Bedingungen für eine Selbstkritik angesichts von übertriebenen Darstellungen des Themas geschaffen, die viel produktiver ist als eine von außen angestellte kritische Analyse. So ist es auch sinnvoll, die Fragen über die Qualität der Berichterstattung zu ändern und die Aufmerksamkeit auf die Artikel zu lenken, die in positiver Weise die Immigration mit Aufmerksamkeit für gute Praktiken beschreiben und dem Phänomen der von Migranten unterhaltenen Medien Raum geben.

Außerdem haben Experten für Kommunikation und Journalismus aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien über Fragen der Medien und der Immigration ausgetauscht und über die italienische Situation gesprochen.

Am Nachmittag fand ein Podium über "Immigration und Staatsbürgerschaft: Kritik und Vorschläge" statt, das von Paolo Butturini von der Vereinigung Stampa Romana und Mario Marazitti von der Gemeinschaft Sant'Egidio geleitet wurde und an dem unter anderem Emanuela di Marco von der italienischen Caritas, Gianromano Gnesotto von der Stiftung Migrantes, Lauren Jolles vom Hochkommissariat der Vereinten Nationen für die Flüchtlinge (Acnur) und Andrea Melodia von der Union der katholisch-italienischen Presse teilnahmen.

Bilder

 

Eröffnungsvortrag von Mario Marazziti, Gemeinschaft Sant'Egidio

Es war in den Monaten vor 1990. Italiener sind gute Leute: die Debatte und die nationale Konferenz zur Vorbereitung des Gesetzes Martelli 39/90, das die Rechte für regulär im Land lebende Ausländer festlegt und zu ersten Einschränkungen bei der Zuwanderung nach Italien führt, kennzeichnen eine Wende in Italien. Zum ersten Mal wird die Frage der Immigranten, die bisher außerhalb der politischen Auseinandersetzung geblieben war, zum sensiblen Thema. Man stellt Fragen nach der Zahl der Asylbewerber, die heute als "Illegale" bezeichnet werden. Istat und Censis sprechen von 1,5 bis 2 Millionen Nicht-EU-Bürgern in Italien. Laizistische Parteien wie die Republikaner und Antiimmigrationsgruppen sprechen von 3 Millionen. Die Gemeinschaft Sant'Egidio veröffentlicht auf der Grundlage der Besucherzahlen in den eigenen Sozialzentren und nach ausgewogenen Überlegungen entsprechend der Daten des Innenministeriums und unabhängig von ideologischen öffentlichen Diskussionen ein kleines Buch und spricht von etwas mehr als 700.000 Ausländern in Italien. Niemand besitzt vollständige Daten. Am Ende der Legalisierung unterscheiden sich die diesmal offiziellen Zahlen als abschließendes Ergebnis des Auftauchens der Zuwanderer in der Öffentlichkeit und einer Rechtspolitik nur um 20.000 von den Schätzungen der Gemeinschaft Sant'Egidio. Es war kein Gutmenschentum, sondern unideologische Überlegung und Intelligenz. Das könnte ein möglicher Weg sein.

Was war geschehen? Die Wahrnehmung der Anwesenheit oder der neuen Zuwanderung von Immigranten nach Italien war und ist in periodischen Abständen einfach von der Aufmerksamkeit und paradoxerweise dem Einfluss der Medien abhängig. Nach großen Schlagzeilen folgten regelmäßig Zeiten von Besorgnis und Alarm unabhängig vom Inhalt der Artikel oder Reportagen. 

Wir wissen, dass das Medium die Botschaft ist; das lehrte schon vor Jahrzehnten Mc Luhan. Man erinnert sich weniger an das, was im Fernsehen gesagt wird, als daran, wie es gesagt wird. Die Tatsache, im Fernsehen zu sein, hat allein schon maßgebliche sympathische oder unsympathische Auswirklungen.

Im Fall der Immigranten würde ich das Mediengesetz so beschreiben: "Der Platz (in den Medien) ist die Zahl". Das ist zumindest das Ergebnis, wenn man sich nicht um Information und Bildung bemüht, die den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft hilft, nicht allein und dann auf der Grundlage von Instinkten, persönlichen Schlussfolgerungen, Verallgemeinerungen, Vereinfachungen oder Wahl- und Medienkampagnen die Immigration zu beurteilen. Der Platz ist die Zahl. Eine erste Auswirkung ist das Gefühl einer Invasion und dann einer dauerhaften Notlage und unterscheidungsloser Belästigung und Furcht. 

In den 90er Jahren verbreitete sich ein sorgenvolles Klima angesichts der Immigration - innerhalb weniger Tage - auch gegenüber Nachrichten, in denen die Immigranten Opfer waren, wie bei der beispielhaften Geschichte von Jerry Essam Masslo, einem südafrikanischen Jugendlichen, der mit der Gemeinschaft Sant'Egidio befreundet war und bei uns lebte. Er wurde von Kontrolleuren im Hinterland von Caserta mit drei weiteren Tomatenerntehelfern grausam ermordet. Es kam zu einer authentischen nationalen Betroffenheit, einer Scham über den Rassismus und einer mit Kriminalität vermischten Gewalt. 

Bald danach kam es jedoch zu einer Welle von Angst, nachdem die Zeitungen ein Gefühl von Belästigung durch eine neue große "Invasion" wahrnahmen und dem großen Raum widmeten. 

In den vergangenen Jahren ist in dieser Hinsicht ein beschleunigter Prozess vonstatten gegangen, der andere Charakteristika angenommen hat. Der Sprachgebrauch hat sich schrittweise gewandelt. Dem technisch korrekten Begriff Nicht-EU-Bürger, der jedoch ein Gefühl von Fremdheit gegenüber der nationalen Bevölkerung in sich barg, folgten viele andere: Immigranten, Flüchtlinge, Vertriebene, Illegale, Asylbewerber, Ausländer, Neubürger. Dann wurde in allen Fällen schließlich nur noch von Illegalen gesprochen. Dieses Wort ist alarmierend und vermittelt das Gefühl von versteckter Einreise, von verstecktem Leben und von einer Welt ohne Gesicht, die von einem Augenblick zum anderen bedrohlich werden kann. Das geschah auch, als alle nach illegaler Einreise über italienische Küsten oder an Flughäfen identifiziert wurden. Es geschah auch, als wie im Fall der Landungen in Lampedusa nachweislich 70% aus Kriegsgebieten oder von schlimmen Notlagen oder Verfolgungen gekennzeichneten Ländern kamen, viele von ihnen waren Kinder und ca. 50% authentische Flüchtlinge und Asylbewerber mit entsprechender Anerkennungsquote. 

Wenigstens einer von zwei Flüchtlingen, die im Mittelmeer verschwinden, hat mit Sicherheit international Recht auf Asyl. Fast 15.000 sichere Todesfälle, wobei die wirkliche Zahl auf das Dreifache geschätzt wird, auf den Reisen nach Europa, und mit Sicherheit fast 5.000 (4.772) Verschollene in zwanzig Jahren auf dem Weg nach Italien. Erwähnen wir es zumindest hier, dass wenigstens die Hälfte Asylbewerber sind, die ein Anspruch auf Asyl und einen Flüchtlingsstatus gehabt hätten und vom Mittelmeer verschlungen wurden. Alle sind Menschen. Alle. Betroffen macht mich besonders, was Italien betrifft, dass über ein Drittel der sicheren Todesfälle (1.701) der vergangenen zwanzig Jahre in den vergangenen zwei Jahren im Mittelmeer umkamen. Es ist eine schreckliche Beschleunigung, die nicht einmal große Betroffenheit oder Schlagzeilen auslöst. Dem entspricht für das Jahr 2009 eine drastische Abnahme der Überfahrten, die von 37.000 auf unter 10.000 gefallen sind, während die Todeszahlen mindesten doppelt so hoch sind. Das ist die Auswirkung von Libyen, ein unerwünschter Nebeneffekt. Mindestens 1.000 Tote hätte es nicht gegeben. Das ist unsere Todesstrafe, auch wenn sie von niemandem verhängt wurde. 

Unsere Überlegungen von heute müssten von dem Denken über die Immigration ausgehen, das in dem einen Wort vom Illegalen zum Ausdruck kommt, wie es in den verschiedenen kulturell und politisch orientierten Medien und bei allen Fragen zum Ausdruck kommt. Selten wird auch bei den gewissenhaftesten Medienmitarbeitern von diesem "einen Wort" Abstand genommen. Die Gemeinschaft Sant'Egidio macht den Vorschlag, das Wort Illegale nur in begrenzten Fällen zu gebrauchen und wieder neu die Begriffe Immigranten, Asylbewerber, Flüchtlinge zu verwenden. Was ist illegal an einer Haushaltshilfe, die unsere alten Menschen betreut und uns hilft zu arbeiten, die beim Tod einer alten Frau keine Wohnung und keinen Arbeitsvertrag mehr besitzt, aber in Italien bleibt, um einer anderen Familie zu helfen, in der Zwischenzeit jedoch in eine Kontrolle gerät?

Der Gemeinschaft Sant'Egidio ist wichtig, ein Nachdenken anzuregen, daher organisiert sie in Zusammenarbeit mit der Vereinigung römische Presse und den UCSI von Latium einen Studientag mit den Institutionen und Medien, bei dem nachmittags auch dem Europaparlament und der FNSI Raum gegeben wird, bevor die Vereinigungen konkrete Vorschläge machen. Es soll nach Möglichkeit der Zivilgesellschaft, der öffentlichen Meinung und den Entscheidungsträgern geholfen werden, eine andere Art von Kommunikation zu pflegen. Er soll eine Integrationspolitik unterstützen und dem Land helfen, nicht auf einem selbst schädigenden Weg weiterzugehen. Wir sind unserem Wohlstand zu Standhaftigkeit und den Immigranten zur Zukunft verpflichtet, doch das verbergen wir vor uns selbst und belassen sie in der Ungewissheit. Dies führt zu Wut und letztlich zur Unsicherheit.

Das Land braucht Integration und soziale Eingliederung für die Immigranten. An dieser Stelle gibt es auch den Vorschlag einer neuen Staatsbürgerschaft und einer Reform der Wege zur Staatsbürgerschaft, der von der Gemeinschaft Sant'Egidio seit Jahren und mehreren Legislaturperioden gemacht wurde und schrittweise auf größere Zustimmung gestoßen und zu einer zweigeteilten Gesetzesinitiative geworden ist. Das Thema der Immigration besitzt in der öffentlichen Debatte keine eigene Würde. Es wird von der Frage der Sicherheit erdrückt, als ob es nicht auch stimmt, dass die Bevölkerungsabnahme, die Zunahme der Rentner durch die Immigranten aufgefangen und dem wirksam entgegengesteuert werden kann und ein beträchtlicher Teil der wirtschaftlichen Lebendigkeit des Landes und des Bruttoinlandproduktes ihnen zu verdanken ist. Als ob es nicht wahr wäre, dass die Verbrechensquote von anerkannten Immigranten absolut ähnlich ist wie bei den Italienern. Als ob es nicht wahr wäre, dass Abweichungen mit der Ausgrenzung und nicht mit der Geographie zusammenhängen. Als ob es nicht wahr wäre, dass die überwiegende Mehrheit der Masse von Immigranten in den Gefängnissen wegen Verletzung des Aufenthaltsrechts und der Kleinkriminalität der Drogen ist, wie auch wegen der Tatsache, dass bei Immigranten viel schneller als beim Rest in der sprichwörtlich langsamen Justiz ein Urteil gefällt wird. 

Wenige erinnern sich daran, dass 1904 in New York 40% der von Immigranten begangenen Tötungsdelikte von Italienern verübt wurde, obwohl die Italiener gerade einmal 4% der Bevölkerung ausmachten. Die Überzeugung war normal, dass man dies einem genetischen und kulturellen Faktor zuschrieb und die italienische Art als eine primitive Veranlagung zu Blutrünstigkeit und Gewalt ansah. Dieses nicht immer deutliche Konzept der italienischen Art wird teilweise lautstark und folkloristisch gegen die Immigranten verteidigt. Doch diese Folklore führt zu einer Haltung und letztlich zu bösen Gefühlen. Ich glaube, dass wir alle darin übereinstimmen, dass es nicht so war. Dass Italiener nicht allgemein und kulturell blutrünstiger waren als andere. Die Ausgrenzung erzeugt Abnormität und Gewalt. Wir müssen die Ausgrenzung bekämpfen und auch in der öffentlichen Debatte einschränken. Es tröstet uns die Tatsache, dass die Quote der Tötungsdelikte in Italien seit Jahrzehnten europaweit am niedrigsten ist. Daher sind Ausgrenzung und verlangsamte oder verhinderte soziale Integration die wahre Gefahr. 

Die Darstellung des anderen, des Immigranten spielt mit den Gesetzen, die wie bei einem Hindernislauf die Stabilisierung erschweren, eine Rolle, die von einer positiven Funktion zu einer Gefahr werden kann. Sie kann Spaltungen und soziales Misstrauen schaffen, denen nur schwer Abhilfe geschaffen werden kann. Die Zahl von gewalttätigen Rassismusepisoden hat in den vergangenen zwei, drei Jahren in einer eklatanten Weise durch Jugendbanden und private Bürger zugenommen, gegen Zigeuner und Immigranten. Es fällt nicht schwer, einen Zusammenhang zur jahrelangen Predigt der Verachtung und zu schlampigen oder verdorbenen Gewohnheiten in den Medien herzustellen. 

Die direkte Untersuchung von Professor Morcellini über die Immigration und das Asyl in den italienischen Medien bietet einen wichtigen Querschnitt, den wir nun gemeinsam entdecken werden. Ich nehme nichts vorweg. Beeindruckt hat mich, dass von 5.684 Fernsehberichten nur 26 nicht mit der Frage der Sicherheit in Zusammenhang standen. Natürlich gibt es eine Gewohnheit, in den Überschriften die Nationalität zu erwähnen (als ob bei einem Diebstahl oder einem Unfall geschrieben würde: Herr Soundso Müller - Dieb aus Tiburtino oder Pineta Sacchetti). Doch bei über einem Drittel der Gewaltdelikte veröffentlichen die Fernsehnachrichten die Identität eines Immigranten mit einer nicht zu tolerierenden "Nichtbeachtung" von italienischen Bürgern, die es jedoch nicht gibt, wenn es sich um Immigranten handelt. 

Zusammengefasst: es ist Zeit, eine Tendenz umzukehren. Eine neue Politik der Kommunikation ist notwendig, die der Integration dienlich ist und sie nicht behindert, die den Alarm auf das rechte Maß reduziert und Brücken der Sympathie und des Kennenlernens aufbaut. Das ist wichtig in einer Gesellschaft, die sich schon schwer tut, den sozialen Zusammenhalt und gemeinsame Ziele zu bewahren.

Das ist ein nationales Interesse. Eine Vorrangigkeit. Auch für die Sicherheit. Denn Angst und Verachtung schaffen nur Gespenster. Ich möchte mit einer einfachen Geschichte zum Abschluss kommen, die vor wenigen Tagen geschehen ist. 

Santa Severa. Die Geschichte eines verhinderten Lynchmordes. Eine Geschichte vom benachbarten Sonnenschirm. 18. Juni. Familien, Mütter und Omas am Meer, wenige Ehemänner, kein Andrang wie im August oder am Wochenende. Santa Severa ist nicht Rimini, der Strand mit Badeanlage in der Nähe von Pino a Mare ist ein Fleckchen Erde. Die Straße ist gleich nebenan, die italienische Genialität hat die Küstenstraße fast auf den Strand verlegt, ebenso die Häuser. Immer dieselben bekannten Straßenverkäufer. Ein gutmütiger Bademeister. Eine etwas ältere Mama, die nicht genug auf ihre kleine Tochter aufpasst. Es ist Mittag. Das Kind wird nicht mehr gefunden. "Der Badeanzugsverkäufer hat sie mitgenommen, er hat sie unter den Badeanzügen versteckt...". Laut wird Alarm geschlagen, der Bademeister versucht zu sagen: Lassen Sie nur, das stimmt nicht. Der Alarm wird lauter, man fängt an, am Strand nach dem Badeanzugsverkäufer zu suchen, die Polizei kommt. Nach zehn Minuten: "Sie wurde wieder gefunden!" Zuhause. Das Mädchen war allein nach Hause gegangen, mit fünf Jahren, wahrscheinlich weil sich die Mama mehr mit den älteren Geschwistern beschäftigte.
Verhinderter Lynchmord. Gerade noch. 


 

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